Stuttgart - An besonderen Tagen ändern sich selbst etablierte Abläufe. Und so wich Ermedin Demirovic gegen Viking Stavanger von seinem eigentlich unverrückbaren Jubelmuster ab. Während der Stürmer des VfB Stuttgart nach seinen Toren normalerweise stets ein L formt als Botschaft an seine Tochter Leana, streckte er in der 32. Minute am Mittwochabend im Champions-League-Duell mit dem norwegischen Meister kurzzeitig drei Finger in die Höhe: Das Tor zum 3:1 war sein drittes an diesem Tag – eine selbst für einen Stürmer nicht alltägliche Ausbeute, die sogar eine vereinshistorische Dimension hatte. Noch nie zuvor hatte ein Stuttgarter in der Champions League oder im Vorgänger-Wettbewerb Europapokal der Landesmeister drei Tore in einem Spiel erzielt.
„Es ist ein Tag, den ich in meinem Leben nicht vergessen werde“, betonte Demirovic, „es ist unbeschreiblich.“ Für den 28-jährigen Bosnier bildete der Dreierpack dabei eine besondere Genugtuung. Nach der Verpflichtung von Dzenan Pejcinovic vom VfL Wolfsburg hielten sich Gerüchte über einen Abgang, Galatasaray Istanbul hatte Interesse bekundet – Demirovic einen Wechsel aber abgelehnt. Als die Transferphase dann vergangene Woche vorüber war, gab der Mittelstürmer Einblicke in sein Innenleben.
„Das war sehr viel, das waren schlaflose Nächte zu Hause. Ich habe gesagt, dass ich hierbleiben will.“ Als die Spekulationen nicht abrissen, seien irgendwann die Selbstzweifel gekommen. „Muss man sich tatsächlich umschauen? Bin ich so unerwünscht?“ Er habe sich aktiv für einen Verbleib entschieden und wolle sich durchsetzen, so Demirovic. Und auch Trainer Sebastian Hoeneß hatte zuletzt mehrfach seine Wertschätzung gegenüber dem Mittelstürmer bekräftigt.
Der Auftritt gegen Stavanger untermauerte nun Demirovics Wert für die Mannschaft. Gegen die Norweger zeigte er seine Qualität: die kompromisslose Abschlussstärke. Ohne großes Zögern, einem präzisen Schuss mit dem ersten oder spätestens zweiten Kontakt. Typ Strafraumstürmer eben. „Er ist in einer außergewöhnlichen Form. Gut, dass er da ist“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth über Demirovic, der gegen Viking zum ersten Mal in der noch jungen Saison in der Stuttgarter Anfangsformation gestanden hatte und im Anschluss auf Kampfansagen in Richtung Pejcinovic verzichtete: „Ich gönne es ihm, genauso wie er es mir gönnt. Egal, wer spielt: Wir haben richtig Qualität auf dem Platz.“ Die brauche man auch in einer Saison mit drei Wettbewerben.
So setzte Hoeneß auch gegen Stavanger auf Arbeitsteilung. Nach 62 Minuten war der Abend für Demirovic beendet, der unter stehenden Ovationen der Zuschauer das Feld für Pejcinovic verließ – und sich später mit dem Spielball unter dem Arm auf den Heimweg machte. An einem Abend, der ihm noch lange in Erinnerung bleiben wird.
