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Auf der Suche nach defensiver Stabilität

Atakan Karazor könnte beim VfB gegen Dortmund erstmals seit langem ins Spiel kommen. Denn seine Qualitäten sind gefragt.

  • Seit Monaten ist Atakan Karazor (li.) im System des VfB-Trainers Sebastian Hoeneß nur Zuschauer. Folgt jetzt die Rückkehr auf den Platz für den ehemaligen Kapitän?Foto: Baumann

    Seit Monaten ist Atakan Karazor (li.) im System des VfB-Trainers Sebastian Hoeneß nur Zuschauer. Folgt jetzt die Rückkehr auf den Platz für den ehemaligen Kapitän?Foto: Baumann

Stuttgart - Seine Spieluhr steht weiterhin bei null. Denn in den ersten fünf Pflichtpartien der Saison hat der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß bislang komplett auf seinen ehemaligen Kapitän verzichtet. Doch vor dem Auftritt der Stuttgarter an diesem Samstag (18.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund, jenen Club, der dem VfB mit dem 0:2 im April bisher die einzige Bundesliga-Heimniederlage in 2026 beigebracht hat, gibt es Hoffnung. Für Atakan Karazor. Und für all jene, die auf mehr defensive Stabilität im Mittelfeld des VfB setzen.

„Er wird seine Rolle wieder einnehmen, das steht außer Frage“, sagt Trainer Hoeneß vor dem Liga-Topspiel gegen den BVB über Karazor: „Er trainiert gut.“ Dass die Einsatzchancen für den 29-Jährigen – vermutlich als Einwechselspieler und nicht gleich in der Startelf – zuletzt gestiegen sind, liegt dabei nicht nur an der Knieprellung von Angelo Stiller, über dessen Einsatz gegen Dortmund noch ein kleines Fragzeichen schwebt.

Es hat vor allem damit zu tun, dass Karazors Qualitäten als Staubsauger vor der Abwehr aktuell sehr gefragt sind. Denn das Toreschießen hatten die gerne auf offensive Dominanz setzenden Stuttgarter ihren Gegnern durch Defensivmängel in der Konterabsicherung zuletzt zu häufig zu leicht gemacht. Also sagt auch ihr Chefcoach: „Es ist für uns sicher ein Thema, dass wir wieder mehr defensive Stabilität haben, ohne an offensiver Durchschlagskraft einzubüßen.“

Nicht zuletzt das jüngste 1:2 bei der TSG Hoffenheim hatte verdeutlicht, dass die Qualitäten Karazors dem VfB in der momentanen Lage gut tun könnten. Sicherlich gab es gute Gründe dafür, dass der ehemalige Kapitän inzwischen nicht mehr unumstrittener Teil der Stammelf ist – doch als Lückenstopfer im defensiven Mittelfeld, als Passwege-Zusteller, starker Zweikämpfer und erfahrener Profi, der den anderen auch mal gestenreich den Weg weist, kann der 29-Jährige für die Cannstatter weiterhin wertvoll sein.

So hat auch Hoeneß erkannt, dass seine aktuelle Abmischung auf der Doppelsechs, die neue Rollenverteilung im Maschinenraum zwischen Neuzugang Grischa Prömel und Platzhirsch Stiller, zuletzt vor allem in der Rückwärtsbewegung Probleme mit sich brachte. „Gerade bei langen Kontern standen wir schlecht gestaffelt. Es war zu einfach, hinter unsere Ketten zu kommen. Denn wir haben den Rücken des Mitspielers oft nicht gesichert“, analysiert Hoeneß.

Dabei sei das Szenario auf der Doppelsechs auch eine Typenfrage: „Es ist sicher ein Punkt, dass sich Angelo über das Spiel mit Ball definiert – und auch mal ganz vorne auftaucht“, sagt Hoeneß: „Und Grischa ist ebenfalls ein Spieler, der gerne vorne gefährlich in der Box agiert.“ So hatte man den 31-Jährigen ja unter anderem von der TSG Hoffenheim geholt, um der Mittelfeldzentrale mehr Torgefahr zu verleihen. Prömel traf auch gleich im ersten Heimspiel beim 4:1 über den 1. FC Köln. Doch grundsätzlich agiert das Stuttgarter Sechserduo gerne einen Tick zu offensiv. Aber Hoeneß weiß auch: „Beide sind sehr intelligent, erkennen das – und können da entsprechend ansetzen.“

Der grundsätzlich defensiver agierende Atakan Karazor stünde derweil quasi als natürlicher Problemlöser bereit. „Chema war ein Spieler, der uns hier einen Anker geben konnte“, sagt Hoeneß über den Spanier, der am Ende der Transferphase nach Brighton in die Premier League verkauft wurde: „Aber auch Ata kann das.“

Gibt der Ex-Capitano, der seit Anfang Mai nicht mehr für den VfB auf dem Platz stand, daher an diesem Samstag sein Comeback? Mit nur drei Punkten nach drei Spielen sind die Cannstatter – auch aufgrund der Stärke der bisherigen Gegner – nicht gut aus den Startlöchern gekommen. Auch, weil es dem Team vor seinem zentralen Abwehrverbund, egal ob dieser als Dreierkette oder als Viererformation auftrat, an einer zusätzlichen Absicherung fehlte.

So wurde es dem Gegner oft zu leicht gemacht mit dem Toreschießen. Das zeigte sich nicht nur in der Bundesliga, wo Torhüter Fabian Bredlow mit tollen Paraden mehrfach Schlimmeres verhinderte, sondern auch in der Champions League beim Gegentor der ansonsten meist harmlosen Wikinger aus Stavanger zum zwischenzeitlichen 1:1. Eine Absicherung aus der Sechserposition heraus gab es hier nicht.

Wenn dann noch Angelo Stiller ausfällt, wie zuletzt durch seine Knieprellung in der 34. Minute in Sinsheim, werden die Probleme in der Rückwärtsbewegung durch die veränderte Statik auf der Sechserposition noch offensichtlicher. Weiterhin ist Stiller der Dreh- und Angelpunkt des VfB-Spiels, doch an der Seite Prömels entfallen mehr defensive Aufgaben auf ihn als früher neben Chema oder eben Karazor. Letzterer musste in Hoffenheim mit Yanik Spalt einem Youngster den Vortritt lassen. Nach seinem Kurzdebüt gegen Köln machte der 19-Jährige seine Sache in seinem ersten Bundesliga-Einsatz über eine längere Strecke sehr ordentlich. Von seinen zwölf Pässen kamen alle an. Zudem bedient der „Spalti“, wie Hoeneß sagt, die Lust der VfB-Anhänger auf Talente aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum. Andererseits käme Karazor allein aufgrund seiner Erfahrung von 231 Spielen mit dem Brustring wohl auf mehr Ballberührungen.

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