stuttgart - Der VfB Stuttgart ist kein typischer Bundesliga-Aufsteiger, schließlich bringt er mit, was Neulingen oft fehlt: viel Erfahrung. Kapitänin Maximiliane Rall (32), die bei den beiden 2:1-Auftaktsiegen bei der TSG Hoffenheim und gegen den Hamburger SV ihre Führungsqualitäten zeigte, hat neun Länderspiele für Deutschland bestritten, Torhüter Laura Giuliani (33/Italien) und Stürmerin Nicole Billa (30/Österreich) kommen auf mehr als 100 Einsätze in ihren Nationalteams – um nur drei Beispiele zu nennen. Zugleich ist der VfB Stuttgart auch deshalb ein hochinteressantes Projekt, weil er nicht nur vielversprechende Talente im Kader hat. Sondern sie auch spielen lässt.
Zu den jungen Wilden gehört neben Verteidigerin Luzie Zähringer (18) und Mittelfeldregisseurin Dafina Redzepi (21) auch Stürmerin Mira Arouna (20). Alle drei standen in den beiden ersten Partien in der Startelf, alle drei überzeugten, alle drei haben sich schnell entwickelt – eine von ihnen in besonders hohem Tempo.
Mira Arouna kam nach drei Jahren bei den Zweitligisten VfL Wolfsburg II und Eintracht Frankfurt II im Juni zwar ohne Bundesliga-Einsatz nach Stuttgart, dafür aber mit Fähigkeiten, von denen sich die Verantwortlichen beim VfB viel versprochen haben. „Ihre Geschwindigkeit ist herausragend“, sagt Trainer Nico Schneck, „genau diese Komponente hat uns gefehlt.“
Wie wertvoll Mira Arouna für den Neuling ist, zeigte sich schon in der Vorbereitung. Obwohl sie zwischenzeitlich durch eine Oberschenkelzerrung ausgebremst wurde, gab sie richtig Gas – weshalb sie ihr erstes ganz großes Ziel schon zum Auftakt erreichte. „Es war immer ein Traum von mir, in der Bundesliga zu spielen“, sagt Mira Arouna, „als es soweit war, ist es ein großartiges Gefühl gewesen. Ich war total überwältigt und habe danach Zeit gebraucht, um alles zu verarbeiten.“
Mittlerweile hat sie auch ihre Heimpremiere erlebt („Die Kulisse war grandios“), und bereits vor dem Duell am Sonntag (18.30 Uhr) beim 1. FC Nürnberg ist für sie klar: „Der Schritt nach Stuttgart war absolut richtig. Ich bin jetzt dort angekommen, wo ich immer hinwollte.“ Aber noch lange nicht am Ende.
Mira Arouna, die als Fünfjährige in Hannover begonnen hat, Fußball zu spielen, und mit zwölf Jahren in die Nachwuchsabteilung von Turbine Potsdam wechselte, zeigte bei ihren ersten beiden Bundesliga-Einsätzen, was sie drauf hat – am Ball und in den Beinen. „Sie hat eine große Gier, in den Strafraum zu kommen“, sagt Nico Schneck über Mira Arouna, die mit ihrer körperlichen Robustheit auf dem Platz sehr präsent ist, „natürlich wird sie Zeit benötigen, bis sie ihr Niveau konstant abrufen kann. Aber diese Zeit bekommt sie von uns.“ Auch wenn es ihr selbst nicht schnell genug gehen kann.
Nach 137 Bundesliga-Minuten und zwei Auswechslungen wurmt es Mira Arouna schon ein bisschen, dass sie für den VfB noch nicht getroffen hat. „Ich muss an meinen Abschlussqualitäten arbeiten“, sagt sie, „und auch meine Ausdauer muss ich weiter verbessern. Da geht noch mehr.“ Schließlich ist für den Aufsteiger wichtig, einen langen Atem zu zeigen. In der ersten Saison im Oberhaus – und darüber hinaus. „Wir wollen erst den Klassenverbleib schaffen und uns dann in der Bundesliga etablieren“, sagt Mira Arouna, „und irgendwann möchte ich mit dem VfB international spielen.“
Bis dahin ist es ein weiter Weg, die Richtung aber stimmt. Weil die jungen Wilden, zu denen auch Muriel Dürr (17), die gegen den HSV zu ihren ersten Bundesliga-Minuten kam, und die schon zweimal eingewechselte Julia Mickenhagen (21) gehören, bestens zu den erfahrenen Kräften zu passen scheinen. „Wir sind ein cooles, sehr ehrgeiziges Team“, sagt Mira Arouna, „das Projekt in Stuttgart läuft bestens.“ Weshalb sie sicher ist, dass es bis zu ihrem ersten Bundesliga-Tor nicht mehr allzu lange dauern wird. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt die Stürmerin, „vielleicht ist es ja schon in Nürnberg soweit.“
