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Beschlagene Schuhe auf Kopfsteinpflaster

  • Zweimal hatte die Veranstaltung wegen Corona verschoben werden müssen. Beim dritten Anlauf am Freitag klappte es: Die Rasslerbande lud in der historischen Kelter in Mühlacker zur musikalischen Geschichtsstunde. Thema: Die als „Rassler“ bekannten Arbeiter der Pforzheimer Schmuckindustrie. „Rassler Bauer Goldschmied“ war die musikalisch-literarische Spurensuche von Sven Puchelt, Roland Bliesener, Christian Roch und Christina Sogl überschrieben, die der Pforzheimer Folkclub Prisma anlässlich des Pforzheimer Schmuckjubiläums „250 Jahre Goldstadt“ im Jahre 2017 aus gutem Grund entwickelt hatte. Als sich in Pforzheim die Schmuckindustrie entwickelte, war das auch die Geburtsstunde der „Rassler“ gewesen. Im Jahr 1850 setzte der Zustrom der Landbevölkerung ein. Um 1900 seien, wie am Abend mitgeteilt wurde, rund 24 000 Menschen in 900 Fabriken beschäftigt gewesen. Die Hälfte von ihnen waren „Rassler“. Diese „Rassler“ waren Bauern aus den umliegenden Dörfern, die jeden Morgen zur Arbeit in die Stadt wanderten. Ihren Namen bekamen sie vom Klappern der mit Eisen beschlagenen Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster. Oder war es etwa das Klappern der Kannen, in denen sie ihr Essen mitbrachten? Oder gar die Verballhornung des Begriffs Raser? Diese Frage blieb am Freitagabend zwar unbeantwortet, auf ganz viele andere aber gab das Quartett singend und sprechend Auskunft. Das Quartett präsentierte eine gelungene Mischung aus Texten und Liedern. Da keine traditionellen Melodien aus Pforzheim und den umliegenden Gemeinden überliefert sind, hatten die Musiker historische baden-württembergische Tänze und Volkslieder ausgesucht. Letztere habe man etwas moderner arrangiert, so Christian Roch, Vorsitzender des Vereins Folkclub Prisma. Unter anderem hatte man das Gedicht „O Schwarwald, o Heimat“ von Ludwig Auerbach neu vertont. Roch wies zudem darauf hin, dass die „Rassler“ nicht nur aus der direkten Umgebung Pforzheims kamen. Auch aus dem Raum Mühlacker sei man zur Arbeit nach Pforzheim gegangen – allerdings nicht zu Fuß sondern nach dem Bau der Eisenbahnlinie mit der Bahn. Kurzweilig und äußerst informativ gaben er und die übrige Rasslerbande Einblicke in die Lebensart der Goldschmiedsbauern, die ihren Lebensunterhalt in der Schmuckindustrie, aber auch in der Landwirtschaft verdienten. Gespartes Geld floss in die eigene Scholle, so Puchelt. Foto: Stahlfeld

    Zweimal hatte die Veranstaltung wegen Corona verschoben werden müssen. Beim dritten Anlauf am Freitag klappte es: Die Rasslerbande lud in der historischen Kelter in Mühlacker zur musikalischen Geschichtsstunde. Thema: Die als „Rassler“ bekannten Arbeiter der Pforzheimer Schmuckindustrie. „Rassler Bauer Goldschmied“ war die musikalisch-literarische Spurensuche von Sven Puchelt, Roland Bliesener, Christian Roch und Christina Sogl überschrieben, die der Pforzheimer Folkclub Prisma anlässlich des Pforzheimer Schmuckjubiläums „250 Jahre Goldstadt“ im Jahre 2017 aus gutem Grund entwickelt hatte. Als sich in Pforzheim die Schmuckindustrie entwickelte, war das auch die Geburtsstunde der „Rassler“ gewesen. Im Jahr 1850 setzte der Zustrom der Landbevölkerung ein. Um 1900 seien, wie am Abend mitgeteilt wurde, rund 24 000 Menschen in 900 Fabriken beschäftigt gewesen. Die Hälfte von ihnen waren „Rassler“. Diese „Rassler“ waren Bauern aus den umliegenden Dörfern, die jeden Morgen zur Arbeit in die Stadt wanderten. Ihren Namen bekamen sie vom Klappern der mit Eisen beschlagenen Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster. Oder war es etwa das Klappern der Kannen, in denen sie ihr Essen mitbrachten? Oder gar die Verballhornung des Begriffs Raser? Diese Frage blieb am Freitagabend zwar unbeantwortet, auf ganz viele andere aber gab das Quartett singend und sprechend Auskunft. Das Quartett präsentierte eine gelungene Mischung aus Texten und Liedern. Da keine traditionellen Melodien aus Pforzheim und den umliegenden Gemeinden überliefert sind, hatten die Musiker historische baden-württembergische Tänze und Volkslieder ausgesucht. Letztere habe man etwas moderner arrangiert, so Christian Roch, Vorsitzender des Vereins Folkclub Prisma. Unter anderem hatte man das Gedicht „O Schwarwald, o Heimat“ von Ludwig Auerbach neu vertont. Roch wies zudem darauf hin, dass die „Rassler“ nicht nur aus der direkten Umgebung Pforzheims kamen. Auch aus dem Raum Mühlacker sei man zur Arbeit nach Pforzheim gegangen – allerdings nicht zu Fuß sondern nach dem Bau der Eisenbahnlinie mit der Bahn. Kurzweilig und äußerst informativ gaben er und die übrige Rasslerbande Einblicke in die Lebensart der Goldschmiedsbauern, die ihren Lebensunterhalt in der Schmuckindustrie, aber auch in der Landwirtschaft verdienten. Gespartes Geld floss in die eigene Scholle, so Puchelt. Foto: Stahlfeld

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