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Die Pflicht zum Auftakt

Der VfB Stuttgart ist zurück in der Champions League – und die Losfee meint es gut mit ihm. Doch gerade deswegen kommt dem Start in die neue Königsklassensaison eine besondere Bedeutung zu.

Stuttgart - Ende August war der Jubel groß am Byfjord. Viking Stavanger hatte es tatsächlich geschafft. Nach 38 Jahren Abstinenz kehrten die Vikinger in die europäische Königsklasse zurück. In der entscheidenden Knockout-Runde schalteten die Norweger Dinamo Zagreb aus. Was wie ein Wunder klingt, lässt sich bei genauerem Hinsehen verständlich erklären. Da ist zum einen die Klasse der Norweger an sich, die in den vergangenen Jahren konsequent zugenommen hat. Nicht zuletzt bei der WM in Übersee war dies gut zu beobachten: Die Nationalmannschaft schied erst im Viertelfinale unglücklich aus. Auf Clubebene machen sie schon länger auf sich aufmerksam – man denke an die letzten internationalen Auftritte von FK Bodö/Glimt.

Gemeinsam mit Glimt bildet man in Stavanger die Speerspitze des norwegischen Fußballs. Viking wurde am 10. August 1899 gegründet und gehört zu den erfolgreichsten Vereinen des Landes. Der Club feierte in seiner Geschichte mehrere norwegische Meistertitel und Pokalsiege. Nach einer längeren Durststrecke kehrte Viking jüngst an die nationale Spitze zurück. Erst 2025 gewann der Viking Fotballklubb die bislang letzte Meisterschaft in der Eliteserien. Trainiert wird das Team von einem Trainerduo: Bjarte Lunde Aarsheim und Morten Jensen.

Viking besticht durch extremen Teamgeist, hohe physische Präsenz und ein schnelles Umschaltspiel. Die Offensive sucht immer wieder den dänischen Angreifer Peter Christiansen, der mit bislang zehn Pflichtspieltreffern und sechs Vorlagen in dieser Saison ihr treffsicherster Akteur ist. Der erfahrene Kapitän Zlatko Tripić lenkt das Angriffsspiel und glänzte in dieser Spielzeit bereits mit 13 Torvorlagen. Dazu vervollständigen der neuseeländische Nationalspieler Joe Bell (Mittelfeld) und der Australier Gianni Stensness (Abwehr) die internationale Achse der Vikinger. Wirkliche Schwächen hat das Team keine, dafür plagen die Norweger massive Verletzungssorgen: Veton Berisha, Nick D’Agostino sowie die wichtigen Defensivspieler Anders Bærtelsen, Henrik Falchener und Martin Ove Roseth fallen allesamt aus.

Der VfB sollte dennoch gewarnt sein. Klar ist: Ein Spaziergang wird das Duell gegen die Norweger keinesfalls. Auch wenn der Kaderwert der Vikinger gerade einmal etwas mehr als ein Zehntel des Stuttgarters darstellt (43,73 Millionen Euro zu 379). Ganz ähnlich sieht es übrigens bezogen auf den nächsten internationalen Gegner der Stuttgarter aus: Slovan Bratislava. Ebenfalls ein Traditionsverein, ebenfalls deutlich kleiner, bezogen auf den Marktwert des Kaders. Dazu ist das letzte Aufeinandertreffen noch gar nicht allzu lange her. Mit 3:1 siegte der VfB im Januar 2025 in Bratislava, es war das bis dato letzte Auswärtsspiel der Schwaben in der Königsklasse.

Kein Wunder also, dass Trainer Sebastian Hoeneß warnt: „Bitte aufpassen, das sind sehr gute Mannschaften, die nicht umsonst in der Champions League spielen. Die Flughöhe ist nochmal eine ganz andere als in der Europa League“, ließ er zuletzt mit dem Blick auf den CL-Start wissen. Doch klar ist auch, dass der VfB Stuttgart bei seiner dritten Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb in Folge größere Ambitionen hat als zuletzt. Zwar will Hoeneß dies (noch) nicht an Platzierungen festmachen. „Worüber wir sprechen, sind Lerneffekte nach zwei Jahren auf internationaler Bühne“, so Hoeneß, der dies mit mehr Effizienz im Strafraum und besserem Gamemanagement im Gespräch mit unserer Redaktion auch zu konkretisieren wusste.

Doch allen inhaltlichen Debatten zum Trotz ist auch Hoeneß bewusst, dass seine Mannschaft angesichts des Champions-League-Spielplans sofort liefern muss. Denn nach Stavanger und Slovan Bratislava kommen mit Atletico Madrid, Galatasaray Istanbul und Inter Mailand die dicken Brocken auf die Stuttgarter zu. Wenn man nach Abschluss der Ligaphase über dem ominösen Strich und damit mindestens auf Platz 24 stehen möchte, sind zwei Siege zum Start eigentlich schon Pflicht. Mit weniger als vier Punkten dürfte es schwierig werden, das Ziel zu erreichen und somit den eigenen Ambitionen gerecht zu werden. Es ist also Zeit, zu liefern.

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