Eine schwarze Frau kommt an die Staatsspitze von Georgia, ein offen schwuler Mann zieht für New Hampshire in den Senat ein, eine Latina erobert das Gouverneursamt in Texas: Die US-Zwischenwahlen vom 3. November bringen einige Premieren. Keisha Lance Bottoms, Chris Pappas und Gina Hinojosa stehen dabei für unterschiedliche Veränderungen – und für politische Spitzenämter, die bislang niemand mit ihrem jeweiligen Hintergrund erreicht hatte.
Keisha Lance Bottoms wird Gouverneurin
In Georgia hat Keisha Lance Bottoms (56) als erste schwarze Frau die Wahl zum Gouverneursamt eines US-Bundesstaates gewonnen. Die Demokratin und frühere Bürgermeisterin von Atlanta setzte sich gegen den republikanischen Unternehmer Rick Jackson durch.
Sie wird Nachfolgerin von Brian Kemp, der wegen der Amtszeitbegrenzung nicht erneut antreten durfte. Zugleich endet damit eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde republikanische Kontrolle dieses wichtigen Amts im südöstlichen Bundesstaat Georgia.
Die historische Bedeutung des Erfolgs reicht über das regionale Ambiente hinaus. Das Forschungszentrum Center for American Women and Politics hatte Bottoms’ Kandidatur bereits vor der Wahl als möglichen nationalen Meilenstein eingeordnet. Im Wahlkampf setzte Lance Bottoms auf konkrete Alltagsthemen: eine Ausweitung der Krankenversicherung Medicaid und niedrigere Lebenshaltungskosten für Familien.
Chris Pappas wird erster schwuler Senator
Chris Pappas (46) schreibt unterdessen im US-Senat Geschichte. Der Demokrat gewann in New Hampshire gegen den Republikaner John E. Sununu und wurde damit zum ersten offen schwulen Mann gewählt, der in die zweite Kammer des US-Kongresses einzieht. Er wird im Januar die Demokratin Jeanne Shaheen ablösen.
Offen queere Frauen hatten dem Senat indes bereits zuvor angehört. Die Frage ist auch, ob sexuelle Präferenzen wirklich so viel mit Politik zu tun haben. Dass es mit dem Einzug des ersten offen schwulen Senators überhaupt so lange gedauert hat, zeigt indes, wie konservativ die Kammer im Grunde veranlagt ist.
Latina-Gouverneurin Hinojosa in Texas
In Texas gelang unterdessen Gina Hinojosa (52) die Wahl zur ersten Latina im Gouverneursamt des Staates. Bundesweit ist sie die dritte Latina-Frau in einem solchen Amt. Bei Männern ist das indes nichts Neues: Mit Romualdo Pacheco regierte schon im 19. Jahrhundert ein Latino in Kalifornien.
Die demokratische Abgeordnete aus Austin besiegte nun den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott. Dieser räumte seine Niederlage ein. Hinojosa wird damit seit über 30 Jahren auch die erste demokratische Person an der Spitze von Texas seit Ann Richards, deren Amtszeit 1995 endete.
Eine Demokratin im konservativen Texas und dann auch noch eine Latina? Es ist ein wenig so, als ob in Deutschland Florian von Brunn (SPD) gegen Markus Söder (CSU) gewinnen würde. Allerdings steigt der Anteil der Latinos in der US-Bevölkerung schon seit Jahrzehnten stark – und könnte die USA irgendwann im 21. Jahrhundert womöglich zu einem mehrheitlich spanischsprachigen Land werden lassen.
Bei der Präsidentenwahl 2024 hatten viele Latinos aus Enttäuschung über die als misslungen empfundene Biden-Regierungszeit überraschend für Trump votiert, doch damit scheint es jetzt schon wieder vorbei zu sein.

