Eishockey. Ein turbulentes Wochenende liegt hinter den Bietigheim Steelers. Am Samstagnachmittag haben sie ihren bisherigen Trainer Alexander Dück mit sofortiger Wirkung freigestellt, am Sonntagnachmittag waren auch die Titelträume in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 begraben. Die Halbfinalserie der Playoffs ging an die Kassel Huskies. In Kassel verloren die Steelers am Freitag mit 1:3, vor heimischem Publikum nach Verlängerung schließlich mit 3:4.
Der bisherige Co-Trainer der Bietigheim Steelers, Boris Blank, musste in seinem Debüt als Cheftrainer in der 77. Minute das Aus hinnehmen. Denn in der Overtime drückte der SCB zwar minutenlang und lieferte ein Chancenfeuerwerk, doch flatterte ein abgeblockter Schuss von Yannik Valenti durch den Bietigheimer Slot. Direkt vor der Linie war Tristan Keck der Nutznießer und Matchwinner und schlug die Scheibe im Baseball-Stil zum 4:3 ins Netz.
Die mangelnde Chancenverwertung wird dem Bietigheimer Team zum Verhängnis
Dabei hätten die Steelers schon früh in Führung gehen können, doch es mangelte an der Chancenverwertung. Auch im ersten – eigentlich so starken – Powerplay der Schwaben nach einem Stockschlag von Valenti belohnten die die Hausherren nicht. Brett Kemp verpasste den Tip-In im Slot um Zentimeter (9. Minute) und hatte Sekunden später Pech, dass er bei einem Schlagschussversuch aus dem Gleichgewicht kam. Und so rächte sich der Chancenwucher mal wieder. Gerade wieder mit sechs Mann auf dem Eis wurde Keck von Darren Mieszkowski steil geschickt, enteilt den Steelers-Verteidigern und blieb vor Olafr Schmidt cool. Mit seinem platzierten Abschluss stellte er die Weichen für die Nordhessen auf Finaleinzug (11.). Nach dem Nackenschlag brauchten die Schwaben einige Minuten. Arne Uplegger ließ fünf Minuten vor der Drittelpause zwei Chancen ungenutzt. Erst Goldhelm Jack Dugan brachte den Großteil der 4285 Fans in der Ege-Trans-Arena erstmals zum Ausrasten. Bastian Eckl blieb mit seinem ersten Versuch an Maurer hängen, bekam den Abpraller aber wieder auf die Kelle und sah dann den US-Amerikaner im Slot. Der schob locker ein (17.).
Trotz vieler Torschüsse fällt das 2:1 erst in der zweiten Überzahl
Die Gastgeber waren nun wieder voll in der Verlosung und bestimmten das Spiel, der ECK tauchte nur noch selten gefährlich von Schmidt auf. Bietigheim arbeitete im Forechecking sehr gut gegen die Scheibe und ließ die Gäste nicht in das Aufbauspiel kommen. Aktivposten Eckl vergab gleich mehrfach in aussichtsreicher Position, das Führungstor wollte nicht fallen. Es benötigte erst die zweite Überzahl für den SCB, damit es endlich zum 2:1 klingelte. Im ersten sauber vorgetragenen Vorstoß rannte sich Brett Kemp noch fest, legte dann aber clever zu Alex Dostie zurück. Der Kanadier versenkte mit dem ersten Kontakt (33.). Die Huskies zeigten sich davon wenig beeindruckt, machten nun wieder Druck und schürten selbst die Steelers hinten ein. Als diese dann die Scheibe nicht sauber aus der eigenen Zone geklärt bekamen, landete das Hartgummi bei Valenti, der aus kurzer Entfernung wieder egalisierte (38.).
Im Schlussdrittel bleibt es so eng wie zuletzt in jedem Spiel
So blieb es zum sechsten Mal im sechsten Spiel eng im Schlussdrittel, in dem Dominic Turgeon die Enztal-Kurve nach viereinhalb Minuten verstummen ließ. Zwei seiner Versuche konnten nur geblockt, aber nicht geklärt werden. Als er die Scheibe zum dritten Mal auf dem Schläger hatte, versenkte er sie. Das Momentum war nun klar bei Kassel. Durch ein Powerplay, das ungenutzt bleibt, kam Bietigheim zurück in die Spur, hatte wieder das Heft des Handelns in der Hand und setzte sich vorne fest. Uplegger sorgte zwei Minuten vor Schluss für Ekstase an der Enz. Schmidt war gerade vom Eis, da bediente Eckl den torhungrigen Verteidiger, der das Spielgerät eiskalt in die Maschen jagte – sein viertes Tor in Folge. So ging es mal wieder in die Overtime, in der die gesamte Eishalle stand und mit jeder Chance der Steelers lauter wurde. Trotz Kecks Tor wurde die Bietigheimer Mannschaft noch minutenlang für eine tolle Saison gefeiert.
Nach der 1:3-Niederlage von Freitag stehen die Steelers mit dem Rücken zur Wand
Bereits am Freitag haben die Kassel Huskies sich die Möglichkeit erspielt, am Sonntag die Halbfinal-Serie für sich zu entscheiden. Auch da haben die Steelers reichlich Chancen liegen lassen. Zum ersten Mal in diesem Playoff-Halbfinale endete ein Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied. Dennoch war die 1:3-Pleite aus Sicht der Ellentäler ein enorm enges und umkämpftes Duell.
Im Fokus standen die beiden Schlussmänner, Olafr Schmidt aufseiten der Schwaben und Philipp Maurer bei den Huskies mit grandiosen Paraden. Filip Reisnecker verpasste nach 60 Sekunden das frühe 1:0 für den SCB, auf der Gegenseite setzte wenig später Yannik Valenti den Puck ans Gestänge. Verteidiger Arne Uplegger traf auch dieses Mal und erzielte in der 9. Minute das 1:0. Maurer verhinderte das 2:0 durch Jack Dugan. Vier Minuten vor der Drittelpause stand es 1:1, nachdem Verteidiger Benedikt Jiranek die Scheibe unglücklich abgelenkt hatte. Das 2:1 erzielte Bode Wilde, das 3:1 Darren Mieszkowski per Abpraller. nb

