Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat ihn, den ersten Dreier der Bundesliga-Saison. Am zweiten Spieltag besiegte das Team von Trainer Sebastian Hoeneß den 1. FC Köln mit 4:1 (2:0) – und kam nur in den ersten 15 Minuten nach der Pause ernsthaft in Bedrängnis.
„Es war eine großartige Teamleistung“, sagte Bilal El Khannouss, der Torschütze zum 1:0: „Wir sind sehr glücklich.“
Trainer Sebastian Hoeneß war ebenfalls glücklich, legte aber auch den Finger in die Wunde mit dem Blick auf die Phase nach dem Wiederbeginn: „Die erste Halbzeit war fast wie aus einem Guss, nach der Pause war es dann wie abgerissen in den ersten 15 Minuten, diese Phase werden wir aufarbeiten müssen. Es war wichtig, dass wir dann nach einer Stunde das 2:0 gemacht haben.“
Bundestrainer Jürgen Klopp war am Freitag ins Stadion gekommen – ihm wurde erstmal die Sicht vernebelt: Es gab Pyros und Raketen aus dem Kölner Block. Ein paar Feuerwerkskörper waren als Querschläger auf den umliegenden Rängen gelandet – gefährlich und kriminell ist das, nichts Anderes.
Als dann gekickt werden konnte, übernahm der VfB sofort das Kommando. In der neunten Minute gab es die erste Chance, und was für eine! Es gibt ja nicht mehr als hundert Prozent – aber das, nun ja, war dann doch ein Tausendprozenter: Rechtsverteidiger Josha Vagnoman stand aus kurzer Distanz frei vor dem Tor, die Flanke von Bilal El Khannouss kam von lins – doch Vagnoman brachte das Kunststück fertig, die Kugel aus drei Metern nichts ins Tor zu schießen, sondern an die Unterkante der Latte.
Nur fünf Minuten später schepperte es erneut am Querbalken – dieses Mal köpfte der neue Stürmer Dzenan Pejcinovic aus kurzer Distanz an die Latte. Die VfB-Führung war überfällig. Sollte sie auch bald kommen?
In Minute 19 wäre es wieder fast so weit gewesen: Chris Führich startete auf links durch und bediente Deniz Undav in der Mitte. Doch der brachte freistehend nicht genügend Schmackes in seinen Schuss und scheiterte an Marvin Schwäbe – ebenso wie wenig später Grischa Prömel. Was für eine Dominanz des VfB. Nur ohne Tore.
Die blieben auch in der Folge erst einmal aus – weil sich die Weiß-Roten im Gegensatz zu den ersten 25 Minuten keine Chancen mehr herausspielen konnten. Die Wucht des VfB ließ nach, Köln stabilisierte sich – bis El Khannouss in der 39. Minute ein tolles Solo hinlegte. Der Offensivmann startete 40 Meter vor dem Tor, setzte sich mit Finesse gegen mehrere FC-Profis durch und traf zum 1:0. Schwach verteidigt zwar von den Gästen, aber dennoch bärenstark vom Marokkaner.
Nach Wiederbeginn traute man mit dem Blick auf die erste Hälfte seinen Augen kaum: Denn Köln kam plötzlich dominant aus der Kabine, und der VfB hatte es Fabian Bredlow zu verdanken, dass es kurz nach Wiederanpfiff nicht schnell 1:1 stand. Der Keeper parierte einen Kopfball aus kurzer Distanz von Ellyes Skhiri bärenstark. In der 53. Minute war Bredlow wieder zur Stelle, dieses Mal nach einem Schuss von Joker Mikey Moore. Der VfB wankte plötzlich gewaltig – und wurde in Minute 55 wieder von Bredlow gerettet. Wieder gegen Moore, der frei durch war. Der Ausgleich war überfällig. Stattdessen stand es nach einer Stunde 2:0.
Fußball paradox also in Stuttgart – das war passiert: Nach einem tollen Pass von El Khanouss auf Mittelstädt legte der Linksverteidiger von der Grundlinie auf Prömel zurück, und der drosch den Ball ins Tor. Erster Gratulant war Maskottchen Fritzle, passend postiert schräg hinter dem Tor. Prömel und Fritzle Arm in Arm, ein Bild dieses Abends.
Nach 70 Minuten bediente der eingewechselte Ermedin Demirovic nach einem Schwäbe-Fehlpass Pejcinovic, doch der FC-Keeper machte seinen Fehler wieder gut. Der VfB hatte das Spiel nach dem 2:0 wieder in den Griff bekommen. Den Kölnern war der berühmte Stecker gezogen worden.
Endgültig konnte man das dann nach dem 3:0 nach 75 Minuten sagen, das Demirovic, der Joker wider Willen, erzielte. Von der Mittellinie startete der Stürmer über rechts durch, im Sauseschritt ging es Richtung Tor, der Schuss landete im kurzen Eck. Das nächste Traumsolo des Abends, nach jenem von El Khannouss vor der Pause. Das Kölner Tor zum 1:3 durch Marius Bülter (81.) war erstmal nur noch Ergebniskosmetik – und am Ende, in der Nachspielzeit, gab es wieder Fußball paradox: Denn Vagnoman traf ins Tor. Volley, von der Strafraumgrenze. Aus drei Metern geht es nicht, aus 18 schon. Das soll mal einer erklären.
