Baden-Württemberg

Top-Attraktion Tupolev – die Sinsheimer Sowjet-Legende wird restauriert

Wolfgang Fuchs ist darauf spezialisiert, Kirchenbauten einzurüsten. Bei seinem neuesten Spezialauftrag hat es der Mann aus Hohenlohe aber mit einer Überschallmaschine zu tun.

  • Die Tupolev auf dem Dach des Sinsheimer Technikmuseums wird eingerüstet.Foto: privat

    Die Tupolev auf dem Dach des Sinsheimer Technikmuseums wird eingerüstet.Foto: privat

Sie sind seit mehr als zwei Jahrzehnten die Top-Attraktionen des Technik-Museums in Sinsheim: die beiden Überschallflugzeuge Concorde F-BVFB und Tupolev Tu-144. Jetzt muss die Tupolev restauriert werden. Doch ein Besuch lohnt sich trotzdem – oder sogar jetzt erst recht. Denn um die Maschine aus sowjetischer Produktion äußerlich wieder aufzufrischen, musste eine beeindruckende Gerüstkonstruktion auf das Dach des Technikmuseums gesetzt werden.

Experte für solche schwierigen Fälle ist Wolfgang Fuchs. Der 69-Jährige aus Bühlertann im Hohenloher Land hat schon viele Baustellen mit seinen Gerüsten ausgestattet. Meist sind es besonders herausfordernde Bauten. „Ich habe schon 700 Kirchen eingerüstet“, sagt Fuchs. Zuletzt war er mit seinen Mitarbeitern am Kirchturm der Jesuitenkirche in Heidelberg zugange. Auch die Stadtkirche in Schorndorf und das ehemalige Benediktinerkloster Comburg in Schwäbisch Hall steht in seinen Auftragsbüchern.

Bis November soll alles fertig sein

Während Standardgerüste häufig am Gebäude verankert werden können, musste das Gerüst für die Tupolev freistehend konstruiert werden. Insgesamt 94 Tonnen Gerüstmaterial schleppten die Gerüstbauer auf das Hallendach – viel Arbeit für fünf Mann. Die Konstruktion bestehe aus 13.267 Einzelteilen, sagt Fuchs. Die wenigsten davon sind von der Stange. Man habe 172 verschiedenen Gerüstteilformen verbaut. Dabei musste auch ein eigener Fußgängertunnel angelegt werden, damit die Besucher auch während der Arbeiten einen ungehinderten Zugang zur Concorde und dem ebenfalls auf dem Hallendach abgestellten U-Boot haben.

Die Überschallmaschine werde gereinigt, abgeschliffen und neu lackiert, sagt Matthias Stiller, der Betriebsleiter des Technikmuseums. Sie werde originalgetreu wieder hergestellt mit der CCCP-Kennung aus sowjetischer Zeit. „Wir müssen witterungsbedingt bis zum November fertig sein“, sagt Stiller. Derweil wird die Tupolev im Inneren weiterhin für Besucher zugänglich sein.

Tupolev hatte die Nase vorn

Die Tupolev war die erste Überschallmaschine der Welt. Am 31. Dezember 1968 startete sie zu ihrem Erstflug, schneller als der Schall flog sie erstmals am 5. Juni 1969. Damit hatte sie bei beiden Erstleistungen ihre charakteristische Nase leicht vorn. Die französische Concorde folgte wenige Monate später. Im Liniendienst der Aeroflot wurde die Tupolev aber nur kurz, von 1977 bis 1978, eingesetzt. Die Kosten waren schlicht zu hoch.

Auf das Dach des Sinsheimer Museums kam die Maschine mit den deltaförmigen Tragflächen erst viel später. Eine erste Anfrage nach Moskau gab es schon Anfang der 1990er Jahre, blieb aber unbeantwortet. Umso größer sei die Überraschung gewesen, als zehn Jahre später der technische Konstruktionschef von Tupolev, Alexandr L. Pukhov, mit einer Delegation vorstellig geworden sei und erklärt habe, dass bei noch bestehendem Interesse eine Maschine im Werk zur Verfügung stünde.

Die letzte Reise des Supervogels

Hermann Layher, der heutige Museumspräsident, machte den russischen Partnern daraufhin ein Angebot, das den Transport von russischer Seite bis Mannheim beinhaltete und sofort angenommen wurde. „Und so ging die Tupolev Tu-144 auf ihre letzte Reise“, heißt es in den Annalen des Museums, wo das Flugzeug in Startposition auf drei Stahlstützen steht. Die Überführung des einstigen Supervogels geschah übrigens nicht durch die Luft, sondern per Schiff.

Nach 25 Jahren in Sinsheim sei es nun höchste Zeit, die Tupolev wieder in einen optimalen Zustand zu versetzen, sagt Stiller. Die Concorde, die zwei Jahre später, im Jahr 2003, hinzukam, werde zu einem späteren Zeitpunkt restauriert. Auch dann dürfte wohl wieder Fuchs mit seiner Firma zum Zuge kommen.

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