Attard - Jürgen Klopp hat die Tür für eine neue Generation mit seinem XXL-Kader weit aufgestoßen, der Andrang ist gewaltig. Er hätte „auch noch die halbe U 21 mitnehmen können“, sagte der Bundestrainer zuletzt, schließlich seien dort „auch viele großartige Jungs dabei“. Einige Talente haben den Sprung in die A-Nationalmannschaft bereits geschafft, viele weitere stehen noch Schlange – sie wittern in Klopps „Kader drei“ ihre Chance.
„Auf jeden Fall ist das der Traum jedes U-Spielers, irgendwann in der A-Nationalmannschaft anzukommen. Auch meiner“, sagt der derzeit vom VfB Stuttgart an den Bundesliga-Konkurrenten SV Elversberg verliehene Noah Darvich, der gerade erst sein U-21-Debüt feiern durfte. Paris Brunner, den Klopp als „Riesentalent seit Jahren“ bezeichnete und der in Lettland (4:0) doppelt traf, VfB-Stürmer Dzenan Pejcinovic, der schon ein „gutes Gespräch“ mit dem Bundestrainer hatte, oder Härtefall Nicoló Tresoldi, um den der DFB noch kräftig wirbt – alles „sehr interessante Spieler“. Die Botschaft ist angekommen: Der Weg nach oben ist so kurz wie noch nie.
Der „Leidtragende“ dabei ist ganz klar Antonio Di Salvo. Aleksandar Pavlovic, Lennart Karl, Tom Bischof, Said El Mala, Brajan Gruda (verletzt abgesagt), der Stuttgarter Finn Jeltsch, Mika Baur und Hennes Behrens – es stehen acht Spieler in einem der beiden A-Kader, die auch in der deutschen U 21 spielen könnten. Auswahlcoach Di Salvo sieht’s allerdings gelassen, er trage Klopps Plan „bedingungslos mit“, sagte der 47-Jährige. Das Wichtigste sei immer die A-Nationalmannschaft: „Ein Umschwung kann auch dadurch betrieben werden, dass er sich sehr, sehr viele Spieler anschaut. Ich finde die Idee gut.“
Der sportliche Aderlass dürfte für Di Salvo zu verkraften sein. Auch ohne tragende Säulen wie Kapitän Bischof sowie die torgefährlichen Karl und El Mala sollten die letzten Aufgaben auf dem Weg zum direkten EM-Ticket für die Endrunde im kommenden Sommer (16. Juni bis 3. Juli in Albanien und Serbien) lösbar sein. An diesem Mittwoch (18 Uhr/ProSieben MAXX) wartet der punktlose Tabellenletzte der Qualigruppe F auf Malta, am 6. Oktober geht es zum Abschluss in Bielefeld gegen Georgien.
Zwei weitere Chancen, die Aufmerksamkeit des Bundestrainers auf sich zu ziehen. Bei der U 21, die sich seit Montagabend auf der Mittelmeer-Insel befindet, sorgen Klopps Aussagen, „die Tür für jeden zu öffnen“, jedenfalls für einen Motivationsschub. Es sei „schön, dass da eine Chance ist, und deswegen versuchen, wir Gas zu geben“, sagt Darvich. Zwei seiner ehemaligen U-17-Weltmeisterkollegen (Jeltsch, Assan Ouédraogo) haben den Durchmarsch bereits geschafft.
Für Di Salvo ist es eine Bestätigung seiner Arbeit. Er freue sich „unheimlich für die Jungs“, die nun die Chance bei Klopp bekommen, „aber auch für uns, weil wir dann offensichtlich auf die richtigen Leute gesetzt haben im Scouting“, sagte Di Salvo, auch wenn er dadurch zuletzt etwas mehr experimentieren musste. Und dennoch: „Wir haben immer noch einen richtig guten Kader. Und ich freue mich auch immer, neue Gesichter kennenzulernen.“ Genau wie Klopp. An Bewerbern mangelt es jedenfalls nicht.
