Baden-Württemberg

Künzelsauer Unternehmerlegende: „Leistung zählt, nicht das Parteibuch“

Weniger Bürokratie, mehr Begeisterung: Was Unternehmer Reinhold Würth von Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) erwartet – und warum er an Lothar Späth erinnert.

  • Die Künzelsauer Unternehmerlegende Reinhold WürthFoto: Marijan Murat/dpa/Marijan Murat

    Die Künzelsauer Unternehmerlegende Reinhold WürthFoto: Marijan Murat/dpa/Marijan Murat

Unternehmerlegende Reinhold Würth hängt die Messlatte für die neue grün-schwarze Landesregierung unter Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) sehr hoch. „Nicht nur reden, umsetzen. Ernst machen mit weniger Bürokratie, weniger Regulierung und schnelleren Genehmigungsverfahren“, sagte der 91 Jahre alte frühere Würth-Chef der Deutschen Presse-Agentur in Künzelsau (Hohenlohekreis). 

Würth erinnerte an Lothar Späth (CDU), der nach seinem Amtsantritt als Ministerpräsident zuerst Hunderte von Erlassen, Verfügungen und Texten gestrichen und abgeschafft habe. „Schön wäre, wenn Herr Özdemir ähnlich funktionieren würde. Ganz wichtig ist, wieder die Lust und Begeisterung an der Arbeit zu haben. Das spüre ich auch bei uns im Unternehmen.“

Das Thema Wirtschaft haben Grüne und CDU im Industrieland Baden-Württemberg bei der dritten Auflage von Grün-Schwarz besonders prominent platziert. Der Koalitionsvertrag sieht unter anderem vor, dass Unternehmensgründungen künftig innerhalb von zwei Tagen möglich sein sollen. Schüsseltechnologien sollen gezielt gefördert und die Bürokratie zurückgestutzt werden.

„Özdemir ist ein kluger, weltgewandter Mann“

Würth sagte: „Herr Özdemir ist ein kluger, weltgewandter Mann. Winfried Kretschmann war ein honoriger Mann, der das Land gut geführt hat. Jetzt kommt ein Neuanfang.“ Die Koalition habe Wirtschaft zur obersten Priorität erklärt – jetzt komme es ganz entscheidend darauf an, ob dieses Versprechen eingelöst werde.

Entscheidend sei, ob Özdemir eine Verwaltungskultur schaffe, die vom „Nein, weil ...“ zu einem „Ja klar“ komme. Wichtig sei auch, dass das Land seinen Einfluss beim Bund und bei der Europäischen Union geltend mache, damit Unternehmertum in Baden-Württemberg wieder Freude mache. 

„Als Unternehmer sage ich: Leistung zählt, nicht das Parteibuch. Ich bin Wechselwähler und messe Politiker daran, was sie tun – nicht daran, was sie ankündigen.“ Am Mittwoch war Özdemir zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden.

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