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Volle Breitseite für das Wasserschloss

Sachsenheimer Rat stimmt dringenden statischen Sicherungen und Brandschutzmaßnahmen in Höhe von 300 000 Euro zu

  • Aufwendige Stützkonstruktion unter der Zufahrt zum Schloss.  Fotos: Elsässer

    Aufwendige Stützkonstruktion unter der Zufahrt zum Schloss. Fotos: Elsässer

  • Der Westteil des Sachsenheimer Wasserschlosses wird seit Monaten abgestützt.

    Der Westteil des Sachsenheimer Wasserschlosses wird seit Monaten abgestützt.

Das Sachsenheimer Wasserschloss gleicht immer mehr einer Bruchbude. Dass das Gebäude von 1544, in dem die Stadtverwaltung untergebracht ist, sanierungsbedürftig ist, stellt keine Neuigkeit dar. Schon seit Monaten wird ein Teil des Schlosses abgestützt. Jetzt ist erneut Gefahr im Verzug. Für weitere statische Sicherungen und den Brandschutz muss die Stadt kurzfristig 300 000 Euro ausgeben.

Bürgermeister Horst Fiedler nahm in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend kein Blatt vor den Mund: „Das Gebäude muss stabilisiert werden, damit es nicht zusammenbricht“, machte er den Ratsmitgliedern unmissverständlich klar, was die Stunde geschlagen hat. Das Gebäude sei in einem derart „schlimmen Zustand“, dass eine statische Grundsicherung nötig sei.

Weil es sich beim Wasserschloss um ein dringliches Sanierungsobjekt handelt, haben sich Fachleute das denkmalgeschützte Gebäude in den vergangenen Wochen genau angesehen. Dabei haben sie festgestellt, dass vor allem die Tragkonstruktion marode ist. Nach dem Entfernen von Brettern auf dem äußeren Fachwerk haben die Experten entdeckt, dass die Balken mitunter bis zu einen Meter tief weggefault sind. „Die Auswirkungen können weitreichend sein, da es sich um wichtige Tragglieder handelt, die die Fachwerkaußenwand stabilisieren und verankern“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage für die Gemeinderäte.

Zur statischen Absicherung des Gebäudes sei es notwendig, Sprieße im zweiten Obergeschoss und teilweise auch im ersten Obergeschoss aufzustellen. Die Sprieße müssen in den betroffenen Büroräumen auf der Westseite im Abstand von etwa einem Meter zur Außenwand platziert werden. Auch eine „Rückverankerung der Außenwand durch eine Gurtung“ sei notwendig. Nach Statikerangaben hat die Stadt Sachsenheim für diese Maßnahmen, die kurzfristig durchgeführt werden müssen, rund 120 000 Euro aufzubringen.

Doch damit nicht genug. Noch teurer aber genauso dringend sind die Maßnahmen, die die Stadt in Sachen Brandschutz im Wasserschloss durchzuführen hat. Insgesamt 14 Beanstandungspunkte in der fast ausschließlich höchsten Kategorie A hat die Brandverhütungsschau ergeben, die am 26. August stattgefunden hat. Manche der erforderlichen Maßnahmen, wie das Freiräumen der Rettungswege, sind schnell zu erledigen. Deutlich teurer werden dringende bautechnische Maßnahmen wie die Installation von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, rauchdichte Türen und Brandschottungen schrauben den finanziellen Bedarf auf 180 000 Euro.

„Die Erkenntnisse sind erst sechs Wochen alt, aber wir müssen sofort handeln“, wandte sich der Bürgermeister an die Gemeinderäte. Aus den Untersuchungen resultiere außerdem, dass der gesamte Sanierungsaufwand im Wasserschloss sage und schreibe acht Millionen Euro betrage und damit um ein Vielfaches höher sei als bisher angenommen. Damit sich die Stadt nicht erneut stark verschulden muss, stelle sich die Frage nach möglichen Förderprogrammen. „Acht Millionen Euro sind für unsere Stadt nicht zu stemmen“, sagte Fiedler. „Da würden wir wieder in das Jahr 2003 zurückfallen.“ Eine grundsätzliche Entscheidung bezüglich der Sanierung des Rathauses müsse der Gemeinderat erst später fällen. Im ersten Schritt gehe es lediglich um die außerplanmäßigen, dringenden Sicherungsmaßnahmen.

Auf Anfrage von Dr. Roland Mackert (AfD) antwortete der Bürgermeister, dass die Stadt nicht auf die gesamte Rücklage im Zweckverband Eichwald zurückgreifen könne. Ein Teil des Geldes werde man aber bekommen. „Das werden wir auch brauchen“, so Fiedler.

„Wirtschaftlich gesehen ist das Objekt aufzugeben“, sagte Gemeinderat Siegfried Jauß (FW). Doch das markante Gebäude stehe unter Denkmalschutz und sei ein Aushängeschild für die Stadt. Bei den acht Millionen werde es seiner Ansicht nach nicht blieben. „Das ist eine gewaltige Herausforderung“, sagte Jauß. Er forderte von der Verwaltung eine vollständige Bestandaufnahme aller notwendigen Arbeit samt Vorschlag zur Finanzierung und Umsetzung.

„Da steht uns etwas Grandioses bevor“, stellte Lothar Makkens (FW) fest. „Wir müsen das Schloss ohne Hektik räumen, nach Alternativen für die Verwaltungsmitarbeiter suchen, ein Nutzungsmodell für das Schloss finden und dann mit der Sanierung beginnen“, so Makkens. Ob die Mitarbeiter das Rathaus während der Bauzeit verlassen müssen, sei nicht sicher, sagte der Bürgermeister. Bis verlässliche Zahlen über den endgültigen Sanierungsaufwand und die Zuschussmöglichkeiten vorliegen, würden noch sechs Monate ins Land gehen.

Am Ende stimmte der Gemeinderat den jetzt erforderlichen Maßnahmen für die Grundsicherung des Wasserschlosses und den Brandschutz zu.

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