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Die VfB-Frauen und das Ness-Netzwerk

Der VfB Stuttgart hat sein Frauenteam personell für das Abenteuer Bundesliga gerüstet. Einiges lief dabei über eine bestimmte Berateragentur. Was nicht nur eine Frage aufwirft.

  • VfB-Coach Nico Schneck (4.v.li.) beim Trainingsauftakt des Bundesliga-Aufsteigers.Foto: Baumann

    VfB-Coach Nico Schneck (4.v.li.) beim Trainingsauftakt des Bundesliga-Aufsteigers.Foto: Baumann

Stuttgart - Die Vorbereitung läuft, am Samstag (13 Uhr) gegen den 1. FSV Mainz 05 findet das erste Testspiel zu Hause in Stuttgart statt. Bis all das starten konnte, rotierte bei den Frauen des VfB Stuttgart das Personalkarussell auf Hochtouren. Junge Talente und erfahrene Spielerinnen sollen nach dem dritten Aufstieg in Folge den Klassenerhalt in der Frauen-Bundesliga sichern. Zuletzt wurde die italienische Nationaltorhüterin Laura Giuliani vorgestellt.

Die Kaderplanungen seien damit abgeschlossen, ließ man beim VfB wissen. Mit nun 30 Spielerinnen sieht der Verein sich gut gerüstet. Ein Blick auf die Personalien zeigt Auffälligkeiten. Da ist zum einen die Häufung der Station 1. FC Köln in der Transferhistorie mehrerer Spielerinnen. Giuliani, Janina Hechler, Yuka Hirano, Adriana Achcińska und Kapitänin Jana Beuschlein waren vor ihrer VfB-Zeit in Müngersdorf aktiv.

Wie Sascha Glass. Auch der General Manager Frauenfußball kam aus Köln nach Stuttgart und nutzte seither sein Kölner Netzwerk auffällig oft, um Spielerinnen zu verpflichten. Solche Verpflichtungen über bestehende Netzwerke sind im Profifußball gängig. Auffällig ist aber, dass sich im Kader der Stuttgarterinnen eine bestimmte Berateragentur besonders oft wiederfindet: die „Ness & Network GmbH“. Nimmt man die mittlerweile in die zweite Mannschaft gewechselte Anja Selensky dazu, sind es mindestens acht Spielerinnen aus dem Kader, die bei Ness unter Vertrag stehen.

Nun ist es ebenfalls nicht ungewöhnlich, dass Sportdirektoren mit gewissen Agenturen bevorzugt zusammenarbeiten. Legal ist es obendrein. Der Verein sieht darin kein Problem. „Die genannte Konstellation“ sei „nicht ungewöhnlich“, teilt der VfB auf Nachfrage mit, und sie sei auch „bei anderen Clubs in der Frauen-Bundesliga so oder ähnlich vorhanden“. Im Frauenfußball gäbe es eben „nicht so viele etablierte Agenturen“ wie bei den Männern. Zudem stünde die „Mehrheit unserer Spielerinnen nicht bei ‚Ness & Network‘ unter Vertrag“. Das ist korrekt, widerlegt aber nicht den Umstand, dass der Ness-Block im Kader der größte ist, denn keine andere Agentur hat ähnlich viele Spielerinnen und Staffmitglieder unter Vertrag.

Pikant ist zudem, dass auch der für die Personalplanung zuständige General Manager Frauenfußball von derselben Agentur betreut wird wie das Gros der Spielerinnen im Kader. Ebenso wie der Trainer. Denn auch Nico Schneck ist Ness-Klient. Die kürzlich zum VfL Wolfsburg gewechselte Co-Trainerin Theresa Panfil steht ebenfalls bei Ness unter Vertrag. Zum Beispiel stellt sich die Frage, wie unabhängig ein Trainer entscheiden kann oder wie unbefangen ein Sportchef in einer solchen Konstellation bei Neuverpflichtungen handelt. „Die Entscheidungen über Transfers werden nach sportlichen Kriterien gefällt. Zudem entscheidet nie eine Person allein über Transfers“, teilt der VfB hierzu mit und verwehrt sich gegen den Eindruck von Einflussnahmen, die beispielsweise die Aufstellung betreffen: „Beim VfB Stuttgart stellt der Cheftrainer die Mannschaft auf.“ Das gelte im Übrigen „für jedes Team“.

Hinter „Ness & Network GmbH“ steht Dietmar Ness. Ein Urgestein der Branche, gerade im in den vergangenen Jahren gewachsenen Bereich des Frauenfußballs. Er ist seit über zwei Jahrzehnten im Markt und verfügt über ein großes Netzwerk. So arbeiten etwa die ehemalige Nationalspielerin Fatmire Alushi als Scout sowie David Marozsan, Bruder der Ex-Nationalspielerin Dzsenifer Marozsán, für Ness.

Aber auch ein vor allem in Stuttgart bekanntes Gesicht ist als Geschäftsführer und Gesellschafter bei Ness aktiv: VfB-Legende und Markenbotschafter Cacau. Ness betreute den ehemaligen Nationalspieler über viele Jahre als Berater. Daraus entwickelten sich eine Freundschaft und später die geschäftliche Zusammenarbeit. Auch diese Konstellation entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn erst im Jahr 2021 trennte sich Cacau einvernehmlich vom DFB und gab seinen Posten als Integrationsbeauftragter ab – der Grund war die neu angetretene Geschäftsführerposition bei Ness, die DFB-Satzung untersagt derlei Doppelrollen.

Dem VfB, dessen Markenbotschafter der gebürtige Brasilianer seit Oktober 2022 ist, war und ist dies bekannt, auch Cacau verschleiert seine beiden Rollen keineswegs. Obwohl er damit wohl an zwei Enden profitiert: Er wird vom VfB für seine Tätigkeit als Markenbotschafter entlohnt und partizipiert zumindest indirekt über sein Geschäftsführer-Gehalt an den Umsätzen, die durch die Agentur generiert werden. „Cacau hat seine Tätigkeit zu jeder Zeit transparent gemacht und sie bereits vor Beginn seiner Aufgabe als Markenbotschafter für den VfB angegeben“, teilt der Club mit und betont, dass aus seiner Sicht „kein Interessenkonflikt vorliegt“. Der frühere Stürmer selbst wollte dem nichts hinzufügen.

Allerdings könnte eine solch enge Bindung auch die Chance bieten, mögliche Talente früh zu identifizieren. In zwei öffentlich dokumentierten Fällen saß Cacau zumindest bei der Vertragsunterschrift mit am Tisch – allerdings im männlichen Bereich, der innerhalb der Agentur auch sein Schwerpunkt ist. Die im Business wichtige Fifa Berater Lizenz besitzt indes Lydia Ness, die Tochter des Firmengründers. Im Februar gab die Agentur via Instagram zudem eine weitere Zusammenarbeit bekannt. Franzi Glass kam als Scout und Analystin zur Belegschaft hinzu. Sie ist Ex-Fußballerin und die Frau von Sascha Glass.

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