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Der VfB sucht eine neue Nummer eins

Der VfB Stuttgart geht nach dem Ausfall von Dennis Seimen kein Risiko ein – und will einen erfahrenen Torwart verpflichten. Schwierig dabei: Der Neue soll dem Eigengewächs nicht langfristig die Zukunft verbauen.

stuttgart - Von Panikreaktionen ist man im roten Clubhaus des VfB Stuttgart weit entfernt – und doch ist die Situation für die Kaderplaner der Cannstatter, angeführt vom Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und seinem Sportdirektor Christian Gentner, eine sehr anspruchsvolle. Schließlich ist dem Club mit dem jungen Torwart Dennis Seimen, 20, durch eine folgenschwere Verletzung auf der Rückseite des Oberschenkels in der Startphase der Vorbereitung plötzlich die eingeplante Nummer eins weggebrochen.

Torhüter Seimen wird mindestens bis zur Länderspielpause Ende September ausfallen; der VfB hat also ein dickes Problem mehr. Denn bis zu diesem Zeitpunkt sind bereits vier anspruchsvolle Bundesligaduelle mit den Auswärtspartien beim FC Bayern München und der TSG Hoffenheim sowie zuhause gegen gegen den 1. FC Köln und Borussia Dortmund gespielt.

Zudem werden in der wichtigen Startphase der Saison mit dem Auftakt im DFB-Pokal am 21. August bei Hansa Rostock sowie mit dem Start der Ligaphase der Champions League (8. bis 10. September) die ersten Weichen der Saison gestellt. Dies geschieht mit Sicherheit ohne Seimen. Und es kann nach heutigem Stand noch keiner mit Gewissheit sagen, dass das talentierte Eigengewächs im VfB-Kasten danach wieder topfit zur Verfügung steht.

Daher hat die VfB-Clubspitze entschieden, auf die Karte Sicherheit zu setzen – und sich auf die Suche nach einer neuen, temporär einsetzbaren Nummer eins zu machen. Getreu dem Motto: Der Verein steht über allem. So sieht man sich beim Bundesliga-Vierten der Vorsaison vor allem in der Pflicht, das Worst-Case-Szenario abzuwenden.

Das träte aus VfB-Sicht ein, würde man auf der Torwartposition jetzt nicht handeln – und sich die aktuelle Nummer zwei Fabian Bredlow dann Mitte August ebenfalls verletzen. Dann stünde man kurz vor dem Pflichtspielstart im Rostocker Ostseestadion auf der Position zwischen den Pfosten quasi nackt im Wind. Denn mit U-19-Nationalkeeper Florian Hellstern hat der Club erst vor kurzem ein weiteres hausgemachtes Talent zum Zweitligisten Greuther Fürth verliehen.  Erste Wahl wären im Fall eines Bredlow-Ausfalls daher der dritte Keeper Stefan Drljaca – oder der frisch aus Cottbus verpflichtete Marius Funk vom VfB II. So weit will man es aber nicht kommen lassen.

Doch Wohlgemuth, Gentner und ihre Scouts sind ob der Komplexität der Aufgabe nicht zu beneiden. Gesucht wird nicht weniger als die eierlegende Wollmilchsau in Torwarthandschuhen. Ein Spitzenkeeper auf Champions-League-Niveau nämlich, der dem jungen Eigengewächs Seimen nicht langfristig die Zukunft verbauen sollte. Schwierig dabei: Ohne die Zusage an den neuen Keeper, zumindest für die anstehende Saison zunächst die Stammkraft zu sein, dürfte es wohl nicht gehen. Das Ausnahmetalent Dennis Seimen, den man erst vor wenigen Wochen zum Nachfolger des zu Besiktas Istanbul abgewanderten Alexander Nübel gekürt hatte, müsste sich also nach seiner Rückkehr womöglich zunächst mit der Rolle des Herausforderers anfreunden.

Mit eingepreist in die frisch angeschobene Suche nach einem neuen Stammkeeper ist auch die Möglichkeit, am Ende keine neue Nummer eins zu finden. In diesem Fall soll eine starke Nummer zwei verpflichtet werden. Doch dieses Szenario ist eher unwahrscheinlich.

Schließlich gibt es auf dem Torhüter-Markt einige Kandidaten, die dem VfB kurzfristig weiterhelfen könnten. Ob sie aber auch bereit wären, nach nur ein, zwei Handvoll Spielen für den dann genesenen Seimen ins zweite Glied zu rücken, darf allerdings bezweifelt werden.

Dennoch ranken sich schon diverse Spekulationen um mögliche Ersatz-Optionen zu Dennis Seimen. Da wäre zunächst der vereinslose Torhüter Stefan Ortega. Der 33-Jährige blickt unter anderem auf vier Spielzeiten bei Manchester City zurück, war zuletzt für ein halbes Jahr an Nottingham Forest ausgeliehen. Ortega war bei den Citizens von Trainer Pep Guardiola oft Ersatz, dennoch hat der langjährige Bielefelder Erst- und Zweitligakeeper in Summe 28 Spiele in der Premier League sowie sieben in der Champions League absolviert. Zuletzt spielte er mit Nottingham erfolgreich in der Europa League, zog mit dem Club ins Halbfinale ein.

Ein weiterer Kandidat wäre der ebenfalls vereinslose Örjan Nyland, der starke WM-Keeper der Norweger, der allerdings im verlorenen Viertelfinale gegen England in der Verlängerung vor dem entscheidenden Treffer durch Jude Bellingham patzte. Wie Ortega ist auch Nyland mit 35 Jahren im fortgeschrittenen Torhüter-Alter, würde Seimen also nicht langfristig den Weg zurück ins VfB-Tor versperren. Der Norweger war lange die Nummer eins beim FC Sevilla, wurde aber in der abgelaufenen Runde von Odysseas Vlachodimos, einem weiteren Torhüter der VfB-Schule, als Nummer eins verdrängt.

Auch mit einer Leihe von Diant Ramaj könnten sich Wohlgemuth und Co. beschäftigen. Der 24-jährige gebürtige Stuttgarter steht beim BVB unter Vertrag, war in der Vorsaison an den Erstliga-Absteiger 1. FC Heidenheim ausgeliehen. Aktuell soll dem Torhüter laut Medienberichten  von den BVB-Bossen mitgeteilt worden sein, dass er trotz eines Vertrags bis 2029 keine Zukunft mehr im Verein habe. Weitere Spekulationen ranken sich um den vertragslosen Nikola Vasilj (einst FC St. Pauli), den WM-Torhüter von Bosnien-Herzegowina,  sowie um den Bietigheimer Bernd Leno (34) vom FC Fulham, dessen Karriere einst beim VfB begann.

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