Florian Lipowitz raste mit hohem Risiko in eine Kurve – dann rutschte der deutschen Radsport-Hoffnung das Vorderrad weg, mit dem harten Aufschlag auf dem Asphalt endete seine Tour de France. Acht Kilometer vor dem Ziel des Einzelzeitfahrens stieg der 25-Jährige in den Krankenwagen, hielt sich dabei die rechte Schulter.
Lipowitz hatte vor der Etappe auf Gesamtrang fünf gelegen, auch beim Zeitfahren lag er bei den Zwischenzeiten in aussichtsreicher Position. Nach dem Sturz steht fest: Für den Radprofi aus Laichingen (Schwäbische Alb) ist die diesjährige Tour de France vorzeitig beendet. Im vergangenen Jahr war der ehemalige Biathlet vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe sensationell auf den dritten Gesamtrang gefahren – und sorgte für große Euphorie in Deutschland.
Harter Aufschlag und ein vorzeitiges Ende
„Ich habe gehört, dass Florian gestürzt ist. Das gibt dem ganzen einen faden Beigeschmack. Ich wünsche ihm gute Besserung“, sagte der spätere Etappensieger und Lipowitz-Teamkollege Remco Evenepoel am Dienstagnachmittag. Der belgische Olympiasieger war auf den 26,1 Kilometern nach Thonon-les-Bains 28 Sekunden schneller als der Gesamtführende Tadej Pogacar.
In der Gesamtwertung führt Pogacar dennoch weiter souverän. Der Slowene liegt mit einem Abstand von 4:32 Minuten vor Evenepoel. Dritter ist der Mexikaner Isaac del Toro 6:51 Minuten hinter Pogacar. Lipowitz ist nach dem Aus des Dänen Jonas Vingegaard der zweite Podiumsfavorit, der nicht mehr dabei ist: Die Schwere der Verletzung ist unklar. Eine Diagnose gibt es noch nicht.
Während Lipowitz stürzte, preschte Olympiasieger Remco Evenepoel unweit des Genfersees über den Zielstrich und ließ sich in seiner Paradedisziplin nicht stoppen. Es war bereits erwartet worden, dass der Belgier am Nationalfeiertag seines Heimatlandes den Abstand auf Lipowitz vergrößert – doch nicht auf diese Weise.
Beide waren als gleichberechtigte Kapitäne bei der Tour gestartet. Mit der Zeit stellte sich Evenepoel als der bessere Fahrer heraus. Nach der schwierigen Tourmalet-Etappe hatte der Belgier auch heftige Kritik am Deutschen geübt. Nach außen wurde aber immer wieder betont, dass sich beide gut verstehen. Für Lipowitz ist die diesjährige Auflage nun auf dramatische Art und Weise beendet.
Lipowitz ereilt gleiches Schicksal wie Vingegaard
Für Gesprächsstoff hatte am heutigen Tag außerdem Thema Dopingkontrollen gesorgt. Wie Teamchef Ralph Denk im ZDF berichtete, wurde auch das Red-Bull-Team am Montagabend kontrolliert. Die Tests aller Fahrer fanden zwischen 22 Uhr und 23 Uhr statt und damit noch vor dem Zeitraum, in dem nächtliche Kontrollen nur bei einem konkreten Verdacht zulässig sind. Denk räumte zwar ein, dass die Maßnahme die Regeneration beeinträchtige, äußerte aber zugleich Verständnis für die Kontrollen.
Auch der deutsche Red-Bull-Profi Nico Denz hegte keinen Groll: „So ist es eben. Immerhin war die Kontrolle nicht um zwei Uhr nachts, sondern gegen halb elf“, sagte Denz in der ARD. Ex-Champion Jonas Vingegaard (Visma-Lease a bike) war in der Nacht zu Sonntag um 2 Uhr getestet worden, er stürzte am selben Tag und schied aus. Nun ereilte dieses Schicksal auch Lipowitz.

