Stuttgart - Die Bühne ist keine völlig neue. Königsklasse, Flutlicht, die Hymne – all das erlebte der VfB Stuttgart vor zwei Jahren, all das steht nun erneut an. Und dennoch hat der wichtigste europäische Fußballwettbewerb nichts an Reiz eingebüßt, es kribbelt vor dem Auftakt am Mittwoch (18.45 Uhr) gegen den norwegischen Meister Viking Stavanger. „Wir freuen uns extrem auf die Champions League“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß, der mit seinem Team aber nicht nur genießen will. Denn der VfB Stuttgart hat Ambitionen.
In der Saison 2024/25 hatten die Stuttgarter das Weiterkommen in der Ligaphase knapp verpasst, dieses Mal soll es klappen mit einem Platz unter den besten 24 von 36 Teams. Zum einen, weil Verein und Mannschaft in den vergangenen Jahren weiter gewachsen sind und Erfahrungen auf internationaler Bühne gesammelt haben. Zum anderen ist es schon so, dass die Auslosung für den VfB ein auf dem Papier machbares Programm ergeben hat.
Ein Blick auf die Zahlen: Addiert man die Marktwerte aller Spieler eines Kaders auf dem Portal Transfermarkt.de, liegen fünf der acht Gegner hinter den Stuttgartern und deren 380 Millionen Euro: Slovan Bratislava (36 Millionen), Viking Stavanger (44 Millionen), der FC Brügge (199 Millionen), der OSC Lille (241 Millionen) sowie die PSV Eindhoven (284 Millionen). Höher eingestuft sind Galatasary Istanbul (412 Millionen), Atletico Madrid (680 Millionen) und Inter Mailand (730 Millionen).
Das Ganze lässt sich natürlich nicht eins-zu-eins auf das Geschehen auf dem Rasen übertragen, vermittelt aber doch Richtwerte in puncto Größe und Möglichkeiten der Vereine. Würde der VfB hierbei gegen die niedriger eingestuften Teams gewinnen, hätte er 15 Punkte auf dem Konto – und das Weiterkommen sicher. In der vergangenen Saison waren neun Zähler nötig für den entscheidenden Platz 24, im Jahr davor immerhin elf. Zum Leidwesen der Stuttgarter, die damals mit zehn Punkten knapp ausschieden.
Die großen Möglichkeiten des anstehenden Programms in der Königsklasse hat natürlich auch der Trainer registriert. „Klar rechnen wir uns jetzt Chancen aus. Wahrscheinlich hätte es auch schwerer kommen können auf den ersten Blick“, sagt Hoeneß – um umgehend zu warnen: „Bitte aufpassen, das sind sehr gute Mannschaften, die nicht umsonst in der Champions League spielen. Die Flughöhe ist nochmal eine ganz andere als in der Europa League.“
Und dass man gerade in der Favoritenrolle stolpern kann, hat der VfB vor zwei Jahren in der Königsklasse selbst erfahren. Damals machte die Mannschaft gegen die großen Namen starke Spiele, agierte bei Real Madrid (1:3) lange auf Augenhöhe und gewann verdient bei Juventus Turin (1:0) – ließ aber dann in den Partien gegen die vermeintlich Kleineren die entscheidenden Punkte fürs Weiterkommen liegen: zuhause gegen Sparta Prag (1:1) sowie auswärts beim Debakel gegen Roter Stern Belgrad (1:5).
Hoeneß hat das noch im Kopf, die Sinne sind geschärft. „Wir tun sehr gut daran, keinen einzigen Gegner in irgendeiner Form zu unterschätzen – das muss auch eine Erfahrung gewesen sein, die wir in unserer ersten Champions-League-Saison hatten.“ Er sehe schon die Gefahr, so der Stuttgarter Trainer, dass die Dinge zu einfach gesehen würden: „Das darf nicht passieren. Da müssen wir sehr klar sein. Und das fängt am Mittwoch an.“
Da heißt die Aufgabe Stavanger. Eines jener Spiele der Ligaphase, in dem der VfB um die Favoritenrolle nicht herum kommt und diese bestätigen will. Dabei stellt man sich auf einen eingespielten Außenseiter ein. In Norwegen wird die Saison nach Kalenderjahren gespielt, der derzeitige Tabellenzweite ist also voll im Saft. „Sie haben einen gewissen Rhythmus. Den haben wir noch nicht so ganz, so kurz nach Saisonstart“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. „Daher erwarten wir einen Gegner, vor dem wir höchsten Respekt haben und gegen den wir in jeder Minute die nötige Wachsamkeit an den Tag legen müssen.“ Denn das Ziel ist klar: Die ersten drei Punkte fürs Weiterkommen sollen her.

