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Jubiläum soll Illingen ein Jahr begleiten

Arbeitskreis bereitet Festprogramm zum 1250. Geburtstag der Kommune vor – Debatte um Budget

Einen runden Geburtstag feiert man meist besonders. Die Gemeinde Illingen wird 2016 stolze 1250 Jahre alt. „Es gibt kaum eine Gemeinde, die älter ist als wir“, sagt Bürgermeister Harald Eiberger. Also will man das Jubiläum gebührend begehen. Bereits im Februar hat sich ein Arbeitskreis (AK) zusammengefunden und in mehreren Sitzungen ein schon recht differenziertes Programm ausgearbeitet: Anstatt eines einzelnen Festes könnte es demnach etwa zwölf verschiedene Veranstaltungen geben, die die Kommune durch das Jahr begleiten.

Am Mittwochabend haben die Gemeinderäte Klaus Kluge als Vorsitzender des AK Jubiläum, sein Stellvertreter Winfried Scheuermann und weitere Arbeitskreismitglieder dem Illinger Gemeinderat den bisherigen Stand der Planung erläutert. Zum Diskussionspunkt wurden dabei vor allem die Kosten des umfangreichen Geburtstagsprogramms. Wie viel Geld die Kommune in diese Festlichkeiten investiert, muss laut Verwaltung bereits jetzt grob festgelegt werden, damit der Arbeitskreis weiter verbindlich planen kann und die Mittel in den jeweiligen Haushaltsjahren bereitgestellt werden können.

Geplant sind unter anderem ein Festakt, eine Fotoschau und Musicalaufführungen

Geplant sind bislang eine Auftaktveranstaltung Anfang 2016 mit Ausschnitten der kommenden Programmpunkte, ein offizieller Festakt im März, drei Vorstellungen eines Musicals im Frühjahr, ein Filmabend im April, im Juni dann eine Foto- beziehungsweise Kunstausstellung und ein Kleinkunstabend, im selben Monat soll auch das Dorf- und Kelterfest ins Jubiläumsprogramm einbezogen werden. Ebenfalls im Sommer ist „Rock am Bach“ vorgesehen und im Juli eine Veranstaltung der Illinger Sportvereine. Weitergehen könnte es im September mit einer großen Vereinsveranstaltung samt Präsentation der Einrichtungen der Kommune. Noch offen ist der Termin für einen Geschichtsabend oder -nachmittag. Für November ist ein Konzert lokaler Chöre vorgesehen, die das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn aufführen wollen. Das Geburtstagsjahr endet mit einer Abschlussveranstaltung.

Die Details klingen spannend: So ist für den besagten Filmabend der aus Illingen stammende Drehbuchautor Jochen Bitzer, der 2013 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, angefragt, einen Dokumentarfilm zu präsentieren (Kosten 4000 Euro). Das Musical wollen Schüler nach der Buchvorlage „Der Schulmeister von Illingen“ auf die Beine stellen. Die Vorbereitungen laufen Kluge zufolge schon: Ein Skript, einen Regisseur und einen Theaterleiter habe man bereits – „alles namhafte Leute“. Der AK rechnet mit 350 zahlenden Gästen pro Vorstellung.

Auf wenig Gegenliebe stieß im Gemeinderat dagegen die Idee aus dem Arbeitskreis, anstatt eines herkömmlichen Festzugs einen „stehenden Umzug“ zu veranstalten. Dabei würden die teilnehmenden Gruppen an festen Plätzen zum Beispiel Szenen aus der Illinger Historie darstellen und Interessierte könnten sich dies im Vorbeiflanieren ansehen, hieß es aus dem AK. „Das klingt wie eine Messe“, befand Andreas Scheuermann (CDU). „Als einer der ältesten Orte hier wäre ein traditioneller Umzug angebracht.“ Fraktionskollege Andreas Weigel pflichtete bei.

Die Gesamtkosten für das Jahresfestprogramm hatte der AK Jubiläum zunächst mit 260 500 Euro angeben, abzüglich geschätzter Einnahmen von 19 000 Euro bliebe ein Zuschussbedarf der Kommune von 241 500 Euro. Abgedeckt würden damit nicht nur die Veranstaltungen, sondern auch eine Festschrift für 30 000 Euro, Kosten für ein Logo, einen Fotowettbewerb, Werbung und auch ein bleibendes Kunstwerk, das später an einem öffentlichen Platz in der Kommune an das Jubiläum erinnert.

Für Letzteres hat der Arbeitskreis erst einmal 100 000 Euro veranschlagt, wohl wissend, dass es ob dieser Höhe Proteste geben würde, so Vorsitzender Kluge. Der Betrag sei vom Winnender Künstler Martin Kirstein genannt worden, der auch den Brunnen in Schützingen gestaltete und bei dem sich AK-Mitglieder für das Vorhaben informierten. Weitere Kunstwerke habe sich der Arbeitskreis in Bietigheim-Bissingen und im Nachlass des Illinger Künstlers Wilhelm Hager angesehen. Der AK sei ursprünglich von 60 000 Euro ausgegangen, für die er persönlich auch plädieren würde, so Kluge.

„Die Idee dazu kam aus der Verwaltung, weil nach der 1200-Jahr-Feier nichts Bleibendes geblieben ist“, warb Eiberger für die Anschaffung eines Jubiläumskunstwerks. Das hielt auch Grünen-Fraktionsvorsitzender Peter Pförsich für wichtig, „aber 100 000 Euro sind zu viel“, sagte er. Im Namen seiner Fraktion machte er den Vorschlag, die Summe mit dem Jubiläum zu verknüpfen: Pro Jahr des Bestehens von Illingen könne man zum Beispiel 50 Euro investieren. Das mache bei 1250 Jahren eine Summe von 62 500 Euro für das Kunstwerk.

„Ich bin als Erstes erschrocken über die Menge der Veranstaltungen – und dann über das Geld“, sagte CDU-Fraktionschef Eric Schach. Wie Pförsich lobte er das Programm des AK, es sei „klasse und ambitioniert“, allerdings schlage seine Fraktion vor, die Kosten des Jubiläumsprogramms bei 200 000 Euro zu deckeln. Sollten die Einnahmen nicht kommen wie vermutet, wollen man den Arbeitskreis trotzdem nicht im Regen stehenlassen, ergänzte Schach. Zudem solle der Arbeitskreis die Anzahl der Programmpunkte noch einmal überdenken.

Die UBL schloss sich dem Vorschlag der Kostendeckelung an. „Ausgaben in Höhe von 200 000 Euro sind für uns so eine Obergrenze. Mit dem Geld kann man was anfangen“, wandte Fraktionsvorsitzende Ingeborg Beller ein. „Der Arbeitskreis bleibt trotzdem flexibel in dem, was er tun kann.“

Arbeitskreismitglied erinnert: „Wir machen hier ein Jubiläum für die Gemeinde Illingen“

Gegen eine Deckelung der Gesamtkosten und stattdessen für die Einigung auf einen Saldo plädierte Schultes Eiberger. Schließlich könne man den Arbeitskreis nicht privatwirtschaftlich an die Kandare nehmen, wenn die Einnahmen nicht in erwarteter Höhe flössen. In der etwas zähen Debatte zur Höhe des Budgets und zur Frage, was in welcher Höhe von der Kommune bezuschusst werden sollte (Ausgaben oder Gesamtkosten) erinnerte ein AK-Mitglied denn auch daran: „Wir machen hier ein Jubiläum für die Gemeinde Illingen.“

Das Gremium entschied sich schließlich einstimmig für ein Ausgabenbudget von 200 000 Euro – „und was an Einnahmen kommt, nehmen wir“, so Eiberger. Der Arbeitskreis wird ermächtigt, das Programm an das Volumen anzupassen und soll sich bei Änderungen – etwa wenn das Kunstwerk teurer würde – rechtzeitig an den Rat wenden.

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