SportVfB

Wer kommt, wer bleibt, wer geht?

Leo Sauer ist quasi im Anflug auf Stuttgart, Dzenan Pejcinovic soll ihm folgen. Doch beim kickenden VfB-Personal wird sich auch sonst noch einiges tun. Ein Überblick.

Stuttgart - Wenn der VfB an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) nach den gewonnenen Spielen bei der TSG Balingen (7:0) und dem FSV Hollenbach (5:0) in der dritten Testpartie der Vorbereitung auf dem Bieberer Berg beim Regionalligisten Kickers Offenbach antritt, dann hat das Stuttgarter Aufgebot nur in Teilen mit dem zu tun, das im Saisonverlauf in Liga, Pokal und Champions League die Siege einfahren soll. Denn es ist noch jede Menge Bewegung im VfB-Kader.

Dabei gelten grundsätzlich die drei Vorgaben des VfB-Vorstandschefs Alexander Wehrle. Der 51-Jährige hatte zunächst erklärt, der Kader müsse deutlich verschlankt werden – und nicht mehr mit 34 Profis im XXL-Format daher kommen wie aktuell. Außerdem gilt: „Grundsätzlich ist bei uns kein Spieler unverkäuflich“ – das hat Wehrle noch einmal verdeutlicht. Zudem soll ein Überschuss auf dem Transfermarkt erwirtschaftet werden. Was aber tut sich in den einzelnen Mannschaftsteilen? Ein Überblick:

Das Tor „Es ist eine schwierige Situation, vor der wir nicht die Augen verschließen können. Daher ziehen wir alle Optionen in Betracht, eine davon ist der Transfermarkt“, sagt der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach der Verletzung der Nummer eins Dennis Seimen, der mindestens bis Ende September ausfällt. Klar ist: Der VfB sucht aktuell einen erfahrenen Keeper mit internationaler Erfahrung, der sofort einspringen kann. Gibt es keinen Transfer – als Kandidaten werden unter anderem Stefan Ortega (einst Manchester City) und Örjan Nyland (ehemals FC Sevilla) gehandelt – , wird die Nummer zwei Fabian Bredlow zu Saisonbeginn das Tor hüten. Doch die oberste Priorität liegt auf der Verpflichtung eines neuen Keepers. „Wir haben ähnliche Lagen bereits gut gemeistert“, sagt Wohlgemuth.

Die Abwehr Zehn Profis führt der VfB derzeit auf der Spielerliste in der Defensive – das ist zu viel. Für Leonidas Stergiou und Ameen Al-Dakhil, der möglichst verliehen werden soll, sind die Perspektiven am schlechtesten. Ein Überangebot gibt es an Innenverteidigern, wo Luca Jaquez und Dan-Axel Zagadou bleiben werden. Derweil umschwirren den Abwehrchef Jeff Chabot, 28, auf der Suche nach einem letzten großen Vertrag latente Abwanderungsgedanken. In Italien bestehe ein Markt für den Ex-Kölner, heißt es – doch bisher gibt es nichts Konkretes.

Während bei Ramon Hendriks, der vom Gehalt her gerne in die Top 5 aufgestiegen wäre, die Gespräche zur Anhebung seiner Bezüge erstmal vertagt sind, gilt Finn Jeltsch als der begehrteste Kandidat unter den zentralen Abwehrspielern beim VfB. So wird bereits kolportiert, der U-21-Nationalspieler stünde beim FC Bayern München mindestens auf der Perspektivliste. Andere Quellen glauben zu wissen, der Rekordmeister sei schon bei dem Berater von Jeltsch vorstellig geworden. Klar ist: Unverkäuflich ist auch Jeltsch nicht. Allerdings wäre hier ein Betrag zu bezahlen, der deutlich über dem aktuellen Marktwert des Ex-Nürnbergers von 35 Millionen Euro liegt.

Links hinten ist weiter Maximilian Mittelstädt gesetzt. Doch nicht zuletzt der Test in Hollenbach, wo Josha Vagnoman quasi fachfremd links verteidigte, hat gezeigt, dass die Stuttgarter noch eine Alternative benötigen. Der Portugiese Flavio Nazinho, den der VfB im Auge hatte, ist inzwischen zur AS Monaco gewechselt. Optimal aufgestellt ist man rechts hinten nicht: Hier fällt Lorenz Assignon nach einer Schulter-OP noch länger aus – während so alle Hoffnungen bislang auf Josha Vagnoman ruhen. Vielleicht ist der junge Österreicher Christopher Olivier vom VfB II hier eine Alternative.

Das Mittelfeld Hier wird es noch viel Bewegung geben. Neben Neuzugang Grischa Prömel werden auch Chema und Nikolas Nartey nach seiner Vertragsverlängerung weiter für den VfB auflaufen. Chris Führich bekommt derweil auf links mit dem 20-jährigen Leo Sauer von Feyenoord Rotterdam Konkurrenz, der dicht vor einem Wechsel zum VfB steht. Auf rechts soll Lazar Jovanovic an einen deutschsprachigen Club verliehen werden, um auch seine kulturelle Integration zu fördern.

Hinter allen anderen Spielern stehen noch kleinere bis größere Fragezeichen. Klar ist, dass Angelo Stiller gerade bei Trainer Sebastian Hoeneß höchste Wertschätzung genießt – und daher nur bei einem Spitzenangebot jenseits der 60-Millionen-Euro-Marke abgegeben werden würde. Dieses zeichnet sich bisher aber nicht ab. Schwierig ist die Lage bei Atakan Karazor, der sich große Verdienste um den VfB erworben hat, sich aber sportlich enormer Konkurrenz erwehren muss. Allein die Verpflichtung von Grischa Prömel zeigt, dass man den Kapitän bei einem passenden Angebot abgeben würde. Der Top-Tipp auf einen Verkauf in dieser Sommerperiode ist im Mittelfeld allerdings Bilal El Khannouss.

Als Startelfspieler beim WM-Viertelfinalisten Marokko hat El Khannouss einen großen Markt, womit sich für ihn eine deutlich größere Ablösesumme erzielen ließe als die rund 20 Millionen Euro, die er den VfB gekostet hat. Sportlich wäre der trickreiche Nordafrikaner ein herber Verlust. Doch wenn der Preis stimmt, würde der VfB dies womöglich in Kauf nehmen.

Derweil stehen bei dem auch von RB Salzburg umworbenen Jungtalent Mirza Catovic aufgrund der Konkurrenz im defensiven Mittelfeld die Zeichen auf Abschied, während sich auch Laurin Ulrich trotz eines guten Jahres bei Zweitligist 1. FC Magdeburg schwer tun dürfte, einen Kaderplatz zu erobern.

Der Sturm Deniz Undav hat verlängert, Ermedin Demirovic soll bleiben und der Wolfsburger Dzenan Pejcinovic soll kommen – das sind die ersten Signale, die der VfB in seiner Offensive aussendet. Während Justin Diehl erneut verletzt ist, soll Jovan Milosevic wohl entweder erneut verliehen oder verkauft werden.

Derweil ist auch der Rechtsaußen Jamie Leweling wie El Khannouss einer der gefragten VfB-Profis und hätte bereits in der Winterpause in die englische Premier League zum AFC Bournemouth gehen können, der dem Vernehmen nach 40 Millionen Euro geboten hatte. Zieht es Leweling diesmal auf die Insel? Klar ist: Gleich mehrere dicke Fische der Kategorie Leweling, Jeltsch oder El Khannouss wird der VfB in einer Transferperiode nicht verkaufen.

Während vieles für einen Verbleib von Tiago Tomas spricht, sind da noch die beiden Sorgenkinder im Sturm: Zunächst der Franzose Badredine Bouanani, der sich in Stuttgart durchbeißen will – und soll. Derweil wird für den Winterneuzugang Jeremy Arevalo, von dem bisher auf der großen Bühne in Stuttgart wenig bis nichts zu sehen war, wohl ein Leihgeschäft eingefädelt. Verbunden mit der Hoffnung, dass der mit einem langfristigen Vertrag bis 2031 ausgestattete Ecuadorianer zeitnah den Durchbruch schafft.

Datenschutz-Einstellungen