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Das weiß-rote Fehlermuster bei Kontern

Der VfB unterliegt auch bei der TSG Hoffenheim, weil die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß in der Defensive wiederholt Schwächen zeigt. Und nun kommt Borussia Dortmund nach Stuttgart.

  • Stuttgarts Dzenan Pejcinovic, Finn Jeltsch und Jeff ChabotFoto: Baumann

    Stuttgarts Dzenan Pejcinovic, Finn Jeltsch und Jeff ChabotFoto: Baumann

Stuttgart - Die Szenen, die zu den Gegentoren geführt haben, weisen Kopiercharakter auf. Nur wurden sie von Adam Hlozek in Sinsheim spiegelverkehrt abgeschlossen. Erst lief er über die linke Abwehrseite des VfB Stuttgart seinen Verteidigern davon, danach gelang dem Stürmer der TSG Hoffenheim ein solch überfallartiger Angriff mehr über rechts. Seine Torschüsse nach den Kontern waren dann jeweils erfolgreich (13./67.). Was Sebastian Hoeneß in der Entstehung der 1:2-Niederlage besonders ärgert. „Wir haben jeweils die Tiefe nicht gut verteidigt“, sagt der VfB-Trainer – und beide Male waren die Stuttgarter unmittelbar zuvor in aussichtsreichem Ballbesitz.

Zunächst hatte sich der VfB mit Finn Jeltsch gut durchgespielt, ehe nach einem verunglückten Pass Maximilian Mittelstädt gegen Bambasé Conté einen Zweikampf verlor, der Hoffenheimer viel Platz vor sich hatte und unbedrängt Hlozek schickte. Angelo Stiller lief nicht mit und Ramon Hendriks blieb nur das Nachsehen. Später leistete sich Dzenan Pejcinovic einen Fehlpass und anschließend lieferte Adam Daghim den präzisen Pass in die Schnittstelle auf Hlozek. Yanik Spalt lief auf Stuttgarter Seite nicht konsequent durch und Jeff Chabot kam im Abwehrzentrum zu spät. Fast schon ein Muster lässt sich in der schwäbischen Defensivschwäche erkennen, da sich die Situationen seit Saisonbeginn wiederholen. In den Begegnungen mit dem 1. FC Köln (4:1) und Viking Stavanger (3:1) überstand der VfB eine Reihe dieser kritischen Momente nach dem Umschaltspiel des Gegners noch. Auch dank des Torhüters Fabian Bredlow. Gegen den FC Bayern und nun die Hoffenheimer standen die Stuttgarter in der Fußball-Bundesliga am Ende jedoch als Verlierer da. Trotz des mutigen Auftretens – oder vielleicht gerade deswegen. Denn die Hoeneß-Elf verteidigt viele Situationen hoch stehend und gut, aber das birgt ein großes Risiko.

Diese offensive Herangehensweise gehört zum Stuttgarter Spiel und löste zuletzt Abwehralarm aus. Weil es dem Gegner zu einfach gemacht wurde. Siehe Jeltsch und Pejcinovic bei den Ballverlusten in Sinsheim. Zumal neben der Ausnahmemannschaft aus München das Team von TSG-Coach Christian Ilzer zu den qualitativ hochwertigen Kontrahenten in der Liga zählt.

Aggressiv, geradlinig, schnell – das sind Kennzeichen der Hoffenheimer. Worauf der VfB nicht nur passend eingestellt war, sondern der Kraichgauer Power mit Energie und Entschlossenheit entgegentrat. „Wir waren zudem die spielerisch bessere Mannschaft und hatten unsere Möglichkeiten, um zu Toren zu kommen“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.

Mehr als der zwischenzeitliche Ausgleich durch Maximilian Mittelstädt (48.) sprang jedoch nicht heraus. Es mangelte an Effizienz und TSG-Torwart Oliver Baumann hielt unspektakulär, aber glänzend. Und dann ist da noch die Konteranfälligkeit. „Wir haben vor den Gegentoren keinen Druck auf den Ball gemacht“, kritisiert Hoeneß, „und nach einem Ballverlust heißt es sofort: Beine in die Hand nehmen und so schnell es geht nach Hause laufen.“ Sprich: umgehende Sprints nach hinten, um die verbliebenen Abwehrspieler zu unterstützen; den weit offenen Raum durch geschicktes Stellungsspiel verkleinern und entsprechend mit den Mitspielern kommunizieren.

Klingt einfach, ist allerdings schwer umzusetzen. Vor allem, weil es ein komplexer Ansatz ist und Fußball ein Fehlerspiel bleibt. Eigene Ballverluste lassen sich nicht vermeiden, Gegenangriffe auch nicht. Was sich verstärkt gegen die Bayern und Hoffenheimer gezeigt hat. Augenblicke der Unachtsamkeit werden gegen solche Kaliber bestraft.

Und jetzt kommt am Samstagabend Borussia Dortmund in das Stuttgarter Stadion. Eine Mannschaft, die es versteht, die Schwächen des Gegners auszunutzen. Denn wie die Ilzer-Elf lauert die Formation von BVB-Trainer Niko Kovac häufig auf ihre Umschaltaktionen – nach dem Ballgewinn geht es dann ruck, zuck nach vorne. Mit Serhou Guirassy, mit Fabia Silva, mit Felix Nmecha.

Volle neun Punkte haben die Dortmunder aus drei Ligaspielen geholt – und werden in der Tabelle nur aufgrund der Tordifferenz vom SC Freiburg getoppt. Wobei sich zeigt, wie der Spielplan indirekt Einfluss nehmen kann. Die Breisgauer hatten zum Auftakt zu Hause Begegnungen mit Werder Bremen (4:1) und den strauchelnden Gladbachern (5:0), dazu gab es auswärts einen 1:0-Sieg in Paderborn. Die Dortmunder traten ebenfalls zweimal im eigenen Stadion an, gegen den Hamburger SV (2:0) und den SC Paderborn (3:0). Dazwischen gab es ein glückliches 3:2 bei den Hoffenheimern. Und der VfB? Er steht nach zwei Auswärtsniederlagen bei Spitzenteams bereits unter Druck.

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