Panorama

Geprügelt, geschlachtet, gegessen: Hundefleisch-Festival von Yulin

Jedes Jahr seit 2009 findet in der chinesischen Stadt Yulin vom 21. bis zum 30. Juni das berüchtigte „Dog Meat festival“ statt.

  • Ein Hund wartet im Käfig eines Schlachthauses in Yulin auf sein Ende. Die Greifzange steht schon bereit.Foto: N/A/Confidential for Humane World for Animals/FuZhao

    Ein Hund wartet im Käfig eines Schlachthauses in Yulin auf sein Ende. Die Greifzange steht schon bereit.Foto: N/A/Confidential for Humane World for Animals/FuZhao

Vom 21. bis 30. Juni 2026 ist es wieder so weit: Tausende Hunde werden in enge Käfige zusammengepfercht, auf der Schlachtbank oder fertig zubereitet zum Verkauf feilgeboten.

In der chinesischen Stadt Yulin in der Provinz Guangxi findet trotz wachsender Proteste im In- und Ausland seit 2009 das alljährliche „Lychee- and-Dog-Meat Festival“ – das Lychee- und Hundefleisch-Festival – statt. Tausende Hunde werden dabei geschlachtet und verzehrt, wie Tierschutzorganisationen berichten. Dazu werden den Gästen Likör und Litschis gereicht.

Die Videos, die in den sozialen Netzwerken – etwa auf der Plattform YouTube – verbreitet werden, sind so abstoßend, brutal und schrecklich, dass man sie nur wenige Sekunden ertragen kann.

Vierbeiner werden vergiftet und mit Knüppeln zu Tode geprügelt

Wie jedes Jahr werden Tierschützer auch diesmal Straßen in Yulin blockieren und Hunde sowie Katzen aus Schlachthäusern befreien. Die Hundefleisch-Verkäufer behaupten, dass die Tiere auf vergleichsweise sanfte Art getötet würden. Die Tierschützer hingegen betonen, die Vierbeiner würden vergiftet oder zu Tode geprügelt.

Der Verzehr von Hundefleisch hat in Guangxi seit rund 500 Jahre Tradition.

Wenige Tage vor Beginn der berüchtigten Veranstaltung haben lokale Tierschützer, die von der internationalen Tierschutzorganisation Humane World of Animals unterstützt werden, ein Hundeschlachthaus in Yulin geschlossen. Neun Hunde, die auf dem Gelände gefunden wurden, entgingen nur knapp dem Tod.

In dem Betrieb wurden demnach in den vergangenen Jahren mehr als 15.000 Hunde getötet. Das Schlachthaus lieferte Hundekadaver an Restaurants und Märkte des Yulin-Festivals.

Schlachthausbesitzer tötete 20 Jahre lang Hunde

 „Ich freue mich auf ein friedliches Leben“, sagte der ehemalige Besitzer gegenüber der Organisation. „Ich habe fast 20 Jahre lang Hunde getötet. Es ist ein schmutziges Geschäft und ich habe mich dabei nie gut gefühlt. Außerdem essen heutzutage weniger Menschen Hundefleisch.“

Auch in anderen asiatischen Ländern versucht Humane World of Animals im Rahmen ihres „Models for Change“-Programms, Schlachthaus-Betreiber von ihrem blutigen Geschäft abzubringen. So unterstützt die Tierschutzorganisation seit mehr als einem Jahrzehnt Hundezüchter in Südkorea dabei, auf andere Tätigkeiten wie den Anbau von Chili oder Pilzen umzusteigen.

Das südkoreanische Parlament hatte im Januar 2024 ein Gesetz verabschiedet, das die Hundefleisch-Industrie schrittweise bis 2027 beendet. Erst jüngst hat Humane World for Animals sein Programm auch in Vietnam, Indien und Indonesien gestartet.

Tierschützer wollen „brutalen und umstrittenen Handel“ beenden

Julie Sanders, Direktorin der Kampagne für ein Ende des Hunde- und Katzenfleischhandels, betont: „Es ist unglaublich ermutigend zu sehen, dass diese Umstellung in Yulin stattfindet, das wohl berüchtigtste Zentrum für Hunde- und Katzenfleisch in China.“

Der Hunde- und Katzenfleischhandel in China sei unpopulär, berichtet Sanders weiter. Zudem sei er oft illegal, eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit durch die Verbreitung von Tollwut, wirtschaftlich von begrenzter Bedeutung und kein Teil der allgemeinen Esskultur. „Wir wollen zeigen, dass es möglich und sinnvoll ist, diesen brutalen und umstrittenen Handel zu beenden, indem wir den Beteiligten helfen, auf neue Erwerbsquellen umzusteigen.“

Die neun Hunde, die im Schlachthaus gerettet wurden, werden derzeit tierärztlich versorgt. Sie werden unter Quarantäne gestellt, geimpft und kastriert, bevor man sie zur Adoption in ein sicheres und liebevolles Zuhause vermittelt.

20 Millionen Hunde fallen Schlachtbeil zum Opfer

Laut Humane World for Animals werden schätzungsweise 20 Millionen Hunde und 6 Millionen Katzen jedes Jahr in ganz Asien brutal getötet und gegessen – in Ländern wie Vietnam, China, Kambodscha, Indonesien und mehreren Bundesstaaten im Nordosten Indiens.

China hat den weltweit größten Markt für Hunde- und Katzenfleisch, mit schätzungsweise 10 Millionen Hunden und 4 Millionen Katzen, die jährlich geschlachtet werden.

In Taiwan, Hongkong, den Philippinen, Thailand und Südkorea ist das Schlachten und der Verkauf von Hunden und Katzen zum Verzehr generell verboten.

In anderen Ländern wie Singapur und Malaysia ist der Handel durch bestehende Gesetze zum Tierschutz, zur Vermeidung von Tierquälerei sowie zu Hygiene bei Tieren und Lebensmitteln praktisch untersagt.

Tiere werden meist gestohlen

Die meisten Hunde und Katzen, die für den Verzehr geschlachtet werden, sind gestohlene Haustiere – Wachhunde oder Streuner, die von der Straße entführt oder mit Giftködern und Pfeilen gefangen werden.

Das Hundefleisch-Festival in Yulin ist keine traditionelle Veranstaltung. Hundefleischhändler führten es 2009 ein, um den Konsum und Verkauf anzukurbeln. Trotz vereinzelter Maßnahmen – darunter Straßensperren, um Lastwagen mit Hunden und Katzen an der Einfahrt in die Stadt zu hindern – haben die Behörden den Handel bisher nicht grundsätzlich untersagt.

Dabei verbietet Chinas Lebensmittelsicherheitsgesetz in Artikel 34 die Verarbeitung von Lebensmitteln aus Tieren, die nicht als Nutztiere gelten. Die Schlachtvorschriften beziehen sich nicht auf Hunde und Katzen, sodass der Hunde- und Katzenfleischhandel gegen das Gesetz verstößt. (mit dpa-Agenuturmaterial)

Datenschutz-Einstellungen