Wirtschaft

Ritter Sport baut 70 Stellen ab

Nach vielen Jahren des Wachstums hat der Schokoladenhersteller Ritter Sport mit stark gestiegenen Kosten und schwindendem Absatz zu kämpfen. Deshalb zieht er die Reißleine.

  • In der Verwaltung am Stammsitz von Ritter Sport in Waldenbuch muss gespart werden.Foto: Ritter Sport

    In der Verwaltung am Stammsitz von Ritter Sport in Waldenbuch muss gespart werden.Foto: Ritter Sport

„In den letzten Jahren sind insbesondere die Preise für Kakao, Energie, Logistik und Verpackung deutlich gestiegen“, hatte CEO Andreas Ronken schon vor einigen Wochen zum Betriebsergebnis 2025 gesagt. Und: „Diese Kosteninflation wirkt sich zeitverzögert und mit voller Wucht auf das Ergebnis aus“. Das war im vergangenen Jahr negativ, obwohl der Umsatz des Schokoladenherstellers auf die Rekordhöhe von rund 712 Millionen Euro geklettert war. Wie negativ, bezifferte das Familienunternehmen nicht, doch die Entwicklung hat jetzt Konsequenzen.

Etwa 1000 Menschen arbeiten bei Ritter Sport in Waldenbuch, davon mehr als 600 in der Verwaltung. Bei diesen werden nun rund 70 Stellen abgebaut, berichtete am Donnerstag zuerst die „Lebensmittelzeitung“. Das bestätigt Firmensprecher Thomas Seeger: „Der Schritt fällt uns schwer, aber es geht nicht mehr anders. Wir wollen als Familienunternehmen handlungsfähig bleiben.“

Ritter Sport musste den Kakao noch teuer einkaufen

Zwar sind die Weltmarktpreise für Rohkakao inzwischen wieder deutlich gefallen, von Dezember 2024 bis zum Frühjahr 2025 hatten sie sich aber infolge von Missernten in Westafrika auf rund 12.000 Euro pro Tonne mehr als vervierfacht. „Da wir uns längerfristig eindecken, verarbeiten wir heute noch Schokolade, die wir zu höheren Preisen eingekauft haben“, gibt Seeger einen Einblick. Die Herkunft des Rohstoffes sei bei Ritter Sport nachvollziehbar und der Kakao sei zertifiziert. Wichtige Punkte, die auch Kosten nach sich ziehen. „Und wir haben ausschließlich Schokolade, da schlagen solche Entwicklungen voll durch“, sagt Seeger.

Dazu kommen die stark gestiegenen Energiekosten, die sich auch besonders bemerkbar machten, wenn etwa eine gefüllte Schokolade in den einzelnen Produktionsschritten dreimal erhitzt und dreimal gekühlt werden müsse. „Schokoladenproduktion ist eben ein Energiefresser“, so Seeger. Auch die Preise für die Verpackungen hätten ordentlich angezogen.

Die Kunden kaufen auch von Ritter Sport weniger Schokolade

Eben die Preiserhöhungen in vielen Lebensbereichen sind es auch, die bei der Kundschaft Kaufzurückhaltung ausgelöst hätten. Das einstige Luxusprodukt Schokolade lassen vielen Konsumentinnen und Konsumenten zuletzt offenbar öfter links liegen, weshalb auch der Absatz zurückgegangen sei. Den will Thomas Seeger nicht näher beziffern, aber klar sei: „Das alles zusammen setzt uns besonders zu.“

Ritter Sport bedient sich einer Transfergesellschaft, die die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufnimmt. Hier kann der Lohn bis zu einem Jahr weiterbezahlt werden, hier gibt es Weiterqualifizierung und Unterstützung bei der Jobsuche. „Wir wollen das so sozialverträglich wie möglich machen“, sagt Seeger, „aber wir müssen als Unternehmen handlungsfähig bleiben.“ Weltweit hat Ritter Sport etwa 1900 Beschäftigte.

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