Angesichts der Temperaturen wäre ein Besuch des preisgekrönt sanierten Bad Berg ein gutes Ziel für den diesjährigen Tag der Architektur am 27. Juni gewesen, doch das wird derzeit repariert, da während einer Wartungsarbeit die Technik zerstört wurde. Dafür können die Besucher bei den von der Architektenkammer Baden-Württemberg organisierten Besichtigungstouren prüfen, welche Gebäude der Hitze trotzen und zugleich erfahren, wie gelungene Zweifamilienhäuser, Tiny Houses, Mehrfamilienhäuser, Wohntürme entstehen.
„ Gute Architektur ist kein Zufallsprodukt“, sagt Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW). Lebensumfelder für Menschen zu gestalten, sei vielmehr „das Ergebnis fundierter Expertise und interdisziplinärer Zusammenarbeit im Bewusstsein der Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt.“
Einfach gut gebaute Häuser in Stuttgart
Aus nächster Nähe können Bürgerinnen und Bürger derlei geglückte Zusammenarbeiten betrachten. Mehr als 100 Bauherrschaften im Südwesten öffnen ihre Türen. Der Tag der Architektur 2026 steht unter dem Motto „einfach wohnen!“
Damit möchte die Architektenkammer Baden-Württemberg „die Aufmerksamkeit auf die vielen Möglichkeiten lenken, gute, funktionierende Gebäude auch ohne überbordenden Einsatz von Technik und Material zu realisieren."
Das Motto werde breit ausgelegt mit Betonung auf dem Wörtchen „einfach“. „Es ist zugleich ein Appell“, heißt es von Seiten der Kammer. „Denn die Zahl der unter reduzierten Standards und daher kostengünstiger realisierten Neubauten oder Umnutzungen ist durchaus ausbaufähig. Insofern stellt der Tag der Architektur auch einen Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung dar.“
Der Stuttgarter Asemwald wird doppelt besucht
Auch in Stuttgart sind Touren zu verschiedenen Projekten geplant. Die Kammergruppe Nord etwa steuert das Quartier „Rote Wand“ am Killesberg an und zeigt ein Projekt von heinemeyerbeck Architekten für eine Baugemeinschaft, die den Besuchern ihre Tür öffnet.
Die Kammergruppe Stuttgart-Filder zeigt, wie man früher schon in schneller Zeit sehr viele Wohnungen auf wenig Fläche realisiert hat und führt zu einem vertikalen Dorf von Otto Jäger Werner Müller Architekten, bekannt unter dem Namen Asemwald. Ebenfalls aus Beton, aber deutlich kleiner ist das leicht umbaubare und mehrfach preisgekrönte Zweifamilienhaus von Von M Architekten, das ebenfalls besucht wird. Es ist so konzipiert, dass man es ohne größere Maßnahmen in eine Wohngemeinschaft oder auch in ein Büro umbauen könne. Flexible Nutzbarkeit kann die Lebensdauer eines Gebäudes gehörig verlängern.
Preisgekröntes Doppelhaus im Stuttgarter Süden
Die Kammergruppe Süd zieht es ebenfalls in den Asemwald, aber auch zu einem anderen Projekt, bei dem in die Höhe gebaut wurde. Gemeint ist die Aufstockung eines Wohnhauses in der Olgastraße durch g2o Architekten. Das Hinterhofhaus war überdies zudem davor ein ehemaliges Bürobaus, es wurde also viel Wohnraum mitten in der Stadt geschaffen.
Modulbau ist auch ein Mittel, um bezahlbare Wohnungen zu schaffen, dazu vergleichsweise rasch. „Wohnen im Modul“ – die Konzeption stammt von der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) – ist eine Station auf der Route.
Plusenergie-Wohnquartier und alte Stuttgarter Siedlungen
Die Kammergruppe Ost zeigt ebenfalls Wohnbauten, die in großen Teilen in der Fabrik vorgefertigt wurden: Das Plusenergiequartier P18 von Werner Sobek für die SWSG in Bad Cannstatt.
Noch ein Bauprojekt der städtischen Bauherrin steht auf dem Programm: das jüngst fertig gestellte Wohnquartier am Stöckachplatz 1 in Stuttgart-Ost, entworfen von Harris + Kurrle Architekten. Mit den Architekten des Neubaus findet übrigens am Dienstag, 30. Juni um 18 Uhr in dem Quartier sich befindenden Stadtteilhaus eine Diskussion mit den Architekten und Jetter Landschaftsarchitekten (sie werden unter anderem den Vorplatz gestalten) statt. Im Gespräch soll insbesondere die Bürgerbeteiligung in den Fokus gerückt werden – welche Anregungen aus der Bürgerschaft umgesetzt werden konnten beispielsweise.
Schnittige Schule im Stuttgarter Westen
Besucht werden am Tag der Architektur im Osten der Stadt außerdem ältere Stuttgarter Siedlungen – die Rotenbergsiedlung und die Ostenau des Bau- und Wohnungsvereins Stuttgart sowie die Raitelsbergsiedlung der Stadt.
Die Kammergruppe Mitte/West wiederum macht einen Spaziergang zur schnittigen und mit der Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen“ bedachten Jugendverkehrsschule von asp Architekten, dem Tiny House von g2o Architekten auf dem Dach einer Kunstgalerie sowie zu zwei Mehrfamilienhäusern.
Informationen und Anmeldungen finden sich auf der Homepage der Architektenkammer: https://www.akbw.de/baukultur/tag-der-architektur/touren/stadt-stuttgart.
Weitere Fotos von zu besuchenden Bauten in der Bildergalerie.











