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Ein Urlaub mit Freunden in Kroatien. Das war eigentlich der Plan. Doch für den 20-jährigen Tim Bosch begann die Reise schon lange vor der Ankunft. Statt bequem ins Auto zu steigen, setzte er sich auf das alte Rennrad seiner Mutter und fuhr die gesamte Strecke selbst. Am Donnerstag vor den Pfingstferien startete er um 3 Uhr morgens. Nach 885 Kilometern, 9 660 Höhenmetern und einer Fahrzeit von insgesamt 44 Stunden erreichte er sein Ziel nach drei Tagen und sieben Stunden.
Wie bist du auf die Idee gekommen, diese Tour zu machen?
Eigentlich wollten wir mit einer Gruppe von Freunden gemeinsam Urlaub in Kroatien machen. Irgendwann habe ich in unsere WhatsApp-Gruppe geschrieben, ob ich auch mit dem Fahrrad runterfahren dürfte. Die anderen dachten erst, ich mache Witze. Ich habe es dann aber tatsächlich durchgezogen.
Was war der schönste Moment auf der Strecke?
Es gab viele schöne Momente. Am ersten Tag war ich schon stolz, überhaupt die 255 Kilometer bis nach Österreich geschafft zu haben, weil ich vorher noch nie mehr als 50 oder 60 Kilometer am Stück gefahren war. Besonders beeindruckend war aber die Fahrt über den Brenner nach Italien. Die Landschaft dort ist einfach wunderschön. Ein weiteres Highlight war, dass ich etwa 150 Kilometer lang gemeinsam mit einem anderen Radfahrer gefahren bin. Wir hatten uns beide zufällig verfahren und sind dadurch ins Gespräch gekommen. Das war ein richtig schöner Zufall.
Was war die größte Herausforderung für dich?
Vor der Tour waren es vor allem die vielen offenen Fragen. Schaffe ich die Strecke überhaupt? Reicht das Essen? Haben die Läden am Sonntag geöffnet? Wie lange werde ich unterwegs sein? Während der Fahrt waren vor allem die vielen Höhenmeter in Österreich bei großer Hitze extrem anstrengend. Da musste ich teilweise alle paar Hundert Meter anhalten. Körperlich hatte ich zwar zwischendurch Schmerzen im Bein, aber mental waren eher diese Unsicherheiten und Tiefpunkte die größte Herausforderung.
Hast du unterwegs etwas über dich selbst gerlernt?
Ich habe gemerkt, wie stark mein Durchhaltevermögen eigentlich ist. Selbst als ich morgens auf über 1 300 Metern Höhe frierend aufgewacht bin und nur noch ein paar Gummibärchen zum Frühstück hatte, wusste ich, dass es weitergeht. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich Herausforderungen brauche. Nach der Ankunft hatte ich fast schon einen kleinen Entzug, weil plötzlich das große Ziel weg war. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich meine eigene Leistung oft gar nicht richtig wertschätze, was ich selber schade finde
Was motiviert dich, so lange Strecken zu fahren?
Ich sehe auf Social Media immer wieder Leute, die solche Touren machen. Irgendwann denkt man sich dann, das möchte ich auch ausprobieren. Es war die perfekte Gelegenheit. Mein Fahrrad wäre sowieso wieder mit nach Hause genommen worden. Also dachte ich mir: Warum nicht? Mich reizt es einfach herauszufinden, was der Körper und der Kopf leisten können.
Was war das Lustigste, das auf der Tour passiert ist?
Eigentlich wollte ich die gesamten 885 Kilometer schaffen, ohne einmal mit dem Rad zu stürzen, beziehungsweise umzufallen. Am dritten Tag dachte ich noch, dass das klappt. Und genau an diesem letzten Tag bin ich auf dem Parkplatz eines Supermarkts nicht rechtzeitig aus dem Klickpedal gekommen und einfach umgekippt. Rückblickend ist das schon ziemlich witzig.
Welchen Snack hättest du auf keinen Fall missen wollen?
Ganz klar Wasser, ich weiß das ist kein Snack, aber ich habe während der Tour ungefähr 25 Liter getrunken. Außerdem waren Gummibärchen und Müsliriegel meine ständigen Begleiter. Die liefern schnell Energie und sorgen zwischendurch auch einfach für gute Laune. Eine warme Mahlzeit habe ich unterwegs übrigens kein einziges Mal gegessen.
Wer hat mehr gelitten: du oder dein Fahrrad?
Wahrscheinlich wir beide. Das Fahrrad ist ein schon über 30 Jahre altes Pinarello und hatte bereits mehrere Alpenüberquerungen hinter sich. Vieles an meiner Ausrüstung war ausgeliehen. Sogar die Schuhe waren eigentlich die meines Bruders. Kurz vor dem Ziel brach an einem Schuh ein Teil ab, sodass das Klickpedal nicht mehr richtig funktionierte. Trotzdem haben wir beide durchgehalten.
Würdest du die Tour noch einmal machen?
Auf jeden Fall. Aber noch länger. Während der Fahrt gab es zwar einige schwierige Momente, aber im Nachhinein bleiben vor allem die schönen Erinnerungen. Deshalb würde ich mir sogar eine noch größere Herausforderung suchen.
Beschreibe die Tour in drei Wörtern.
Selbstfindung. Herausforderung. Spaß.
Auf unserer Instagramseite youngenz2024 gibt es ein Reel zur Tour.
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