Stuttgart - „Merz hat recht“ – es kommt selten vor, dass der oberste Jungsozialist dem CDU-Kanzler verbal auf die Schulter klopft. Doch dessen Beifallsbekundung ist ironisch gemeint. Sie zielt auf des Kanzlers Gerede über Gerechtigkeitsmängel bei der Krankenversicherung. Bevor der Verdacht sich erhärten konnte, er wolle das Zweiklassensystem dort abschaffen, ließ Friedrich Merz klarstellen: Alles nicht so gemeint. Weiß der Kanzler nicht mehr, was er sagt?
Das missverständliche Merz-Gefasel ist symptomatisch für den Zustand seiner Partei. Was der CDU bei den jüngsten Wahlen widerfahren ist, nennen Boxer Wirkungstreffer, diese führen oft zum K.o. Im Falle der CDU hoffen darauf allenfalls die Stimmenkönige im Osten. Die letzte der Volksparteien sollte sich weder einreden lassen, sie sei es gar nicht mehr, noch voreilige Schlüsse aus der doppelten Pleite in zwei Provinzregionen ziehen: Abgestimmt haben dort nur fünf Prozent der Wahlberechtigten bundesweit. So fatal wie ein voreiliger Kanzlersturz wäre nun eine Demontage der eigenen Reformpläne, nur weil Jung- und Altsozialisten in der SPD an der immens teuren „Rente mit 63“ festhalten wollen. Es war Etikettenschwindel, den eigenen Wählern „CDU pur“ zu versprechen, was es auf Bundesebene in 80 Jahren so nie gab. Es würde aber noch mehr Wähler verprellen, wenn die Union sich nun aus Angst vor der eigenen Courage einer Sozialdemokratisierung unterzöge.

