Kultur

Latino-Filmwelt zu Gast in Tübingen und Stuttgart

Die Filmwelt Lateinamerikas zu Gast im Südwesten: In diesem Jahr zeigt das CineLatino Filme etwa aus Uruguay, Chile, El Salvador, Mexiko und Kuba. Der Leiter verrät die Details.

  • Szene aus  „La hija cóndor“ – über die  junge Hebamme  Clara in den Anden, die mit ihrem Gesang   Frauen während der Geburt unterstützt. Doch sie träumt von einer Karriere als Folk-Musikerin weit weg von den Bergen.Foto: Cinelatino

    Szene aus „La hija cóndor“ – über die junge Hebamme Clara in den Anden, die mit ihrem Gesang Frauen während der Geburt unterstützt. Doch sie träumt von einer Karriere als Folk-Musikerin weit weg von den Bergen.Foto: Cinelatino

  • Szene aus „Todos los peces“,  von Brenda Vanegas, El Salvador, 2022Foto: Cinelatino

    Szene aus „Todos los peces“, von Brenda Vanegas, El Salvador, 2022Foto: Cinelatino

  • Szene aus „Suçuarana“, Spielfilm von Clarissa Campolina, Sérgio Borges, Brasilien 2024.Foto: Cinelatino

    Szene aus „Suçuarana“, Spielfilm von Clarissa Campolina, Sérgio Borges, Brasilien 2024.Foto: Cinelatino

  • Szene aus „Chicas tristes“ von Fernanda Tovar, Mexiko/Spanien/Frankreich 2026Foto: Cinelatino

    Szene aus „Chicas tristes“ von Fernanda Tovar, Mexiko/Spanien/Frankreich 2026Foto: Cinelatino

  • „Agárrame fuerte“ von Ana Guevara, Leticia Jorge, Uruguay 2024Foto: Cinelatino

    „Agárrame fuerte“ von Ana Guevara, Leticia Jorge, Uruguay 2024Foto: Cinelatino

  • Szene aus „Bosque arriba en la montaña“, ein Dokumentarfilm über das  indigene Volk der Mapuche  im Süden Argentiniens und den patagonischen Wald. Von Sofía Bordenave, Argentinien 2026Foto: Cinelatino

    Szene aus „Bosque arriba en la montaña“, ein Dokumentarfilm über das indigene Volk der Mapuche im Süden Argentiniens und den patagonischen Wald. Von Sofía Bordenave, Argentinien 2026Foto: Cinelatino

  • Szene aus „La reserva“, Spielfilm von Pablo Pérez Lombardini, Mexiko/Katar 2025Foto: Cinelatino

    Szene aus „La reserva“, Spielfilm von Pablo Pérez Lombardini, Mexiko/Katar 2025Foto: Cinelatino

Kaum jemandem dürfte der diesjährige Auftritt von Bad Bunny bei der Halbzeitshow des Super Bowl im Februar entgangen sein. Der Musiker aus Puerto Rico hat seine globale Bühne genutzt, um auf die kulturelle Vielfalt der spanischsprachigen Länder aufmerksam zu machen und für diese, ihre Würde, Sichtbarkeit und den Einfluss von Latinos in der ganzen Welt – auch den USA – einzutreten. Solche Stimmen sind auch heute noch nötig, das zeigen nicht nur die Sichtweise des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf Latinos, sondern auch die Situationen vor Ort, etwa wenn es um Wirtschaftsflucht, soziale Fragen, Kriminalität, den Umgang mit Indigenen oder das Thema Menschenrechte geht. Diese und weitere Aspekte nimmt das größte Filmfest für Lateinamerika in Deutschland ins Visier. Beim diesjährigen CineLatino in Tübingen (22.-29. April) sind Werke zum Beispiel aus El Salvador, Kuba, Chile und Mexiko zu sehen. Der Länderschwerpunkt ist in diesem Jahr Uruguay; der Eröffnungsfilm „La hija cóndor“ eine Produktion aus Uruguay, Bolivien und Peru.

Filme und Gespräche über Menschenrechte, Migration und Kultur Lateinamerikas

Gleichzeitig zum CineLatino läuft das CineEspañol, das Filme aus Spanien beleuchtet.

Paulo de Carvalho und María Vallecillos Soldado leiten das Festival gemeinsam, das noch in drei weiteren Städten im Südwesten stattfindet (Stuttgart, Freiburg, Reutlingen). Paulo de Carvalho weiß, was das Publikum dieses Jahr erwartet.

Was kann man beim diesjährigen CineLatino von Bad Bunny lernen?

Dass es nicht nur ein Amerika gibt, das geografisch im Norden liegt. Amerika ist größer als das und hat eine vielfältige Geschichte, eine sehr reiche Kultur mit verschiedenen Ethnien, Sprachen, Musikrichtungen, Literaturen und vielem mehr. Und dass andere Behauptungen reine Heuchelei und Populismus sind, wobei sich letztendlich zeigen wird, dass diese facettenreiche lateinamerikanische Präsenz auch in den USA Teil der amerikanischen Kultur und Gesellschaft ist.

In Ländern, in denen es schlecht um die Menschenrechte steht, sind häufig freie Film- und Kunstschaffende besonders unter Druck. Inwiefern können Filme gerade aus solchen Ländern dennoch einen Einblick in die Situation geben?

Es ist wichtig zu betonen, dass die Filmproduktion in diesen Ländern mit öffentlichen Mitteln finanziert wird. Wenn soziale und politische Themen kritisch behandelt werden, gibt es in der Regel Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Ist das System repressiver, kommt es zu einer gewissen Selbstzensur, da die Repressalien seitens der Regierung sehr aggressiv sind. Die Folge ist, dass viele dieser Filmemacher und Filmemacherinnen ihre Länder schließlich verlassen und versuchen, ihre Filme im Ausland zu produzieren und so ihre künstlerische Freiheit zu bewahren. Wie zum Beispiel „Todos los peces“ von Brenda Vanegas aus El Salvador oder „Adiós, Cuba“ von Rolando Díaz aus Kuba zeigen.

Wie kam es zum Länderschwerpunkt Uruguay?

Nachdem wir uns viele Jahre lang auf verschiedene lateinamerikanische Länder und Regionen Spaniens konzentriert hatten, fehlte bisher die Aufmerksamkeit für das uruguayische Kino. Dieses verfügt zwar über eine kleine, aber beständige Filmproduktion. Wir präsentieren eine kleine Auswahl an Filmen junger Regisseure und Regisseurinnen, darunter Spielfilme, Dokumentarfilme und Kurzfilme. Das Spektrum reicht von Drama über Thriller bis hin zur Komödie. Eine Gelegenheit, eine besondere Filmkunst zu entdecken, die in den deutschen Kinos kaum vertreten ist.

In Stuttgart scheint das Angebot eher geschrumpft als gewachsen zu sein. Maria Vallecillos Soldado hatte vor ein paar Jahren vom Plan der Erweiterung in Stuttgart gesprochen. Warum kam es anders?

Letztendlich entspricht das Festivalprogramm in Stuttgart fast genau dem der Vorjahre. Mit kleinen Änderungen. Die aktuelle Lage lässt größere Schritte nicht zu. Generell sind Kürzungen im Kulturbereich eine Tatsache und andere Ausgaben wie Filmmieten, Reisekosten und Hotelkosten sind gestiegen. Es ist an der Zeit, Qualität und Umfang beizubehalten, ohne die Kosten zu überschreiten.

Dennoch werden wieder internationale Gäste zum Festival erwartet. Mit wem kann man in diesem Jahr ins Gespräch kommen?

In diesem Jahr haben wir eine interessante und vielfältige Auswahl an Gästen, insbesondere was das Thema Menschenrechte betrifft. Zum Beispiel kommt der kubanische Regisseur Rolando Díaz, der sich in seinem Spielfilm „Adiós, Cuba“ unter anderem mit der kubanischen Diaspora in Spanien befasst – wo er derzeit lebt.

Ebenfalls in Spanien lebt die Regisseurin Brenda Vanegas, von der wir drei Filme („Antes la lluvia“, „Todos los peces“, „Altares“) zeigen. Da sie sich in ihren Werken kritisch mit der Vergangenheit El Salvadors und der aktuellen Menschenrechtslage in ihrem Land auseinandersetzt, muss sie ihren nächsten Film im Ausland drehen. Wir haben die Brüder Luis und Andrés Rodríguez zu Besuch, die einen Kurzfilm zum Thema des US-Angriffs auf Caracas präsentieren. Und den Regisseur Darío Aguirre, der sich in der Doku „Wir, die Wolfs“ mit der Vergangenheit seiner Familie auseinandersetzt, die zugleich Teil der deutschen Geschichte in Ecuador ist. Außerdem haben wir weitere Gäste aus Chile und Paraguay.

CineLatino besuchen

Stuttgart
23.-29.4., Delphi Kino, Start am 23.4. um 18:30 Uhr mit dem Spielfilm: „Agárrame fuerte“ aus Uruguay, der den unerwarteten Tod einer besten Freundin thematisiert. Eröffnung um 20.30 Uhr mit dem Spielfilm „Chicas tristes“ aus Mexico über zwei Frauen, deren Leben durch ein Ereignis auf einer Party erschüttert wird. Abschlussfilm: 29.4. „La hija cóndor“ über die junge Hebamme Clara in den Anden, die eigentlich als Sängerin berühmt werden will.

Tübingen
22.-29.4., Kino Museum, Eröffnung am 22.4., 18:30 Uhr mit „La hija cóndor“, Abschluss am 29.4. mit „Río abajo, un tigre“ aus Spanien und „Agárrame fuerte“. In Reutlingen: 24.-28.4. Kino Kamino, Freiburg: 22.-29.4. Kommunales Kino.

Neben Filmen bietet das Festival auch Musik, Podiumsdiskussionen, Publikumsgespräche, Vorträge und einen Salsa-Workshop. Das ganze Programm gibt es unter https://filmtage-tuebingen.de/latino

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