Stuttgart - Sein Spitzname ist „Lucky“ – doch beim VfB Stuttgart hat der 19 Jahre junge Lazar Jovanovic kein Glück gehabt. Noch im vergangenen Sommer als großer Hoffnungsträger für die rechte offensive Außenbahn von Roter Stern Belgrad verpflichtet und mit einem satten Vierjahresvertrag bis 2029 ausgestattet, ist für den Teenager aus Serbien in Bad Cannstatt nun schon wieder Schluss.
Wie der VfB am Dienstagmittag, dem letzten Tag der Transferperiode in der Fußball-Bundesliga, bekannt gab, wechselt Jovanovic mit sofortiger Wirkung zum italienischen Erstligisten Udinese Calcio, dem Zehnten der vergangenen Saison in der Serie A. Bei den Norditalienern unterschrieb Jovanovic diesmal gar für fünf Jahre – bis zum Juni 2031. Finanziell entsteht dem VfB kein Schaden – im Gegenteil: So wird Udine nach Medienberichten für den rechten Außenstürmer eine Sockel-Ablöse von 6,5 Millionen Euro bezahlen, zu der sich im Erfolgsfall noch 1,5 Millionen Euro an Boni addieren können. Vor einem Jahr hatten die Stuttgarter fünf Millionen Euro an Roter Stern überwiesen.
Dennoch ist die Personalie speziell. Dass der VfB einen hoch veranlagten Spieler, den man noch vor Jahresfrist selbst als „eines der größten Talente in Europa“ angepriesen hatte, bereits nach zwölf Monaten wieder abgibt und ihn nicht etwa wie sonst üblich ausleiht, ist ungewöhnlich. Zumal vor dem Hintergrund, dass Jovanovic in den Testspielen dieser Vorbereitung auf der rechten offensiven Außenbahn einen guten Eindruck hinterlassen hatte – und mit Badredine Bouanani die Alternative zu dem von der AS Rom mit viel Ausdauer und einem konkreten Angebot an den VfB umworbenen Jamie Leweling für rechts vorne keine Bäume ausgerissen hat.
Dass man Jovanovic dennoch abgegeben hat, liegt neben dem guten Angebot aus Udine für einen Spieler, dem in seiner VfB-Zeit bei nur sechs Pflichtspieleinsätzen kein Tor und keine Vorlage gelungen ist, vor allem an den atmosphärischen Störungen, die es gegeben hat. So soll Jovanovic in seiner VfB-Zeit trotz seiner Jugend ziemlich ungeduldig und fordernd aufgetreten sein. Ein Wesenszug, der bei Trainer Sebastian Hoeneß nicht gut angekommen sein soll.
So erhielt der U-21-Nationalspieler Serbiens, der aufgrund von Rückenproblemen und Trainingsrückstand in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga gar nicht mehr zum Zug kam, Mitte Dezember 2025 nach dem mit 4:1 gewonnenen Europa-League-Heimspiel gegen Maccabi Tel Aviv in der Pressekonferenz einen Rüffel von Hoeneß, weil er vor dem einzigen Gegentor des Abends die Defensivarbeit vernachlässigt hatte. Öffentliche Maßregelungen kommen beim VfB-Trainer ganz selten vor.
Und so endet nun das Missverständnis zwischen dem VfB und Lazar Jovanovic, der seiner weiterhin jungen Karriere in Udine neuen Schwung verleihen will. „Lazar hat eine vielversprechende Vorbereitung absolviert und in mehreren Testspielen seine Qualitäten gezeigt“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zum Abschied: „Gleichzeitig ist der Konkurrenzkampf innerhalb unseres Kaders groß und der Wechsel nach Udine bietet Lazar die Chance auf mehr Spielanteile, als das voraussichtlich bei uns der Fall gewesen wäre. Wir wünschen ihm alles Gute.“
Derweil zogen sich die Verhandlungen über die Zukunft von Josha Vagnoman am so genannten Deadline Day, dem letzten Tag des Sommer-Transferfensters noch länger hin. Klar war nur, dass der zweifache deutsche Nationalspieler Vagnoman, der in seiner im Sommer 2022 begonnenen Zeit beim VfB bislang 126 Pflichtpartien (zehn Tore) absolviert hat, weiterhin vom britischen Erstligisten und Aufsteiger Hull City stark umworben wurde. Doch am Ende konnten sich die Parteien auch aufgrund der Höhe der Ablösesumme nicht über einen möglichen Wechsel von Josha Vagnoman nach England einigen.

