Stuttgart - Stuttgart ist die smarteste Großstadt Deutschlands – wenn es nach dem Smart-City-Index des Digitalverbands Bitkom geht. Dieser vergleicht, wie die 83 deutschen Großstädte bei der Digitalisierung abschneiden. Dabei kletterte Stuttgart im Vorjahresvergleich um zwei Plätze und verdrängte München vom Spitzenplatz. Auf Platz 3 folgt Hamburg. „Stuttgart liegt beim Smart-City-Index vorn, weil die Stadt Digitalisierung in aller Breite angeht und als einzige Großstadt in allen fünf Bereichen liefert: in der Verwaltung ebenso wie bei Mobilität, Energie und Umwelt, IT-Infrastruktur und Bildung“, sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bei der Vorstellung des Rankings.
Für das Ranking schlüsselte der Branchenverband die fünf Kategorien weiter auf. Für jede der Kategorien wurden bis zu neun weitere Indikatoren bewertet, die sich am Ende auf 174 Parameter auffächerten. Dazu zählen etwa die Digitalisierung von Schulen, Digitalkompetenzen, smartes Parken, intelligente Straßenbeleuchtungen und Ladeinfrastruktur. Andere Indikatoren sind etwa Breitband und Open-Data-Plattformen in der IT sowie Online-Terminvergabe und Serviceportale in der Verwaltung.
Den größten Fortschritt gibt es bei der Verwaltung
Die größten Fortschritte erzielte Stuttgart bei der Digitalisierung der Verwaltung: Hier kletterte die Landeshauptstadt im bundesweiten Vergleich um zwölf Positionen auf Platz 3. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Stuttgart von Platz 51 auf Platz 15 verbessert.
Zuvor standen die Verwaltung und vor allem die Dauer vieler Verfahren jahrelang teils massiv in der Kritik. Laut einer Umfrage der europäischen Statistikbehörde Eurostat war vor drei Jahren nur jeder zweite Befragte zufrieden mit der Dauer von Verwaltungsverfahren – sei es die Kfz-Zulassung oder die Baugenehmigung. Inzwischen können viele Bürgerinnen und Bürger im Alltag Erleichterungen spüren.
„Das liegt auch an einem engagierten Vorgehen der Verwaltung“, lobte Smart-City-Spezialist Sven Wagner. Stuttgart habe mittlerweile in allen Ämtern Künstliche Intelligenz im Einsatz und sei auch in den Bereichen IT und Sicherheit stark. Außerdem protokolliere KI jede Sitzung und Besprechung. „Das findet nicht in vielen Verwaltungen statt.“
Im Bereich Energie und Umwelt verbesserte sich Stuttgart im Vorjahresvergleich vom dritten auf den ersten Rang. Stuttgart habe digitales Energie-Monitoring in allen kommunalen Gebäuden im Einsatz, betonte Wagner. Hinzu komme ein sehr hoher Anteil an E-Mobilität, was die zugelassenen Fahrzeuge angehe.
Als einzige der 83 untersuchten Großstädte liegt Stuttgart in allen fünf untersuchten Kategorien unter den besten zehn: Neben Platz 1 bei Energie und Umwelt und Platz 3 bei der Verwaltung landet Stuttgart bei IT und Kommunikation auf Rang 6 (Vorjahr Rang 10), bei Gesellschaft und Bildung auf Rang 7 (Vorjahr Rang 15) und bei der Mobilität auf Platz 8 (Vorjahr Platz 9).
Bitkom-Präsident Wintergerst sieht Stuttgart als Beispiel für andere Großstädte: „Stuttgart hat sich so organisiert, dass die Digitalisierung für die Stadt nicht nur ein Projekt, sondern eine dauerhafte Aufgabe ist. Das ist eine Grundvoraussetzung, dass sich Städte programmatisch entwickeln können, während die Digitalisierung in anderen Städten ein Flickwerk bleibt.“
Während Stuttgart München von Platz 1 verdrängte, sieht es auf Ländersicht anders aus: Hier löste Bayern Baden-Württemberg als stärkstes Bundesland von der Spitzenposition ab.
Die meisten Städte im Südwesten rutschten ab
Außer dem Spitzenreiter Stuttgart und der Stadt Mannheim, die sich von Platz 24 auf Platz 19 verbesserte, wurden die baden-württembergischen Großstädte bei der Digitalisierung im Ranking weiter nach hinten gereicht: Heidelberg rutschte von Platz 10 auf Platz 13 ab, Ulm von Platz 11 auf Platz 14, Freiburg von Platz 13 auf Platz 16 und Karlsruhe von Platz 20 auf Platz 26. Heilbronn liegt jetzt auf Platz 53 (Vorjahr Platz 37), Reutlingen auf Platz 54 (Vorjahr Platz 50) und Pforzheim auf Platz 69 (Vorjahr Platz 59). Auch deshalb sprach sich Bitkom-Präsident Wintergerst für einen besseren Austausch von digitalen Erfolgsbeispielen zwischen den Städten aus: „Es gibt eine Vielzahl von hervorragenden Einzelanwendungen. Hier könnte man zusammenarbeiten und sich das Budget teilen.“

