Eberdingen

Romane für Mädchen, Sachbücher für Jungs

Die drei Eberdinger Büchereien feiern ihre Jubiläen mit einem charmanten Kabarettabend – Einrichtungen bleiben gefragt

  • Das Kabarettistenduo Vladislava und Christof Altmann ist nicht nur wortgewandt, sondern auch stimmgewaltig. Am Samstag unterhielten sie in Eberdingen zum Büchereijubiläum. Foto: Rieger

    Das Kabarettistenduo Vladislava und Christof Altmann ist nicht nur wortgewandt, sondern auch stimmgewaltig. Am Samstag unterhielten sie in Eberdingen zum Büchereijubiläum. Foto: Rieger

Trotz multimedialer Ablenkung durch
Internet, Fernsehen und Co., trotz Smartphones, Tablets und Computern: Das gedruckte Buch ist noch lange nicht abgeschrieben. Auch in die Büchereien der Gemeinde Eberdingen lockt es seit 20 beziehungsweise 25 Jahren eine Vielzahl von Lesewütigen. Ihre Jubiläen haben die drei Einrichtungen am Samstag mit viel Humor gefeiert.

Im Ortsteil Eberdingen kamen Buchfans zuerst zum Zuge: Mit der Reaktivierung des dortigen Rathauses ist 1989 „auch der Bücherei neues Leben eingehaucht“ worden, berichtet Peter Schäfer, Bürgermeister der Dreiergemeinde. Fünf Jahre später folgten Ausleihen auch in den anderen beiden Teilorten. In Nussdorf zog die Bücherei in das Alte Schulhaus; in Hochdorf wurde sie in der Schillerschule eingerichtet. Und so feiern die drei Einrichtungen nun ihr 25-jähriges Bestehen (Eberdingen) beziehungsweise ihr 20. Jubiläum (Hochdorf und Nussdorf).

Das Angebot für Literaturbegeisterte ist nach wie vor beachtlich: Insgesamt haben die drei Büchereien fast 30 000 Medien im Bestand. „Und was wir nicht haben, das können wir ihnen sicher besorgen über die Kreisergänzungsbücherei“, wirbt Schäfer am Samstagabend in der Eberdinger Gemeindehalle, wo die Jubiläen mit einem charmanten Kabarettprogramm gefeiert wurden. Ausleihen kann man nicht nur Romane, Sach- und Kinderbücher, sondern auch DVDs, Spiele, Hörbücher und zahlreiche Zeitschriften.

Allein in Hochdorf 16 000 Ausleihvorgänge pro Jahr

Das mit Abstand umfangreichste mediale Angebot aller drei Einrichtungen hat die Hochdorfer Bücherei mit immerhin 12 300 Medieneinheiten. Von Beginn ist Inge Tanch dort Leiterin – im Übrigen ist auch ihre Eberdinger Kollegin Meta Reinhold seit Beginn an dabei und in Nussdorf leitet Renate Hasselgruber seit mehr als zehn Jahren die Ausleihe. „Allein in Hochdorf haben wir jedes Jahr 16 000 Ausleihvorgänge, wobei wir – wie Nussdorf – einmal pro Woche auch zusätzlich nur für die Schule öffnen“, so Tanch.

Dass mit den wachsenden medialen Möglichkeiten im Internet, per Smartphone oder Tablet-Computer das Interesse am Buch deutlich sinken würde, hat sie bisher nicht viel gespürt. Durch die Anbindung an die Schulen gehörten auch zahlreiche Kinder zu den Büchereibesuchern. „Die lesen immer noch viel. In beiden Schulen achten die Lehrer sehr darauf, jede Klasse kommt alle zwei Wochen. Aber auch außerhalb der Schule ist das so“, hat Tanch festgestellt. „Und die Mädchen greifen immer noch mehr zu Romanen, die Jungen zu Sachbüchern, da ist ein bisschen weniger Text drin“, sagt die Büchereileiterin schmunzelnd.

Doch so beliebt das gedruckte Buch weiterhin sein mag, auch die Eberdinger Büchereien müssen mit der Zeit gehen. „Wir arbeiten auch an einer Schnittstelle für E-Books“, so der Bürgermeister. Und Inge Tanch bestätigt, dass sich immer wieder Interessierte meldeten und nicht nur junge Leser auf die elektronische Buchvariante umsteigen. Dem im Landkreis Ludwigsburg bereits existierenden Büchereiverbund, der eine eigene Onlinebibliothek betreibt, hoffe man, beitreten zu können. Das letzte Wort habe aber der Gemeinderat.

Am Samstag lag das Augenmerk jedoch zunächst auf dem Jubiläum und dem besonderen Kabarettabend, den die Büchereimitarbeiterinnen dafür organisiert hatten. Eingeladen war ein Künstler, der in Eberdingen kein Unbekannter ist. Christof Altmann gastiert seit etwa 15 Jahren immer wieder in der Gemeinde, bestreitet jährlich im Herbst eine Büchereiveranstaltung für Kinder und hat schon zum zehnjährigen Bestehen 2004 für Unterhaltung gesorgt.

Am Samstagabend brachten Altmann und seine Frau Vladislava mit ihrem schwäbisch-amüsanten, teils musikalischen Programm „Ein Leberkäs em Sonndichshääs“ das Publikum schnell auf ihre Seite. Mit Bedacht hatten sich die beiden Kabarettisten und Musiker auf ihren besonderen Auftritt vorbereitet. Altmann berichtete eilig von seiner Beziehung zur Gemeinde Eberdingen – einige seiner Vorfahren lebten in Hochdorf – und bezog sie auch des Öfteren in seine humorigen Texte ein. „Warum Hochdorf so heißt, weißt Du auch erst, wenn Du mal in Eberdingen unten warst“, witzelt er.

Immer wieder werden auch Bücher zum Thema und das Büchereijubiläum charmant mit dem Programm verbunden: Mal liest Vladislava ein Gedicht aus ihrer tschechischen Heimat vor, mal zitiert Christof aus einem Poem von Ludwig Uhland.

Bei den Altmanns geht es vor allem aber um die glühende, echte und die abgekühlte Liebe – etwa die Leidenschaft des Semsakrebsler für eine holde Maid, die jedoch einen anderen hatte und damit für beständig sauren Wein an dem Rebstock sorgte.

Es geht aber auch, wie sollte es anders sein, um den Schwaben und seine Eigenheiten: Zunächst mal gibt es laut Liedtitel natürlich „Überall Schwoba“ – und zwar nicht nur auf der Alb, im Schwarzwald oder im Strudelbachtal. Auch im irischen Dublin am Fahrkartenschalter bekommt Altmann sein Ticket von einem Landsmann. Und bei der Amerika-Tournee traf Christof jüngst in Portland in einer deutschen Kneipe prompt eine frühere Nachbarin.

Als Christof Altmann dann zu einer weitschweifigen Erklärung ansetzt und seine Frau sich sorgt, dass es den Zuhörern dabei zu langweilig und das Programm insgesamt zu lang wird, beruhigt sie ihr Mann: „Das sind Schwaben. Die haben bezahlt, die bleiben bis zum Ende sitzen.“

Nicht zuletzt klingt immer wieder auch die schwäbische Kulinarik an, wie in der tragikomischen Ballade vom Leberkäs, der im Sonndichshääs in der Daimler-Schees nach Stuttgart fährt. Dort flaniert er die Königstraße nauf und nonder und bandelt sogar mit einer Leberkäsin an. Doch ein Imbissbudenbesitzer macht der frischen Liebe ein jähes Ende, packt unsanft den Leberkäs – und „rohe Hände tun ihn stecken in einen Leberkäsewecken“.

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