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Für die Vereine bleibt die Küche vorerst kalt
Mit der Einführung der Gemeinschaftsschule in Illingen können die Abteilungen des örtlichen Sportvereins die Küche in der Stromberg-Sporthalle nicht mehr für die Verpflegung ihrer Besucher bei Veranstaltungen nutzen. Grund: Der Caterer Apetito benötigt die Küche für die Schülerverpflegung und hält den Bereich aus Hygienegründen unter Verschluss. Jetzt darf der SVI im Schiedsrichterraum kochen und spülen.
Am vergangenen Wochenende veranstaltete die Badmintonabteilung des SV Illingen das 2. Jugend-Regionalranglistenturnier Nord-Württemberg mit rund 120 Teilnehmern. Zu ihnen gesellten sich noch zahlreiche Betreuer, Eltern und weitere Besucher. Da ein solches Turnier den gesamten Tag über dauert, bekommen Sportler und Besucher irgendwann Hunger. „Die wollen dann etwas Warmes zu essen“, berichtet Ralf Speidel, Kassierer und Jugendwart der Badmintonabteilung. Bislang habe man die Verköstigung immer aus der Küche heraus betrieben, die im Foyer des Zuschauerbereichs untergebracht ist. Doch das ist nun nicht mehr möglich. Die Verwaltung hat dem Sportverein mitgeteilt, dass die Küche zumindest für ein Jahr nicht mehr zugänglich ist.
Also hat sich die Badmintonabteilung ein mobiles Kochfeld besorgt und die Besucher über den Tisch mit Maultaschen und Saitenwürstchen bewirtet. „Speisen, die man anbietet, wenn man sich keine Arbeit machen will“, klagt Speidel. Doch mehr sei einfach nicht drin gewesen. Und weil es keine Spülgelegenheit mehr gibt, habe man das Essen in Plastikgeschirr ausgegeben. Auch die Getränke samt Kaffee mussten in Plastikbechern ausgeschenkt werden. „Das kostet uns Geld und verursacht doppelt so viel Müll wie sonst“, macht Ralf Speidel deutlich. Diese Art der Außendarstellung bei den anderen Vereinen, die aus dem ganzen Land kamen, sei „unterirdisch“ gewesen.
Wenig Begeisterung über diese Situation herrscht auch bei Hubert Scheuermann, Leiter der Abteilung Fußball im SVI. „Wenn es so bleibt, wie es ist, müssen wir zum Hallenspieltag des WFV am 7. Dezember einen Verkaufsstand aufbauen. Das bedeutet für uns einen höheren Aufwand“, sagt Scheuermann. Er hoffe auf weitere Gespräche – auch der Gemeinderäte – mit der Verwaltung. Die derzeitige Situation sei „nicht der Weisheit letzter Schluss“.
SVI-Vorsitzender Edgar Mantai war überrascht, dass der Verein sehr kurzfristig von der Verwaltung darüber informiert wurde, dass die Küche nicht mehr zugänglich ist. Davon seien neben der Badmintonabteilung in besonderem Maße die Handballer aber unter anderem auch die Abteilungen Fußball, Turnen sowie die Jedermänner betroffen. „Wir können nicht spülen und müssen Plastikgeschirr verwenden. Und sollen wir uns das Wasser jetzt in der Toilette holen?“, fragt sich Mantai. Statt für den Caterer Apetito hätte man sich ja auch für das Seniorenheim St. Clara als Anbieter für das Schulessen entscheiden können. Den Gemeinderäten sei bei ihrer Entscheidung für Apetito nie bewusst gewesen, dass dieser künftig die Küche der Stromberghalle komplett für sich beanspruchen würde.
Sven Holz, Hauptamtsleiter der Gemeindeverwaltung Illingen, klärt auf: „Mit dem Anbieter Apetito lässt sich das Essen je nach Bedarf garen.“ Das habe den Vorteil, dass nicht alle rund 80 Kinder, die derzeit im Rahmen der Ganztagsschule in Illingen verpflegt werden, auf einmal zum Essen gehen müssen. Dies sei schon aus Gründen der Platzkapazität nicht möglich. Vielmehr kommen die Kinder in Schichten und bekommen dann bei Erscheinen ihr Essen erhitzt. Dies geschehe mit einem Dampfgarer, für dessen Unterbringung die Küche in der Stromberg-Sporthalle habe umgebaut werden müssen. So sei es zum Beispiel nötig gewesen, die Fritteuse zu entfernen. Laut Vertrag stünde Apetito für die Hygiene und die Funktion der Geräte in Gewährleistung. Damit erkläre sich, weshalb die Küche für Dritte nicht zugänglich ist.
Nach der kurzfristigen Zusage für die Einführung einer Gemeinschaftsschule in Illingen, sei der Bau einer Mensa so schnell nicht möglich gewesen. „Schließlich müssen dafür die entsprechenden Mittel auch im Haushalt eingestellt sein“, sagt Sven Holz. Er hoffe, dass es mit dem Segen des Gemeinderats zum Schuljahr 2015/2016 eine Lösung gebe. Die Veranstaltung der Badmintonabteilung des SVI am vergangenen Wochenende sei ein Probelauf gewesen.
Bei einer Besprechung am Dienstagabend zwischen Verwaltung und Vereinen ist es nach Auskunft von Rainer Scheible vom Hauptamt der Gemeinde Illingen zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen. Demnach dürfen die Vereine – vornehmlich die SVI-Abteilungen Badminton, Handball und Fußball – für ein Übergangsjahr den Schiedsrichterraum zum Kochen und Spülen verwenden. Dort wird neben einem Kühlschrank auch eine Spüle aufgestellt. Zum Kochen kann das Kochfeld verwendet werden, das die Badmintonabteilung angeschafft hat. Die Bewirtung findet wie gewohnt im Foyer der Halle statt.

