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Jagten Menschen in der Steinzeit gezielt Mammut-Weibchen?

Forscher entdecken bei Anhäufungen von Mammutknochen einen auffällig hohen Anteil weiblicher Tiere. Was verrät das über die Jagdgewohnheiten der Menschen in der Eiszeit?

  • Wollhaarmammuts während der Eiszeit: Bild von Edward Frederick Skinner (1865–1924), um 1907.Imago/Heritage Images

    Wollhaarmammuts während der Eiszeit: Bild von Edward Frederick Skinner (1865–1924), um 1907.Imago/Heritage Images

Eine Untersuchung von Mammutknochen deutet darauf hin, dass Menschen während der letzten Eiszeit vor allem weibliche Tiere jagten. Das berichtet ein internationales Forscherteam nach der Analyse der Überreste von mehr als 500 Wollhaarmammuts in Europa, Asien und Nordamerika.

70 Prozent der Mammutknochen stammen von Weibchen

In Ansammlungen von Mammutknochen, die vermutlich auf Menschen zurückgehen und die ausschließlich aus Eurasien stammen, waren 70 Prozent der Tiere weiblich. Fossilien von anderen Fundorten stammten hingegen zu 66,5 Prozent von männlichen Tieren, wie die Experte im Fachjournal „Current Biology“ schreiben.

„Ob die massiven Anhäufungen von Mammutknochen natürlich entstanden sind oder durch menschliche Jagd, wurde seit Jahrzehnten diskutiert“, sagt David Díez del Molino von der Universität Stockholm. „Durch Vergleiche des Geschlechterverhältnisses Hunderter Mammuts in natürlicher Umgebung und in archäologischen Kontexten können wir nun ableiten, dass hauptsächlich menschliche Aktivitäten hinter diesen Anhäufungen stecken.“

Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) waren eine wichtige Ressource für die Jäger und Sammler der jüngeren Altsteinzeit. Sie lieferten Fleisch, Fett und Fell, ihr Elfenbein diente unter anderem zur Herstellung von Werkzeugen und Schmuck. Auch wurden Materialien von Wollhaarmammuts in Bestattungen integriert, etwa Elfenbeinperlen oder Mammutschulterblätter.

Möglicherweise waren Routen der weiblichen Tiere berechenbarer

Das Team um Hannah Moots von der Universität Stockholm untersuchte nun Erbgut von 521 Wollhaarmammuts. 100 der Genome stammten aus Knochen, die in größeren Ansammlungen gefunden wurden, bei denen es archäologische Hinweise auf menschliche Aktivitäten gab - etwa 20.000 bis 30.000 Jahre alte Feuerstellen. Die übrigen 421 Genome kamen von Mammuts, deren Überreste einzeln an vielen verschiedenen Stellen gefunden wurden.

Ob die Menschen damals tatsächlich gezielt weiblichen Mammuts nachstellten, ist allerdings nicht ganz klar. Diese waren zwar kleiner als männliche Tiere und könnten daher eher als Beute gedient haben. Doch Erstautorin Hannah Moots vermutet, dass die Realität komplexer war:

„Sollten sich Mammuts ähnlich wie heutige Elefanten verhalten haben, verfügten die in matriarchalisch organisierten Herden lebenden Weibchen womöglich über Verteidigungsstrategien, die eine Begegnung mit solchen Herden ebenso riskant oder sogar noch gefährlicher machten.“ Möglich wäre auch, dass die Routen der von Weibchen geführten Herden für die Menschen berechenbarer waren als die der eher umher streunenden Bullen.

Genetische Auffälligkeit bei einem Mammut

Deren einzelgängerisches Verhalten könnte dafür verantwortlich sein, dass sie eher auf gefährliches Terrain wie natürliche Fallen oder Erdrutschgebiete vordrangen, in denen ihre Knochen dann erhalten blieben, vermutet das Team. Dies könnte den höheren Anteil von Männchen an den Einzelfundstätten erklären.

Bei der genetischen Analyse fanden die Wissenschaftler bei einem Wollhaarmammut eine Besonderheit: Das Tier hatte in einigen Zellen nur ein einzelnes X-Chromosom, in anderen Zellen den für Weibchen üblichen Satz von zwei X-Chromosomen. Diese mosaikartige Verteilung der Geschlechtschromosomen ist auch vom Menschen bekannt, hier führt sie bei Frauen zum Ullrich-Turner-Syndrom. „Unseres Wissens nach ist dies der erste Bericht über ein solches Krankheitsbild bei einer ausgestorbenen Art“, heißt es in der Studie. (Text: Stefan Parsch, dpa)

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