Stuttgart - Es ist nie ein Fehler, sich prominente Vorbilder zu suchen. Dafina Redzepi (21) hat den Allergrößten ausgewählt. Die Spielmacherin des VfB Stuttgart verehrt Cristiano Ronaldo. „Ich liebe seine Art, die harte Arbeit, die er leistet, seine Disziplin“, sagt sie, „er ist ein kompletter Fußballer.“ Und jemand, der als Musterbeispiel taugt. Auch für eine junge Frau, die zwar noch am Anfang ihrer Karriere steht, aber schon viel durchlebt hat.
Dafina Redzepi trägt wegen Cristiano Ronaldo nicht nur die Rückennummer sieben, sie jubelt nach Toren auch wie der portugiesische Superstar. Einmal passierte das auf ganz großer Bühne. Im März erzielte Dafina Redzepi vor 31.736 Fans in der MHP-Arena im Zweitliga-Spitzenspiel gegen den FSV Mainz (2:4) das erste der beiden VfB-Tore zum 1:1-Ausgleich: „Ich habe noch nie vor so vielen Leuten gespielt, das war ein unbeschreiblicher Moment.“ Dem weitere Höhepunkte folgten. Erst der Bundesliga-Aufstieg, anschließend eine ganz besondere Premiere am vergangenen Sonntag in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim. „Mein ganzes Leben lang habe ich auf mein erstes Bundesliga-Spiel hingearbeitet“, sagt Dafina Redzepi, „es war ein super Gefühl.“ Und ein toller Einstand. Für ihr Team. Und für sie selbst.
Dafina Redzepi war beim 2:1-Sieg des Aufsteigers eine der auffälligsten Spielerinnen. In der Anfangsphase verpasste sie die Führung zweimal knapp, war dann aber an beiden Treffern von Maximiliane Rall beteiligt. Erst trat sie den Eckball, den die Kapitänin ins Netz köpfte, dann gab sie den Schuss ab, den TSG-Torhüterin Laura Dick parierte, ehe Rall abstaubte. „Ich habe nicht lange gebraucht, um gut reinzukommen“, sagt Dafina Redzepi, „dieser Auftakt macht Lust auf mehr.“ Ähnlich denkt Nico Schneck.
Der Trainer der VfB-Frauen hält enorm viel von ihr, sie spielt in seinem Konzept eine wichtige Rolle. „Sie bringt eine hohe Qualität mit“, sagt Schneck, „ist super kreativ, setzt ihre Mitspielerinnen gut ein, ist stark bei Standardsituationen. Immer wenn sie am Ball ist, passiert etwas.“ Und doch steckt, obwohl bei Dafina Redzepi alles leicht und unbekümmert aussieht, harte Arbeit dahinter. Auch in diversen Reha-Einrichtungen.
2020, als sie noch in der Jugend der TSG Hoffenheim spielte, hatte sie ihren ersten Kreuzbandriss, 2022 beim FC Bayern II ihren zweiten, insgesamt wurde ihr linkes Knie schon fünfmal operiert. In der Leidenszeit gab es Momente des Zweifels, aber stets auch das Bestreben, negative Gedanken nicht zuzulassen. „Mein Ziel war immer, gestärkt zurückzukommen“, sagt Dafina Redzepi, die 16 Spiele in deutschen Jugendnationalteams absolviert hat, „ich wollte es auch mir selbst beweisen.“ Der VfB Stuttgart hat ihr dabei geholfen.
Denn der Club verpflichtete die Mittelfeldspielerin im Februar 2024 als Rekonvaleszentin, und er verlängerte ihren Profivertrag in diesem Frühjahr bis Juni 2028. „Das war ein großer Vertrauensbeweis“, sagt Dafina Redzepi, „mein Ziel ist nun, fit und gesund zu bleiben und für den Verein möglichst viele Scorerpunkte zu erzielen.“ Dass sie das Zeug dazu hat, davon ist Sascha Glass überzeugt. „Wichtig ist, dass sie weiterhin konsequent an sich arbeitet, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen“, sagt der VfB-Manager über Dafina Redzepi, „dann steht ihr eine vielversprechende Zukunft bevor.“ Und womöglich ja nicht nur ihr.
Auch der Bruder von Dafina Redzepi spielt beim VfB Stuttgart. Zuletzt saß sie an ihrem freien Tag in München auf der Tribüne, als er beim 6:1-Erfolg des U-19-Teams beim FC Bayern die ersten fünf (!) Stuttgarter Tore erzielte. „Wir haben ein sehr enges Verhältnis, sehen uns jeden Tag“, sagt Dafina Redzepi über ihren Bruder Enis (18), „er ist ein sehr disziplinierter, harter Arbeiter. So viel, wie er für seine Leidenschaft tut, verdient er eine Karriere im Fußball auf jeden Fall.“ Auch Hajrulla Redzepi (22), ihr älterer Bruder, ist Kicker – und aktueller Futsal-Nationalspieler.
Es läuft derzeit also ganz gut für die Fußball-Familie aus Heilbronn, und vielleicht gelingt Dafina Redzepi an diesem Samstag (14 Uhr) bei der Heimpremiere gegen den Hamburger SV ja, was ihr in Sinsheim noch versagt blieb: ihr erstes Bundesliga-Tor. Wie sie danach jubeln würde? Natürlich wie Cristiano Ronaldo.

