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Wie Sachsenheimer den Ersten Weltkrieg erlebten

Für die neue Ausstellung haben Bürger zeitgenössische Erinnerungsstücke wie Fotos, Briefe und Pässe ins Stadtmuseum gebracht – Eröffnung am Sonntag

  • Eine Kriegschronik über Eugen Braun aus Großsachsenheim, ein Granatsplitter von Familie Weber aus Unterriexingen: Museumsleiterin Dr. Claudia Papp hatte nicht damit gerechnet, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs so zahlreiche Erinnerungsstücke zu erhalten.  Fotos: Rostek

    Eine Kriegschronik über Eugen Braun aus Großsachsenheim, ein Granatsplitter von Familie Weber aus Unterriexingen: Museumsleiterin Dr. Claudia Papp hatte nicht damit gerechnet, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs so zahlreiche Erinnerungsstücke zu erhalten. Fotos: Rostek

  • Auch ein alter Militärpass ist zu sehen. Foto: Rostek

    Auch ein alter Militärpass ist zu sehen. Foto: Rostek

  • Ein Militärpass aus dem Ersten Weltkrieg.

    Ein Militärpass aus dem Ersten Weltkrieg.

Ein Großsachsenheimer, verletzt durch eine Granate. Brüder aus Spielberg an der Front. Ein Befehl an die Ortsbehörde Ochsenbach zur Mobilmachung: Die neue Ausstellung im Stadtmuseum Sachsenheim „Ein Friedhof voll von Deutschlands bester Manneskraft – Sachsenheim und der Erste Weltkrieg“ ist ein Mosaik aus Privatschicksalen von Menschen aus Sachsenheim. Als der Spielberger Gottlob Ippich 1914 in den Krieg zieht, ist er zuversichtlich. „Als unsere Feinde uns von allen Seiten bedrohten, galt für mich die selbstverständliche Parole ,Kriegsfreiwillig in die Front!‘. Hoffe, daß wir bald siegreich sein und ehrenvoll Frieden schließen“, steht in einem Brief an seine Familie. Nach der Euphorie die Enttäuschung: „Wann wird endlich mal Schluß werden? Es ist schrecklich, wenn man den großen Friedhof von Deutschlands bester Manneskraft sieht“, schreibt er im Mai 1917. Noch deutlichere Worte im Juli 1917: „Schickt doch diejenigen, die noch nicht genug am Kriege haben, an die Fronten, damit die sich gegenseitig bekämpfen können und selbst am eigenen Leibe es auch verspüren müssten.“ Die Briefsammlung Gottlob Ippichs ist eine von unterschiedlichen Erinnerungsstücken aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, die Bewohner aus Sachsenheim für die Ausstellung ins Stadtmuseum gebracht haben. „Wir wollten Geschichte greifbar machen. Deswegen haben wir Anfang des Jahres die Leute dazu aufgerufen, uns Gegenstände aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zukommen zu lassen“, berichtet Papp. Die Resonanz überraschte sie. Rund 40 Sachsenheimer brachten Leihgaben, darunter Kriegspässe, Fotoalben und eine Todesbescheinigung vom Kriegsministerium. Erst am Dienstag hat Papp noch ein Abzeichen, ein Soldbuch und mehrere Fotos erhalten. Aus Unterriexingen brachte eine Familie sogar einen Granatsplitter. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Leute nach 100 Jahren noch so viele Sachen haben“, sagt sie. Die Briefe des Spielberger Soldaten haben die Mitabeiter des Stadtmuseums gar so sehr beeindruckt, dass sie die Ausstellung nach dem Teilsatz „Ein Friedhof voll von Deutschlands bester Manneskraft“ benannten. „Ich weiß nicht, wie er es geschafft hat, solche Briefe durch die Zensur zu bringen“, sagt Papp. Anlass der Ausstellung ist der 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs. Kinder, die es in dem Museum normalerweise gewöhnt sind, auch etwas ausprobieren zu dürfen, beispielsweise in Kostüme schlüpfen, müssen dieses Mal etwas zurückstecken. Papp: „Es ist eine Erwachsenenausstellung.“ Neben den privaten Leihgaben aus Sachsenheim haben die Museumsmitarbeiter auch Erinnerungsstücke aus anderen Einrichtungen wie der Württembergischen Landesbibliothek und dem Staatsarchiv Ludwigsburg nach Sachsenheim geholt. Das Ergebnis ist eine Mischung, durch die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln lebendig wird: In Soldatenbriefen ist von Fronterfahrungen zu lesen. Eine Heiratsannonce spiegelt wider, wie das Leben zur Zeit des Krieges auf dem Land war. An Propagandaplakaten lässt sich ablesen, wie die deutschen Machthaber den Krieg in der Öffentlichkeit darstellten. „Der Hauptfeind ist England“, steht dort etwa geschrieben. Eine besondere Leihgabe ist die Audiodatei eines Mannes, der in den 70er Jahren seinen Großvater zu dessen Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg befragte. Dieses Interview ist nun in Grossachsenheim zu hören. Die Ausstellung wird am Sonntag (12. Oktober) um 11 Uhr eröffnet und ist bis zum 12. April nächsten Jahres zu sehen.
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