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„Wir kämpfen für die Freiheit der ganzen Welt“

Drei Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises, Sandra Detzer (Grüne), Steffen Bilger (CDU) und Macit Karaahmetoglu (SPD), haben am Samstagnachmittag gemeinsam zu einer Kundgebung gegen den Krieg auf den Ludwigsburger Marktplatz eingeladen. Viel Beifall gab es für die bewegende Rede der ukrainischen Autoin Kseniya Fuchs.

  • Deutlich mehr als tausend Bürgerinnen und Bürger kamen auf den Ludwigsburger Marktplatz und machten ihrer Empörung Luft.

    Deutlich mehr als tausend Bürgerinnen und Bürger kamen auf den Ludwigsburger Marktplatz und machten ihrer Empörung Luft.

  • Sandra Detzer, Kseniya Fuchs, Macit Karaahmetoglu und Steffen Bilger (von links) verurteilten den russischen Angriffskrieg gemeinsam mit scharfen Worten.

    Sandra Detzer, Kseniya Fuchs, Macit Karaahmetoglu und Steffen Bilger (von links) verurteilten den russischen Angriffskrieg gemeinsam mit scharfen Worten.

  • „Hände weg von der Ukraine!“: Silas Brettschneider demonstrierte zusammen mit seinen Eltern Simone und Ekke gegen Putins Überfall.  Fotos: Banholzer

    „Hände weg von der Ukraine!“: Silas Brettschneider demonstrierte zusammen mit seinen Eltern Simone und Ekke gegen Putins Überfall. Fotos: Banholzer

Ludwigsburg. In ganz Deutschland demonstrierten die Menschen am Wochenende in großer Zahl gegen den unverhohlenen Angriffskrieg der russischen Regierung auf das Nachbarland Ukraine. Auch in Ludwigsburg füllte sich der Marktplatz kurz vor 15 Uhr rasch mit einer Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern, von denen viele selbst gemalte Transparente oder Plakate in den ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb bei sich trugen.

Eingeladen hatten in ausdrücklicher Einigkeit die Bundestagsabgeordneten der Regierungsfraktionen SPD und Grüne, Macit Karaahmetoglu und Sandra Detzer, und der Oppositionspartei CDU, Steffen Bilger. Gleich am Donnerstag habe sie ihre beiden Kollegen aus dem Wahlkreis Ludwigsburg angerufen und gefragt, ob man gemeinsam zu einer Aktion aufrufen wolle, berichtete Detzer am Rande der Veranstaltung. Beide hätten ohne zu zögern zugesagt.

Unter dem Beifall der Zuhörerinnen und Zuhörer sagte Detzer, dass man es nicht hinnehmen werde, dass im 21. Jahrhundert Grenzen in Europa gewaltsam verschoben werden. Die Gefahr, die vom „Kriegsverbrecher“ Putin ausgehe, habe man zu lange ausgeblendet, gestand Karaahmetoglu. An den russischen Präsident gerichtet sagte er: „Sie sind der Mörder von bisher mehr als 200 Menschen und aller, die noch sterben werden!“ Die von Putin vorgeschobene Begründung, die Ukraine „entnazifizieren“ zu müssen, sei „blanker Hohn für das, was die Ukraine im Zweiten Weltkrieg erleiden musste“, so Bilger und sprach sich für noch härtere Sanktionen aus.

Dieser Ruf sollte noch am Samstag zumindest zum Teil erfüllt werden – gab die Regierung doch noch am Abend bekannt, Waffenlieferungen an die Ukraine und einem weitgehenden Ausschluss Russlands vom Swift-Zahlungssystem zuzustimmen. Am Nachmittag stand dies aber noch zur Debatte. Sehr zum Unverständnis von Kseniya Fuchs. Die junge ukrainische Schriftstellerin war 2008 als Studentin nach Deutschland gekommen. Ihre Familie und Freunde leben in Donezk, wo prorussische Separatisten 2014 wie in Luhansk eine „Volksrepublik“ ausgerufen hatten. Die treibenden Kräfte seien dabei gar keine Ukrainer, sagte Fuchs gegenüber der VKZ. „Das sind vor allem russlandtreue Tschetschenen.“ Sie habe das beim Besuch in ihrer Heimatstadt selbst erlebt. Viele Menschen in Donezk lebten in Angst vor der Gewalt dieser Männer und gingen kaum noch auf die Straße. Damit dies nicht zum Muster für die ganze Ukraine wird, richtete Fuchs am Samstag einen eindringlichen und bewegenden Appell an Deutschland und die gesamte westliche Welt.

Putins „Großrusslandpläne“ bedeuteten ein Blutvergießen in halb Europa. „Wie könnt ihr nachts schlafen?“, rief Fuchs angesichts der von ihr als zu zögerlich wahrgenommenen Hilfe aus Deutschland. Sie forderte mehr Unterstützung, unter anderem in Form von Kraftstoffen, Medikamenten und Waffen. Zahlreiche Ukrainer aus der Diaspora – also aus anderen Ländern Europas und darüber hinaus – eilten derzeit zurück in ihre Heimat, um diese zu verteidigen. Dabei gehe es dort nicht allein um die Ukraine. „Wir vergießen unser Blut für eure Sicherheit und eure Kinder!“ Denn Putins Krieg sei ein Krieg gegen Europa und die Freiheit der Welt an sich. Selbst viele russische Soldaten wüssten eigentlich nicht, was sie in der Ukraine sollten. Sie seien demoralisiert und schlecht ausgerüstet. Die Ukrainer hingegen wüssten, wofür sie kämpften. Mit bebender Stimme wies Fuchs den russischen Vorwurf zurück, wonach die Ukraine von einem neonazistischen Regime regiert werde. „Sind unsere Kinder auch Neonazis?“, frage sie mit Blick auf die zivilen Opfer. Die Ukraine müsse nun schnellstmöglich in die EU und in die Nato aufgenommen werden, forderte sie. „Wir zeigen bereits, wie mutig wir dafür kämpfen.“ Das ukrainische Volk sei unvorstellbar stark und führe derzeit einen Kampf für die Freiheit der ganzen Welt. „Lassen Sie das ukrainische Volk und ihr eigenes Volk nicht im Stich!“

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