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Der erste große Gradmesser

Nach vier Spielen in einer klaren Favoriten- oder Außenseiterrolle ist der VfB Stuttgart nun bei der TSG Hoffenheim gefordert.

  • Sebastian Hoeneß und der VfB sind in Sinsheim gefordert.Foto: Baumann

    Sebastian Hoeneß und der VfB sind in Sinsheim gefordert.Foto: Baumann

Stuttgart - Der Ort weckt emotionale Erinnerungen. Bei der TSG Hoffenheim ging der VfB Stuttgart vor vier Monaten den entscheidenden Schritt in Richtung Champions League. Tief in der Nachspielzeit, frenetisch bejubelt nach dem 3:3-Ausgleich durch Tiago Tomas, ohne den es die Königsklassen-Abende im Hier und Jetzt nicht gegeben hätte. Ob diese Bundesliga-Saison ähnlich läuft, ist zu dem frühen Zeitpunkt natürlich noch völlig offen. Aber: Ein erster echter Fingerzeig steht nun an selber Stelle im Kraichgau bevor, wenn der VfB an diesem Samstag (15.30 Uhr) erneut bei der TSG gastiert. In einem Spiel, nach dem der Stuttgarter Leistungsstand um einiges besser zu beurteilen sein wird.

Klar, die Partie ist kein Startschuss, die Saison läuft längst, vier Pflichtspiele sind absolviert. Aber: In denen waren die Rollenverteilungen jeweils recht eindeutig. Einmal trat der VfB als klarer Außenseiter an und verlor auch deutlich zum Liga-Auftakt beim FC Bayern (1:5). Dreimal ging man als Favorit ins Spiel und löste die Aufgaben letztlich allesamt erfolgreich. Im DFB-Pokal bei Drittligist Hansa Rostock (4:0), in der Bundesliga gegen den 1.FC Köln ohne dessen kranken Star Said El Mala (4:1), in der Champions League gegen den norwegischen Meister Viking Stavanger (3:1). Alles keine Selbstläufer – aber Spiele mit einem klaren Sieg-Anspruch, niemand rund um den Club würde das bestreiten.

Nun steht zum ersten Mal, zumindest auf dem Papier, ein Duell auf Augenhöhe beim Fünften der vergangenen Saison auf dem Programm. Zwar ist die TSG mit zwei 2:3-Niederlagen gegen die Kölner und Borussia Dortmund gestartet, insbesondere das jüngste Negativerlebnis gegen den BVB darf man aber unter der Kategorie unglücklich verbuchen. Folglich warnt auch der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß: „Die Ergebnisse in den ersten beiden Spielen spiegeln nicht die gezeigten Leistungen der Hoffenheimer wider. In beiden Partien konnte man sehen, über welches Offensivpotenzial die TSG verfügt und welche Intensität die Mannschaft auf den Platz bringt.“

Dass die Hoffenheimer in dieser Saison wieder gewohnt intensiv auftreten, überrascht nicht: In Christian Ilzer gibt nach wie vor derselbe Trainer die Richtung vor, der die Techniker aus dem Kraichgau zu einer unangenehm zu bespielenden Mannschaft weiterentwickelt hat. In den bisherigen beiden Bundesliga-Partien der Saison gewann die TSG die zweitmeisten Zweikämpfe aller Mannschaften, sechs Gelbe Karten bilden zudem einen Höchstwert. Der VfB wird also gefordert sein – und sich steigern müssen. In manchen Bereichen zumindest.

Auf der einen Seite greifen die Rädchen im eigenen Ballbesitz bei den Stuttgartern schon gut ineinander, die Mannschaft kommt zu Chancen, sie erzielt viele Tore. Drei Treffer pro Pflichtspiel stehen bisher zu Buche, was einen überdurchschnittlich hohen Wert bildet. Auf der anderen Seite ist der offensive Vorwärtsdrang noch nicht vollständig mit der nötigen defensiven Kompaktheit ausbalanciert. Die Gegner werden dem VfB immer wieder gefährlich, Köln und Stavanger kamen jeweils kurz nach der Halbzeitpause einem Treffer sehr nahe.

So war Hoeneß nach dem jüngsten Sieg in der Königsklasse auch kein rundum zufriedener Trainer, er monierte zu einfache Ballverluste und im Anschluss daran ein teils inkonsequentes Umschaltverhalten. „Da musst du von jeder Position aus Verantwortung übernehmen für Ballverluste. Für die Haltung gegen den Ball. Das ist sicher ein Punkt. Da geht es ums Gegenpressing, ums Konterverhindern, ums Zurücksprinten.“ Diese Prinzipien bei der Arbeit gegen den Ball habe man, womöglich im Gefühl des sicheren Sieges, hier und da vermissen lassen. Und dass die TSG solche Nachlässigkeiten noch entschiedener bestrafen würde als Stavanger, liegt auf der Hand.

Zugleich hat der VfB in den vergangenen Jahren oft bewiesen, ambitionierten Teams mit großer Konsequenz und Schärfe begegnen zu können. Das ist auch jetzt die Vorgabe des Cheftrainers. „Wir müssen am Samstag von der ersten Minute bereit sein und unsere bestmögliche Leistung abrufen, um in diesem schweren Auswärtsspiel bestehen zu können“, fordert Hoeneß – der so mit seiner Mannschaft für die nächsten positiven Stuttgarter Emotionen in Sinsheim sorgen will.

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