Als letzter Landesverband in Deutschland will jetzt auch die AfD in Baden-Württemberg eine Jugendorganisation auf den Weg bringen. Der Gründungskongress des baden-württembergischen Ablegers der „Generation Deutschland“ (GD) sei am 14. Juni in Donzdorf geplant, bestätigte der AfD-Co-Vorsitzende Emil Sänze. In den vergangenen Monaten habe der Landtagswahlkampf Priorität genossen, sagte Sänze. Deshalb gehe man den Schritt erst jetzt. Bundesweit haben alle anderen GD-Verbände ihre Arbeit bereits aufgenommen, auch in Rheinland-Pfalz, wo ebenfalls im Frühjahr ein neuer Landtag gewählt worden war.
Die Neugründung ist nötig, nachdem sich die Vorgängerorganisation Junge Alternative(JA) im vergangenen Jahr selbst aufgelöst hatte. Sie kam damit ihrem Verbot zuvor, nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz den Verein zur „gesichert extremistischen Bestrebung“ erklärt hatte. Die Partei will die neue Jugendorganisation enger an sich binden, um bei Problemen bessere Durchgriffsmöglichkeiten zu haben. So müssen Angehörige der GD künftig ab dem Alter von 16 Jahren verpflichtend auch Mitglieder der AfD sein.
Ex-Funtionär will zurück an die Spitze
Allerdings spricht viel dafür, dass sich zwar die juristische Struktur ändert, nichts aber am Personal und der inhaltlichen Ausrichtung. In Baden-Württemberg zeigt sich dies unter anderem an der Kandidatur von Benjamin Götz für den Vorsitz des GD-Landesverbands. Der Mechatroniker aus Ilshofen fungierte bis zu ihrer Auflösung als Landessprecher der JA in Baden-Württemberg.
Nicht nur deshalb dürfte die AfD-Spitze den zweiten Kandidaten Chris Hegel bevorzugen. Der 25-Jährige von der Ostalb sitzt seit der jüngsten Landtagswahl im Landtag und ist von Beruf Polizist. Als Staatsbediensteter sei Hegel ein Garant für die rechtsstaatliche Ausrichtung der Jugendorganisation, sagte Sänze. „Ich stehe für einen Neuanfang“, sagte Hegel unserer Zeitung. Allerdings dürfte die Wahl wohl keine fundamentale ideologische Richtungsentscheidung bedeuten. Sowohl Götz als auch Hegel, Träger eines langen Vollbarts, distanzieren sich nicht vom radikalen, neurechten Kurs der Jugendorganisation.
Keine Berührungsängste zu Björn Höcke
Das gilt auch für die beiden Kandidaten für den Stellvertreterposten, den Esslinger Tim Demuth und Maximilian Gerner aus Reutlingen. Gerner, der inzwischen ebenfalls im Landtag sitzt, hatte im Wahlkampf den Thüringer Landeschef Björn Höcke zu einem Auftritt geholt, seinem einzigen im gesamten Wahlkampf. Denn eigentlich war der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier auf Distanz zu dem prominenten Partei-Rechtsaußen gegangen.
Demuth wiederum hatte seine Kandidatur mit einer Forderung nach Professionalisierung verbunden. Das heiße „keinesfalls eine Mäßigung in Wort und Schrift oder gar Denkverbote, sondern vielmehr Disziplinierung, also das Einhalten von Etikette“, hatte er auf einer Kachel im Internet formuliert.
Pforzheim als „gottlose Kanakenstadt“ beschimpft
Bei der Gründung des GD-Bundesverbandes Ende November in Gießen hatte sich der organisatorische Rückstand der Baden-Württemberger noch deutlich bemerkbar gemacht. Der designierte Vertreter des Südwestens, der 17-jährige Mio Trautner aus Heilbronn, verpasste den Einzug in den Bundesvorstand. Stattdessen wurde die AfD-Jungpolitikerin Julia Gehrckens gewählt. Die 26-Jährige stammt zwar aus Filderstadt, lebt aber mittlerweile in Niedersachsen.
Beim Gießener Gründungskongress hatte sie den Saal mit dem Satz hinter sich gebracht: „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder!“ Inzwischen steht sie wegen anderer Äußerungen allerdings auch innerparteilich unter Druck. Pforzheim hatte sie als „gottlose Kanaken-Stadt“ und Linke als „geisteskrank“ bezeichnet. Weiterhin soll sie die Behauptung bestätigt haben, die Banken in Amerika würden den Juden gehören – „das stimmt halt auch“. Inzwischen entschuldigte sie sich für diese Wortwahl.
Künftig werde man zumindest ein kooptiertes Mitglied im Bundesvorstand stellen, sagte Chris Hegel. Es bestehe ein Interesse daran, dass der große baden-württembergische Verband auch im Bund vertreten sei. Wie viele Mitglieder beitreten, könne er noch nicht sagen. Zur Gründungsversammlung erwarte er in der Donzdorfer Stadthalle 150 Leute. „Wir werden die Gründung und inhaltliche Ausrichtung der GD im Land aufmerksam verfolgen“, sagte ein Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz. In Nordrhein-Westfalen wurde die neue Jugendorganisation bereits als Verdachtsfall eingestuft.

