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Große Auswahl, kleiner Ertrag

In der Offensive verfügt VfB-Trainer Sebastian Hoeneß über viele personelle Möglichkeiten, doch bislang sind noch nicht viele Stuttgarter Stürmertore herausgesprungen.

  • Ab nach vorne: der VfB-Angreifer Dzenan Pejcinovic (Mitte) versucht sich im Zusammenspiel mit Ermedin Demirovic (links) und Chris Führich.Foto: Baumann

    Ab nach vorne: der VfB-Angreifer Dzenan Pejcinovic (Mitte) versucht sich im Zusammenspiel mit Ermedin Demirovic (links) und Chris Führich.Foto: Baumann

Stuttgart - Am Samstagabend gibt es ein nettes Wiedersehen. Serhou Guirassy schaut mal wieder vorbei. Zuvorderst, um mit Borussia Dortmund seiner Arbeit an der alten Wirkungsstätte in der MHP-Arena nachzugehen. Aber der 30-Jährige aus Guinea hat beim VfB Stuttgart ja eine besonders schöne Zeit erlebt. Sportlich wie privat. Das bleibt in Erinnerung – und anders herum ist es so, dass ein Teil der heimischen Fans wohl sehnsüchtig auf Guirassy blicken wird, weil der Angreifer auf dem Fußballplatz Wucht und Eleganz in seiner Spielweise ebenso vereint wie Treffsicherheit und Vorbereiterqualitäten.

Guirassy verkörpert mit seinen Fähigkeiten einen kompletten Stürmer, weshalb Niko Kovac den Torgaranten gerne als „sportliche Lebensversicherung“ bezeichnet. Der BVB-Coach verzichtet ungern auf die wieder aufblühende Nummer neun. In vergleichbarer Rolle steht beim VfB Deniz Undav im Zentrum des Geschehens. Allerdings tut sich im Augenblick eine kleine Kluft zwischen den beiden ehemaligen Angriffspartnern auf. Guirassy ist mit zwei Treffern und zwei Torvorlagen nach drei Einsätzen gut in die Bundesligasaison gekommen und hat seinen Status als Torjäger untermauert. Undav wartet dagegen auf sein erstes Erfolgserlebnis. Wie Dzenan Pejcinovic.

In der Liga hat bislang nur Ermedin Demirovic von den drei Stuttgarter Mittelstürmern getroffen. Was zweierlei zeigt: Zum einen läuft es in den Punktspielen nicht wie gewünscht, zum anderen verfügt der Trainer Sebastian Hoeneß dennoch gerade in der Offensive über eine große Auswahl. Nicht nur für die Angriffsspitze, sondern ebenso für die Positionen drum herum. Das verdeutlicht ein Blick auf die Bankreserven von Sinsheim. In der Partie bei der TSG Hoffenheim (1:2) saßen neben Undav noch Jamie Leweling, Bilal El Khannouss und Leo Sauer für die vorderen Reihen draußen.

Vier Nationalspieler, drei WM-Teilnehmer. „Das zeigt, dass die individuelle Qualität in unserer Mannschaft passt“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth grundsätzlich. Breit hat er den Kader gebaut und zuletzt in der Spitze mit Pejcinovic und Sauer perspektivisch verstärkt. Das lässt für die Zukunft hoffen, aber in der Gegenwart lassen sich mit diesen personellen Ressourcen bereits Spiele nach Einwechslungen verändern. Oder Hoeneß kann im Wechsel zwischen den drei Wettbewerben für die Weiß-Roten die Rotationsmaschine anwerfen.

Beides erfolgte im Kraichgau mit prominenter Power. Der Trainer stellte Pejcinovic und Demirovic erstmals gemeinsam in die Startelf – die zwei Dreifach-Torschützen aus den Auftaktsiegen im DFB-Pokal (Pejcinovic bei Hansa Rostock) und der Champions League (Demirovic gegen Viking Stavanger). Hoeneß entschied sich damit gegen die aggressiven und laufstarken Hoffenheimer für Körperlichkeit und Wille in der eigenen Formation. Er gönnte Undav mit seiner Schlitzohrigkeit zunächst eine Pause.

Allerdings griffen die Maßnahmen nicht wie zuvor. Trotz Torchancen für Pejcinovic, Demirovic und Undav. „Es ist uns nicht gelungen, die Momente für uns zu nutzen. Wir hatten nach dem Ausgleich die Möglichkeit, in Führung zu gehen und später auch um den erneuten Ausgleich zu erzielen“, sagt Hoeneß. Sein Fazit: „Wir haben das Spiel in den beiden Strafräumen verloren. Die Gegentore waren zu billig und wir waren vorne nicht effizient genug. Alles dazwischen war gut.“

Doch die Spiele auf Augenhöhe werden nun einmal vor den Toren entschieden. Vor allem Spitzenpartien. Und wenn der Vizemeister aus Dortmund zum Vorjahresvierten nach Stuttgart kommt, dann verspricht die Begegnung unter Flutlicht elektrisierend zu sein. Auf dieser Bühne will jeder Profi am Ball sein, weshalb Hoeneß gefragt ist, nicht nur die Belastungen passend zu steuern, sondern ebenso die Befindlichkeiten seiner Stars zu berücksichtigen.

El Khannous, zum Beispiel, strotzt vor Selbstbewusstsein und hält sich für einen Unterschiedsspieler. Gerne auf der Zehnerposition, die jedoch für Undav reserviert ist. Für seinen Geschmack sitzt El Khannouss (ein Tor) also zu oft auf der Bank. Da droht Unzufriedenheit. Einen ähnlichen Anspruch wie der Marokkaner kann auch Leweling erheben, der in der Vorsaison stark war. Jetzt sucht der Außenangreifer noch seine Form.

Überzeugt hat dagegen bislang Chris Führich, dem gegen die Hoffenheimer auf dem linken Flügel aber etwas die Frische abging. Sauer benötigt als Neuzugang zudem verstärkte Spielpraxis, um in Tritt zu kommen, und Tiago Tomas wird sich nach einer Verletzung ebenfalls bald zurückmelden. Auswahl genug in der Offensive, um Guirassy und Co. entgegenzutreten. Selbst wenn der erfolgreichste Bundesligascorer im VfB-Trikot aktuell ein Verteidiger ist: Josha Vagnoman mit zwei Toren und zwei Vorlagen.

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