Einige Namen kursierten bereits in den vergangenen Wochen, doch einen Posten konnte CDU-Landeschef Manuel Hagel bis zu letzt geheim halten. Diese Ministerinnen und Minister der sollen am Mittwoch vom dann gewählten Ministerpräsidenten Cem Özdemir (Grüne) ihre Ernennungsurkunde erhalten. Die grünen Minister will Özdemir erst am Montag bekannt geben.
Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister Manuel Hagel
Die Landtagswahl hätte das Meisterstück des Politaufsteigers werden sollen. Hinter Manuel Hagel (38) liegt eine steile Karriere. Erst 2016 zog der in der Jungen Union gestählte Hagel in den Landtag ein, kurz darauf machte der damalige Parteichef Thomas Strobl (CDU), damals noch Landeschef, ihn zum Generalsekretär. Hagel arbeitete sich nach Lehrbuch, wenn auch mit Tempo, durch die politischen Ämter. 2021 verdrängte er seinen Parteifreund Wolfgang Reinhart vom Fraktionsvorsitz, 2023 machte Thomas Strobl Platz für Hagel an der Spitze der Landespartei – und den Weg frei für Hagels Spitzenkandidatur.
Doch der Durchmarsch, den die CDU im Wahlkampf geplant hatte, missglückte. Der komfortable Vorsprung, mit dem Hagel im Herbst gestartet war, wurde bis zum 8. März verspielt. Hört man sich bei der CDU um, lag das vor allem an einer „Schmutzkampagne“ der Grünen. Doch wahr ist auch, die Kampagne des CDU-Kandidaten zündete nicht. Hagel war schon in der bisherigen grün-schwarzen Koalition bemüht gewesen, keine Fehler zu machen und nicht aufzufallen. Wenn es darum ging, auf den Putz zu hauen, schickte er andere vor. Eine Strategie, die den Frieden in einer Koalition erhielt, aber im Wahlkampf nicht half. Spannend wird nun, wie der gelernte Bankbetriebswirt und Vater von drei Söhnen sich als Innenminister und Vize-Ministerpräsident neu erfindet.
Kultusminister Andreas Jung
Dass „der Andi“, wie der Südbadener in der Partei und in seinem Heimatort Konstanz nur heißt, vom Bund ins Land wechselt und die heiße Kartoffel Kultusministerium übernimmt, ist die größte Überraschung des CDU-Personaltableaus. Genau zu seinem 51. Geburtstag wird der wohl profilierteste Umwelt- und Energiepolitiker der CDU in Deutschland am kommenden Mittwoch seine Ernennungsurkunde vom neuen grünen Regierungschef Cem Özdemir erhalten und politische Neuland betreten. Die beiden kennen sich – wie überhaupt Jung, der auch auf grüner Seite für seine Kompetenz und seine Integrität geschätzt wird, wie gemacht scheint für eine grün-schwarze Koalition. Dass der Vater von zwei schulpflichtigen Kindern fachlich ohne Vorbelastung ins Kultusministerium kommt, ist ein Manko. Baden-Württemberg hat in Sachen Bildungsmisere viel aufzuarbeiten. Jung ist verbindlich und integer – die Aufgabe aber ist riesig. Wie sturmtauglich der Segler vom Bodensee ist, wird er im neuen Haus bald beweisen müssen.
Justizminister Moritz Oppelt
Wer ist Moritz Oppelt? Auf jeden Fall mal erneut frisch gebackener Vater – auf dem Parteitag am Samstag nahm der 37-Jährige Glückwünsche für die gerade geborene Tochter entgegen, das dritte Kind der Familie. Glückwünsche gab es natürlich auch für das neue Amt. Er wird, wie es schon seit längerem kursierte, das Justizministerium übernehmen. Dafür bringt er alle Voraussetzungen mit: Bachelor als Unternehmensjurist, danach beide juristische Staatsexamen, diverse juristische Leitungs- und Lehr-Stationen auch beim Land.
Bekannter geworden ist Oppelt aber als der 631. Bundestagsabgeordnete – der erste auf der Liste derer, die nach der Bundestagswahl 2025 trotz gewonnenem Wahlkreis (Rhein-Neckar) durch das neue Wahlrecht kein Bundestagsmandat bekamen. Oppelt ist erster Nachrücker der CDU für den Bundestag – sollte der Fall eintreten, wird er schwerlich das Justizministerium zugunsten des Bundestags verlassen. Parteiintern ist Oppelt, der stets verbindlich und zugewandt auftritt, ist zudem CDU-Bezirksvorsitzender von Nordbaden – und persönlich ein sehr enger Vertrauter von Manuel Hagel.
Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut
Schon einmal war Nicole Hoffmeister-Kraut für eine Überraschung gut. 2016 zog sie nicht nur als Novizin für die CDU in den Landtag ein. Der damalige CDU-Landeschef Thomas Strobl machte sie auch gleich zur Wirtschaftsministerin. Strobl, damals selbst neu in der Landespolitik, brauchte dringend eine Frau auf dem Personaltableau und setzte auf die heute 53-Jährige, deren Familie der Waagenhersteller Bizerba in Balingen gehört. Die Personalie stieß auf Widerstände in der CDU, doch Hoffmeister-Kraut, die Betriebswirtschaftslehre studiert hat und promoviert ist, blieb und erarbeitete sich einen guten Ruf bei Unternehmern und Verbänden.
Doch in der Landespolitik blieb ihr Standing fragil. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zog wichtige Themen wie die Strategiedialoge zur Autoindustrie an sich. 2021 – nach dem Untersuchungsausschuss um die Verwicklung des Wirtschaftsministeriums in die Einrichtung des Expo-Pavillons in Dubai, der das Land Millionen kostete, war ihre erneute Ernennung zur Wirtschaftsministerin alles andere als sicher. Dieses Mal holte Hoffmeister-Kraut kurz vor der Wahl noch viel größerer Ärger ein: im Dauerkonflikt um die Rückabwicklung der Rückzahlung von Corona-Hilfen, hatte sie auch keinen Rückhalt in den eigenen Reihen. Doch Hoffmeister-Kraut ist offenbar nicht klein zu kriegen. Manuel Hagel hat die Mutter von drei Kindern erneut auf seiner Kabinettsliste.
Agrarministerin Marion Gentges
Marion Gentges (54) war 2021 noch eine große Überraschung im Personaltableau. Nun war die Juristin gesetzt – doch ihre Verwendung kompliziert. Für das bisher von ihr geführte Justizministerium hatte CDU-Landeschef Manuel Hagel seinen Gefolgsmann Moritz Oppelt vorgesehen. Doch jemanden wie Gentges kann Hagel auch nicht einfach abservieren. Sie ist nicht nur eine Frau und stammt aus Südbaden – beides wichtige Proporz-Faktoren –, sondern an der CDU-Basis auch wohlgelitten.
Davon abgesehen hat sie ihre Sache zuletzt auch nicht ganz schlecht gemacht, wobei das Ansehen der früheren Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Justiz ausbaufähig ist. 2023 wollte die Ministerin gerichtlich eine CDU-nahe Richterin an der Spitze des Oberlandesgerichts Stuttgart durchsetzen – gegen einen top-vernetzten Mann mit FDP-Parteibuch. Eine klar politische Attacke der Exekutive auf die Richterselbstverwaltung, die schiefging. Gentges‘ Klage scheiterte, was ihrem Ansehen in der selbstbewussten Justiz schadete. Nun soll Gentges das Agrarressort übernehmen, das für den ländlichen Raum, Ernährung, Verbraucherschutz und nun auch noch „Heimat“ zuständig ist. Damit betritt sie Neuland bei einer nicht minder schwierigen Klientel. Gentges hat aber die nötige Ruhe, Sachlichkeit und Souveränität für das Ressort.
Verkehrsministerin Nicole Razavi
In den vergangenen Jahren hat Nicole Razavi das 2021 neu eingeführte Landes-Bauministerium aufgebaut, nun wechselt die 60-Jährige an die Spitze des Verkehrsressorts. Überhaupt ist Razavi so etwas wie die Allzweckwaffe der Südwest-CDU – und zwar durchaus mit Betonung auf Waffe. Ihre Verhandlungshärte, ihr an Sturheit grenzendes Durchsetzungsvermögen und ihr spröder Charme prägten die Koalitionsverhandlungen. Seit Jahren gehört die Göppingerin als eine von mehreren Vize-Landesvorsitzenden zur ersten Reihe der Südwest-CDU.
Ihr politisches Handwerk, und das merkt man auch, hat die studierte Lehrerin (Anglistik, Politik und Sport) bei Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus gelernt, dem sie diente, als er Staatssekretär, Umweltminister und Fraktionschef war. Mit ihrem Wechsel ins Verkehrsministerium, das seit 15 Jahren von Grünen-Urgestein Winfried Hermann geführt wurde, kehrt sie thematisch an ihre Wurzeln zurück. Als Landtagsabgeordnete wurde Razavi als Verkehrspolitikerin bekannt, stritt sich während der grün-roten Regierung wiederholt sehenswert mit Hermann über Stuttgart 21. Nun tritt sie sein politisches Erbe an. Da Herrmann eine klar politische Personalpolitik betrieben hat, ist das Ministerium von Grünen durchsetzt. Das dürfte für alle Seiten interessant werden.

