Die Bahn sollte aus Sicht des Verkehrsclubs Deutschland bei ihren sogenannten Generalsanierungen Vollsperrungen vermeiden – besonders im Sinne von Pendlern. „Vollsperrungen dürfen nur das letzte Mittel sein“, teilte der VCD mit. „Nur bestimmte Arbeiten erfordern eine Vollsperrung. Wenn diese Arbeiten am Anfang und Ende der Sanierung konzentriert werden, genügen jeweils relativ kurze Vollsperrungen.“
Die Bahn versucht seit dem zweiten Halbjahr 2024, mit den Generalsanierungen die rund 40 wichtigsten Strecken des maroden Netzes grundlegend auf Vordermann zu bringen. Das Konzept sah ursprünglich mehrere Monate Vollsperrung pro Sanierung vor. In dieser Zeit sollte möglichst viel repariert und saniert werden, damit auf den Strecken danach deutlich weniger Störungen auftreten. Bis Mitte der 2030er Jahre sollen alle ausgewählten Strecken abgearbeitet sein.
Bahn hat Überarbeitung des Konzepts schon angekündigt
An dem Konzept gibt es inzwischen einige Kritik, unter anderem, weil die Bahn bei den ersten Sanierungen weniger umgesetzt hat als zunächst versprochen. Das gilt zum Beispiel für das digitale Leitsystem ETCS, das nun in der Regel erst mit Verspätung auf die Strecken kommt. Zudem gab es zuletzt Verzögerungen bei den Bauarbeiten und dadurch längere Sperrphasen bei einzelnen Generalsanierungen. Die Bahn hat angekündigt, das Konzept zu überarbeiten.
Der Vorschlag des VCD würde für die Bahn eine Kehrtwende bedeuten. Er sieht vor allem Sanierungen bei eingleisigen Sperrungen vor. Solche Sanierungen unter „rollendem Rad“ wollte die Bahn mit ihren Plänen verhindern, um im Gegenzug mehr Bauvolumen in derselben Zeit zu erreichen. Ein paar Monate mit Vollsperrungen in Kauf nehmen für mehrere Jahre ohne Baustellen - so das Motto des Konzerns.
„Mit modernen Maschinen kann ein Gleis mitsamt Untergrund komplett saniert werden, während im zweiten Gleis die Züge fahren“, schreibt der VCD. Die Geschwindigkeit müsse an den entsprechenden Stellen lediglich reduziert werden. Grundsätzlich hält der VCD die Korridorsanierungen für „bitter nötig“.
VCD stört sich vor allem am langsamen Ersatzverkehr
Aktuell setzt die Bahn bei Generalsanierungen mit Vollsperrungen umfangreichen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein – die Fahrzeiten werden dadurch für viele Pendler sehr viel länger als gewöhnlich. „Schienenersatzverkehr für den Nahverkehr mit Bussen
darf nicht dauerhaft über Entfernungen von 50 Kilometern oder gar über 100 Kilometern über den gesamten Sanierungszeitraum erforderlich sein“, meint der VCD. „Stundenlange Busfahrten für eine Strecke, die der Nahverkehrszug
sonst in weit weniger als der Hälfte der Zeit zurücklegt, sind für die Fahrgäste unzumutbar – insbesondere, wenn dieses Provisorium über Monate andauert.“

