Eberdingen
Knapp 100 000 Euro für Sicherheit im Keltenmuseum
Hochdorf (cmr). Im Keltenmuseum in Hochdorf rücken bald die Handwerker an. Das Keltenhaus im Außenbereich bekommt ein neues Dach und im Museum gilt es, den Brandschutz zu erhöhen. Der Ausstellungsbetrieb soll dadurch aber kaum beeinträchtigt werden. Die Einrichtung bleibt geöffnet.
Dr. Simone Stork liegt das Hochdorfer Keltenmuseum am Herzen. „Wir sind Teil der ersten Liga“, sagt die Museumsleiterin stolz und verweist auf die zweisprachigen Infotafeln. „Unsere Besucher kommen nicht nur hier aus der Gegend. Erst heute Morgen war eine polnische Gruppe hier“, berichtet sie gestern im Gespräch mit der VKZ.
Der historische Aspekt ist aber nicht der einzige Punkt, der Stork wichtig ist. Auch das Gebäude sowie die ein- und ausgehenden Mitarbeiter und Besucher hat sie im Blick. Als es schließlich darum ging, das Gebäude brandschutztechnisch aufzurüsten (die VKZ hat berichtet), war es für sie eine Selbstverständlichkeit, zusammen mit der Kommune eine Lösung zu finden, die sowohl der Museumsdidaktik als auch dem Sicherheitsaspekt gerecht wird.
Zum Hintergrund: Die Gemeinde Eberdingen hat seine öffentlichen Gebäuden unter die Brandschutzlupe genommen. Beim Keltenmuseum zeigten sich dabei „gravierende Schwachpunkte (...), die einer dringenden Änderung bedürfen“, heißt es in einer Vorlage zur Gemeinderatssitzung vom März dieses Jahres. Im Juli hat das Gremium die Vergabe der dafür notwendigen Elektro- sowie Glaser- und Metallbauarbeiten beschlossen.
Zu den Schutzmaßnahmen im Keltenmuseum zählt eine Brandschutztür auf dem Weg ins Untergeschoss. Hierfür muss ein Teil der Wand oberhalb der hinabführenden Rampe zur Grabkammer durchbrochen werden. Die Kosten hierfür schätzt Schäfer auf 15 000 Euro. Aktuell sind an dieser Stelle drei Glasbalken zu sehen. Die Atmosphäre, die durch das dort nur schwach hereinfallende Licht entsteht, soll beibehalten bleiben. Die Brandschutztür wird daher auch solche transparente Abschnitte haben.
Eine weitere Maßnahme ist die Installation einer Brandmeldeanlage. Ob mit Kabel oder via Funk muss die Verwaltung noch mit der Versicherung klären. Die Kosten sollen sich auf circa 10 000 Euro belaufen.
Neue Türen, sogenannte T30-Türen, gibt es auch für den Technikraum und die Lüftungszentrale. „Diese müssen 30 Minuten lang Feuer standhalten können“, erläutert Schäfer. Hinzu kommen „viele Dinge im Detail“, beispielsweise Lamellenfenster. Im Falle eines Feuers werden sie geöffnet, sodass Rauch entweichen kann.
Über die Notwendigkeit der Brandschutzmaßnahmen sei man sich im Eberdinger Gemeinderat einig gewesen. Schäfer: „Auch wenn einige Elemente teuer sind, gab es keine Diskussion darüber. Denn der Brandschutz ist keine Kür, sondern eine Pflicht.“ Insgesamt rechne man damit, mit „unter 100 000 Euro klarzukommen“.
Die Arbeiten sollen im November beginnen. „Wenn alles glatt läuft, werden wir auch im November fertig. Aber dazu muss wirklich alles nach Plan laufen“, sagt Stork. Die Öffnungszeiten sollen von den Maßnahmen nicht beziehungsweise kaum beeinträchtigt werden. „Wir versuchen die Arbeiten in die Schließzeiten zu legen“, sagt die Leiterin. Sollte es dennoch mal nötig sein, das Museum während der regulären Öffnungszeiten zu schließen, wird dies auf der Internetseite bekanntgegeben.
Die Sonderausstellung, die normalerweise im Winterhalbjahr stattfindet, wird allerdings verschoben. „Sie beginnt nun im Januar und läuft dann bis Juli“, informiert Stork.
Weitere Handwerksarbeiten stehen in der Hochdorfer Einrichtung im Außenbereich bevor. Hier braucht das Keltenhaus ein neues Dach. Im Glauben an eine möglichst historisch-getreue Nachempfindung wurde 2003 auf dem Haus eine Bedeckung aus langem Roggenstroh angebracht. Dieses ist nun aber so verschlissen, dass an mehreren Stellen Wasser eindringt. Eine Reparatur sei nicht möglich: „Man muss sich vorstellen, man nimmt ein Bündel Stroh, bindet es fest und baut daraus das Dach. Wenn nun aber aus einem Bündel einzelne Strohteile fallen, lassen sich diese nicht einfach wieder reinschieben“, verdeutlicht Stork.
Die Berliner Firma Weichert soll es nun richten. Bürgermeister Schäfer ist zuversichtlich, dass das neue Dach länger hält. „Das sind Spezialisten“, sagt der Rathauschef. Als Material wird Reet verwendet, das zur Zeit der Kelten wohl auch hätte benutzt werden können. „Wir waren damals nicht dabei. Wir müssen uns also an historischer Bautechnik orientieren. Die Dächer müssen aber aus etwas Organischem gemacht worden sein“, erklärt Stork, die eigens dafür mit einem Archäobiologen gesprochen hat.
Die Kosten für die neue Bedeckung sollen bei rund 44 500 Euro liegen. Das noch bestehenden Dach werden Mitarbeiter des Eberdinger Bauhofs abbauen. Das spart rund 4000 Euro.
Für das Reetdach gewährt die Berliner Firma – bei regelmäßiger Wartung – eine Mindesthaltbarkeit von 30 Jahren.

