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Riesiger Bedarf an Fahrrädern in der Ukraine

Ausgediente Drahtesel und Weiteres für Menschen in der Kriegsregion: Der Spielberger Ulrich Hirsch und der Oberriexinger Thorsten Kisser starten eine Aktion.

  • Fahrräder werden in der Ukraine gerade besonders benötigt.  Foto: Hirsch

    Fahrräder werden in der Ukraine gerade besonders benötigt. Foto: Hirsch

Spielberg/Oberriexingen (p). Jede und jeder kann Menschen in der Ukraine helfen. Ob mit einem ausgedienten Fahrrad, Spritgeld für Hilfstransporte oder gespendeten Kilometern beim Stadtradeln. Ulrich Hirsch und Thorsten Kisser wollen das gerne mit Menschen vor Ort ausprobieren.

„Das Fahrrad fährt – auch wenn sonst alles stillsteht“. Mit dieser einfachen und nüchternen Feststellung begründet der unermüdliche Partner des Württembergischen Gustav-Adolf-Werkes (GAW) in der Ukraine, Pfarrer Péter Szeghljanik, den riesigen Bedarf an Fahrrädern in der Ukraine. „Seit dem Ausbruch des großen Krieges in der Ukraine werden Fahrräder noch mehr gebraucht als je zuvor. Der öffentliche Verkehr bleibt bei Luftalarm stehen und die Menschen müssen die Fahrzeuge verlassen …“, berichtete der Leiter der Hilfsaktion in der Ukraine Anfang Mai dem Spielberger GAW-Projektleiter Ulrich Hirsch. „Das Fahrrad ist das praktische Transportmittel und oft das einzige, das den Menschen bleibt.“ Und das sogar um Saatkartoffeln und vieles andere zu transportieren, wie Fotos aus der Ukraine demonstrieren. Ein weiterer Grund für den großen Bedarf an Zweirädern ist die Möglichkeit, Fahrradfreizeiten und Touren für Kinder und Teenager zu organisieren. In der Zeit des Krieges sei das Fahrrad, so Péter Szeghljanik, die einzige Möglichkeit, Begegnungen zu arrangieren, Besuche zu machen, Lasten zu transportieren, aber auch Entfernungen zu überwinden, um zur Arbeit, zur Schule oder zu Verwandten zu gelangen. Weil der Sprit für viele unerschwinglich teuer ist, sind viele Menschen in der Ukraine jetzt existentiell auf das Fahrrad als Hilfe zur Kommunikation und zum sozialen Leben dringend angewiesen.

Seit April ruft das GAW dazu auf, im eigenen Keller nach übrig gebliebenen, aber funktionsfähigen Fahrrädern Ausschau zu halten. So konnte das Sachsenheimer GAW-Helferteam bereits mehr als 50 Fahrräder aus dem Raum Bietigheim, Sachsenheim und Vaihingen mit auf den Weg nach Transkarpatien schicken. Da noch sehr viel mehr Fahrräder dringend gebraucht werden, ist der Sachsenheimer Projektleiter Ulrich Hirsch froh und dankbar über viele Angebote von gespendeten Fahrrädern in allen Varianten und Ausführungen. Gerne können sie gebraucht und älteren Datums sein. Nur, so Hirsch, müssen sie funktionsfähig und fahrtüchtig sein. „Schrott liefern wir nicht zu den Partnern“ unterstreicht der Diakon i.R. aus Sachsenheim.

Er ist erfreut über die bislang schon erstaunliche Resonanz in Herrenberg, Birkenfeld, Sachsenheim, Öhringen und Vaihingen, die in der Regel beim Sachsenheim Sammeldepot für die Hilfstransporte eintreffen und bis zum nächsten Transport zwischengelagert werden.

Unter dem Motto „GAW-Stadtradeln für Menschen in der Ukraine“ unterstützt Aufbruch-Quartier die GAW-Fahrradaktion. Aufbruch-Quartier ist eine bunte Projektgruppe des Diakonischen Werkes und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie fördert Kontaktflächen zwischen Kirche, Diakonie und Nachbarschaft. Der Oberriexinger Pfarrer Thorsten Kisser ist Projektreferent bei Aufbruch-Quartier. Er fährt gerne Fahrrad und freut sich schon auf die Aktion Stadtradeln in vielen Kommunen. Daraus entstand die Idee, dass Menschen bei sich vor Ort gemeinsame Stadtradel-Gruppen bilden und ihre Kilometer an das GAW spenden. Das geht ohne Formulare und Bürokratie, baut auf der Idee von Stadtradeln auf und lebt von Vertrauen.

Stadtradeln ist eine Kampagne des Netzwerks Klima-Bündnis. Ziel ist, in einem vorgegebenen Zeitraum als Gruppe oder Einzelner möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen, um die individuellen und kommunalen CO2-Emissionen zu senken. Stadtradel-Aktionszeitraum im Landkreis Ludwigsburg ist vom 1. Juli bis 21. Juli. Viele Kommunen nehmen daran teil und bieten Vernetzung über die Stadtradel-App an. GAW-Stadtradeln für Menschen in der Ukraine baut auf diesem Konzept auf und versucht es mit Kilometer-Sponsoring zu verknüpfen.

Wer neugierig ist und Interesse hat, meldet sich bei Pfarrer Thorsten Kisser. Gemeinsam wird dann eine konkrete Idee für die eigene Nachbarschaft entwickelt. Die Teilnahme an der Aktion Stadtradeln ist nicht zwingend nötig. Bereits bestehende Stadtradel-Gruppen können ihre Kilometer ideell spenden. Dahinter steht die Hoffnung, dass die GAW-Fahrradaktion vor Ort bekannter wird und so weitere Fahrräder in die Ukraine kommen. Gleichzeitig erleben Menschen vor Ort, wie leicht sie helfen können. Ein Hilfstransport kostet rund 5000 Euro. Ein Wunsch ist, dass sich lokale Sponsoren finden, die pro geradelten Kilometer Spritgeld für die Hilfstransporte spenden. In der eigenen Nachbarschaft könnte so etwas entstehen. Thorsten Kisser will das gerne mit Menschen vor Ort ausprobieren.

Die Abholung der Fahrräder, Hintergrundinfos zur Fahrradsammlung und Hilfstransporten koordiniert GAW-Projektleiter Ulrich Hirsch: Telefon 01 51 / 18 81 61 26, und E-Mail hirschulrich@gmx.de Die Nachbarschaftsvernetzung, Projektentwicklung und Sponsorensuche unterstützt AufbruchQuartier-Projektreferent Thorsten Kisser: Telefon 0 70 42 / 97 83 26 und E-Mail Thorsten.Kisser@ELKW.de Sprit-Geld-Spenden für die Hilfstransporte sind über das GAW-Spendenkonto möglich: Gustav-Adolf-Werk Württemberg, Evangelische Bank eG, IBAN: DE92 5206 0410 0003 6944 37, Stichwort: Transporte/Hirsch.

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