Stuttgart - Auch mit Blick auf den Zeitplan hat es ganz gut gepasst: Vier Stunden Sitzungsdauer hatte sich die Clubspitze des Fußball-Bundesligisten für die Mitgliederversammlung gegeben. „Schließlich wollen wir ja auch noch ein bisschen von diesem sonnigen Sonntag draußen genießen“, wie es der VfB-Präsident Dietmar Allgaier in seiner Eröffnungsrede um 11 Uhr gesagt hatte. Am Ende war es dann 15.25 Uhr, als der Schlusspfiff ertönte.
Und die Sonne scheint ja auch sinnbildlich über dem Verein für Bewegungsspiele. Schließlich lag hinter den in der Spitze 814 anwesenden Mitgliedern, die den Weg in die Porsche-Arena im Neckarpark gefunden hatten, eine harmonische Versammlung. Satzungsgemäß hatte es diesmal keine Wahlen gegeben.
Der VfB ist als Vierter der abgelaufenen Bundesliga-Runde sowie als DFB-Pokalfinalist von 2026 in der kommenden Saison in der Champions League mit dabei – und auch hinter den Kulissen des mit 135.000 Mitgliedern größten Sportvereins Baden-Württembergs sind die unruhigen Zeiten mit viel Zank und Zoff unter den Funktionären inzwischen Geschichte. Derweil setzen die Gremien um den Aufsichtsratschef und Präsidenten Dietmar Allgaier, die alle entlastet wurden, sowie dem AG-Vorstandschef Alexander Wehrle auf Kontinuität.
„Wenn wir das goldene Jahrzehnt der Fünfziger Jahre mit zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen mal beiseite lassen, dann erleben wir aktuell eine der größten Erfolgsphasen des VfB“, sagte Wehrle mit Blick auf den Sport: „Wir haben Nationalspieler entwickelt und etabliert – und spielen einen erfolgreichen und erfrischenden Fußball. Wir haben dabei auch international bewiesen, dass wir unter Druck bestehen können.“
Für die AG konnte Wehrle Rekordzahlen beim Umsatz (383,6 Millionen Euro) und beim Gewinn (22,5 Millionen Euro) verkünden – und verwies mit Stolz auf den Bundesliga-Aufstieg der Frauen. „Noch können sich die Frauen wirtschaftlich nicht selbst tragen – aber es ist unser klares Ziel, dass wir das erreichen“, sagte Wehrle, der alle Freunde des Roten Brustrings leicht süffisant dazu aufforderte, die anstehenden Erstliga-Heimspiele der Frauen im Gazi-Stadion in Degerloch zu besuchen. „Die Kickers haben dort einen Zuschauerschnitt von 4000 pro Spiel – das sollten wir uns nicht gefallen lassen.“
Jazz Open, Weihnachtsmarkt, Vesperkirche, Nachsorgeklinik Tannheim oder Christopher Street Day – der VfB ist auch fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt und nimmt zudem seine soziale Verantwortung wahr. Eine Höhepunkt abseits des Platzes war in diesem Frühjahr das Konzert „Klassik trifft Kurve“, eine Gemeinschafts-Produktion zwischen den Ultras der Cannstatter Kurve und des Stuttgarter Kammerorchesters SKO. „Das war der lebende Beweis dafür, dass unsere Fankultur einzigartig ist“, sagte Wehrle.
Auf einem guten Weg ist auch die Vertragsverlängerung von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth über den Sommer 2027 hinaus. „Fabian leistet einen tollen Job für den VfB. Wir sind in guten, vertrauensvollen und zielführenden Gesprächen“, sagte Dietmar Allgaier zur Zukunft von Wohlgemuth, dem obersten Kaderplaner des VfB, der im Dezember 2022 vom SC Paderborn nach Stuttgart kam: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah zu einem Abschluss kommen.“ Klar machte der Vorstandsboss mit Blick auf das Bundesliga-Personal: „Wir wollen und können unseren Kader weiter verstärken“, so Wehrle: „Es gilt aber auch: Kein Spieler ist unverkäuflich.“
Ohne dem Spielbetrieb Gelder zu entziehen, möchte der VfB derweil ein neues infrastrukturelles Projekt stemmen, das unter anderem durch Mieteinnahmen und Gastronomie gegenfinanziert werden soll: Wie Wehrle den Mitgliedern verkündete, will der Verein das Carl-Benz-Center zwischen Stadion und Porsche-Arena kaufen. Darin befindet sich neben der Sportsbar „Palm Beach“ auch das Hotel „Hilton Garden Inn“.
„Unser Clubzentrum aus den Achtziger Jahre platzt aus allen Nähten“, sagte Wehrle, der mit dem für Marketing und Vertrieb zuständigen Karsten Petry einen neuen Vorstandskollegen begrüßen durfte. Daher müsse der VfB schon jetzt für die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter Container aufstellen – und will sich durch neue Räumlichkeiten nun mehr Platz schaffen. „Denn die Zustände im Clubhaus haben an einigen Stellen mit Bundesliga nichts mehr zu tun.“
