Stuttgart - Mehr als eine Stunde musste er ausharren. Doch als Jamie Leweling in der 64. Spielminute in die Partie gegen den neuen Tabellenführer aus Dortmund kam, da war das immer noch früh genug, um dem Auftritt des VfB eine komplett neue Facette zu verleihen. Denn der von Bundestrainer Jürgen Klopp diesmal nicht berücksichtigte WM-Fahrer Leweling ging auf dem linken Flügel auch mal mutig ins Eins-gegen-Eins – und setzte sich dabei mehrfach durch. Zu einem Assist oder gar dem Ausgleich nach dem letzten Endes goldenen Tor für den BVB durch Maximilan Beier (70.) reichte es aber auch für Leweling nicht. Also verlor der VfB mit 0:1.
Da hatte der Trainer Hoeneß bei Abpfiff nun sämtliche Offensivtrümpfe gezogen, hatte von Ermedin Demirovic über Deniz Undav und Bilal El Khannouss über Chris Führich, Leo Sauer und Dzenan Pejcinovic bis hin zu Leweling alles auf den Platz gebracht, was im VfB-Angriff Rang und Namen hat. Doch geholfen hat es alles nichts. Weil es nicht nur im Eins-gegen-Eins hakte.
Der VfB spielte nicht schlecht – aber wie bei der TSG Hoffenheim (1:2) eben nicht gut genug. „Wir sehen Ansätze, aber über die Ansätze kommen wir noch nicht oft genug hinaus“, sagte Hoeneß, dessen Team nicht komplett enttäuschte, aber: „Gegen ein Top-Team wie Dortmund brauchst du auch eine absolute Top-Leistung“, ergänzte der Chefcoach: „Okay und ordentlich spielen, das reicht halt nicht.“ Am Ende gab es wieder keine Punkte. „Das tut weh.“
So stand auch vorne die Null beim VfB, der diesmal offensiv wie ein zahnloser Tiger daher kam. Das ist man von der Mannschaft eigentlich nicht gewohnt. „Wir haben im letzten Drittel häufig die falschen Entscheidungen getroffen“, resümierte Hoeneß: „Daher sind die Dinge noch nicht wie gewünscht zusammen gekommen.“ War es in Hoffenheim die Defensive, die sich bei den langen Kontern der TSG zu offen präsentierte, so drückte diesmal also vorne der Schuh.
Unterm Strich präsentiert sich der VfB in dieser Bundesligarunde daher bislang wie ein Team, dass nicht richtig in den Flow kommt. Weil die Abläufe einfach noch nicht stimmen. Mal hinten, wie in Sinsheim, dann vorne, wie gegen Dortmund. Dass man bereits gegen drei Teams aus den Top fünf der Vorsaison gespielt hat, und zweimal davon auswärts, will Sebastian Hoeneß dabei nur bedingt als Ausrede für den verpatzten Saisonstart gelten lassen. „Das Programm war knackig. Aber es war möglich, mehr zu holen als die drei Punkte nach vier Spielen. Wir müssen daher bei uns ansetzen.“
Ganz sicher wird auch die Rolle des weiter glücklosen Kapitäns Deniz Undav einer der Schwerpunkte der Analyse sein. „Ich habe das Gefühl, dass ich zu weit hinten bin. Ich bin kaum vorne und wenn ich vorne bin, kommen die Bälle nicht“, meckerte der Stürmer, der nach 25 Toren und 14 Vorlagen in der vergangenen Spielzeit weiter bei null Saisontoren steht. „Wenn ich 20 Chancen hätte in den Spielen, würde ich sagen: ‚Chancentod‘“, machte Undav nach seiner Auswechslung seinem Unmut Luft. „Aber ich bin gar nicht so richtig in die Situationen eingebunden.“ Trainer Hoeneß sagte zur Kritik Undavs nur: „Ich weiß nicht, ob er zu weit weg vom Tor ist. Das muss ich mir noch mal anschauen.“ Klar ist schon jetzt: Es besteht auch Redebedarf.
Zeit zum verbalen Austausch und zum Formaufbau haben der Trainer und jene Spieler, die wie Angelo Stiller, Leweling und Undav nicht zu den Nationalteams berufen worden sind, reichlich. Schließlich dauert die erste Länderspielpause dieser Saison erstmals drei Wochen an. Erst am 10. Oktober geht es daher in der Bundesliga mit dem Auswärtsspiel bei Aufsteiger SC Paderborn weiter. Danach wird es turbulent: Bis zum nächsten Länderspielblock im November warten vier englische Wochen hintereinander.
„Nach vier Spieltagen ist das nicht die Tabellensituation, die wir uns erhofft haben. Die Situation werden wir ernst nehmen, aber nicht dramatisieren“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zur aktuellen Lage: „Aufregung bringt uns keine Punkte. Wir müssen jetzt die Dinge ansprechen – unsere Kräfte bündeln. Die Mannschaft besitzt absolut die Qualität, um in der Tabelle nach oben zu klettern.“ Doch mit nur drei Zählern ist schon jetzt Druck auf dem Stuttgarter Kessel. „Wir müssen uns steigern. Es sind eindeutig zu wenige Punkte“, ist nicht nur der Innenverteidiger Jeff Chabot unzufrieden, der gegen den ausgewechselten BVB-Torjäger Serhou Guirassy ein starkes Spiel machte.
Hoeneß gönnt dem VfB-Tross derweil keine Pause: Nach dem Auslaufen an diesem Sonntag hat die Mannschaft nur einen Tag frei, ehe es am Dienstag mit dem Training weiter geht. An diesem Freitag (16.30 Uhr) steht dann ein Testspiel in Weinstadt im Remstal gegen den 1. FC Heidenheim an. Am Donnerstag, 1. Oktober (17.30 Uhr) folgt eine weitere Testpartie in Großaspach gegen die SpVgg Greuther Fürth. Nicht nur Deniz Undav erhält dann die Chance, weiter an der Form zu feilen.
