Kultur

Finale für die „Visionäre der Moderne“

Jedes Bild ein Ereignis - so unser Urteil zu „Visionäre der Moderne“ in der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart. Am 12. September lässt sich das letztmals überprüfen.

  • In der Ausstellung "Visionäre der Moderne" in der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart zu sehen: Willi Baumeisters „Eule III“ von 1959Willi Baumeister

    In der Ausstellung "Visionäre der Moderne" in der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart zu sehen: Willi Baumeisters „Eule III“ von 1959Willi Baumeister

Waren es fünf Besuche, gar sieben? Die Ausstellung „Visionäre der Moderne“ in der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart hat jeden Blick verdient - ist doch bei jedem Besuch wieder Neues zu entdecken in den Werken von Willi Baumeister, Adolf Hölzel, Ida Kerkovius und Oskar Schlemmer. Am 12. September ist die Schau letztmals zu sehen.

Allein der Blick durch die Schaufenster der Ladengalerie am Kleinen Schlossplatz macht schon deutlich: Hier findet keine Klassiker-Ausstellung statt, die mit Nebenschauplätzen auf zwei oder drei wichtige Arbeiten einstimmt. Nein, hier schwingt sich Willi Baumeisters „Eule III“ von 1950 als tiefschwarzer Geist den Menschen draußen entgegen. Ungestüm, wild, im eigentlichen Sinn archaisch. Und rechts? Ein späterer Guss von Oskar Schlemmers weißer „Bauplastik R“ von 1919, ein Relief als vorweggenommene Vollendung von Schlemmers Idee eines von der Kreativität bestimmten neuen Menschenideals. Und mittig, aus der Tiefe durch den Galerieraum stürmend - Willi Baumeisters „Fußballspieler“ von 1934.

Da muss man hinein. Um sich auszusetzen. Sich hinzugeben. Schon die Namen sind kühne Behauptung. Baumeister, Hölzel, Kerkovius, Schlemmer. Was soll da schiefgehen? Diese Ausstellung dreht die Frage um in: Wie hoch lässt sich die Messlatte noch legen. „Es wird nötig sein, der Farbe im Bild die ihr im Ausdrucks- und Harmoniereichtum gebührende Geltung zu verschaffen“, schreibt Adolf Hölzel - und dann erarbeitet der Moderne-Schrittmacher und große Lehrerpersönlichkeit von Baumeister, Kerkovius und Schlemmer 1925 das Pastell „Komposition mit Figuren“ und löst seine eigene Forderung mit fürwahr glühendem Herzen ein.

„Visionäre der Moderne“ auf höchstem Niveau

Das kann nicht die Ausstellung einer Privatgalerie sein - und ist es doch. Mittendrin: Ida Kerkovius' weit ausschlagender „Pendel mit Engel“ von 1959 und ihr gegen alle deutschen Ewigkeitsansprüche gerichtetes, das Jetzt feiernde „Liebespaar“ von 1938. Oder dieses, erst beim dritten oder vierten Besuch sich vordrängende Kammzug-Bild „Zwei Figuren“ von Willi Baumeister: Kleine Farbinseln erheben sich da aus dem Grund, ein Bild als Aufführung, Malerei als Choreographie.

Von 11 bis 17 Uhr ist dies und noch viel mehr noch einmal und nur noch einmal zu erleben - am Samstag, 12. September. Finale also für „Visionäre der Moderne“, Finale für eine Ausstellung auf allerhöchstem nationalen und internationalen Niveau.

Datenschutz-Einstellungen