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Eine feste Größe im Nationalteam

Annie Cesar, die frühere Libera von Allianz MTV Stuttgart, spielt bei der EM eine wichtige Rolle – und freut sich auf die Herausforderung.

  • Libera AFoto: imago/Starsport

    Libera AFoto: imago/Starsport

Stuttgart - Die deutschen Volleyballerinnen starten am Samstag in Istanbul in die EM. Im Kader von Bundestrainer Giulio Bregoli steht zwar keine aktuelle Spielerin von Allianz MTV Stuttgart, es gibt aber zahlreiche Verbindungen zu dem Bundesligisten. Zuspielerin Hannah Kohn (SSC Schwerin) trug schon das blaue MTV-Trikot, ebenso die Mittelblockerinnen Monique Strubbe (LOVB Salt Lake) und Marie Schölzel (MLV Minnesota), Außenangreiferin Leana Grozer (Busto Arsizio) wurde am Stuttgarter Bundesstützpunkt ausgebildet. Und dann gibt es noch Annie Cesar.

Die Libera war fünf Jahre bei Allianz MTV Stuttgart und gehörte zu dem Team, das 2019 die erste Meisterschaft gewann. Gespielt hat sie in dieser Zeit, da Roosa Koskelo fast immer gesetzt war, eher wenig. Das änderte sich erst nach ihrem Wechsel zu den Ladies in Black Aachen. Vor drei Jahren schaffte sie den Sprung ins Nationalteam, nun wird sie ihr erstes großes Turnier als Libera Nummer eins bestreiten – endlich. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt Annie Cesar, „ich bin zwar schon 29 Jahre alt, habe auf diesem Niveau aber noch wenig Erfahrung. Ich habe viel Verantwortung, mache mir in dieser neuen Rolle selbst Druck. Zugleich empfinde ich die Nervosität als etwas Positives. Die Aufgabe ist schwierig, aber auch schön!“ Und der Ausgang ungewiss.

In der Nations League erlebte das deutsche Team ein stetes Auf und Ab. Es gab einen sensationellen 3:2-Sieg gegen Brasilien, aber auch einige Duelle, in denen mehr drin gewesen wäre. „Im Aufschlag und im Block sind wir richtig stark“, sagt Annie Cesar, die in fast allen Spielen der Nations League in der Startformation stand, „wenn wir unser Potenzial aufs Feld bringen, sind wir ein unangenehmer Gegner.“ Ob das klappen wird? „Darauf bin ich selbst gespannt.“

Fest steht: Das deutsche Team hätte es bei der Auslosung besser treffen können. In der türkischen Metropole sind Siege gegen Slowenien (Samstag), Lettland (Sonntag) und Ungarn (Dienstag, alle 15 Uhr/MESZ) Pflicht, danach geht es gegen die Titelfavoriten Türkei (Mittwoch, 18 Uhr) und Polen (Donnerstag, 15 Uhr). Mit einer der beiden Top-Mannschaften könnte es im Viertelfinale ein Wiedersehen geben. Während Leana Grozer ganz offensiv eine Medaille als Ziel nennt, ist Annie Cesar etwas zurückhaltender. „Für uns wird jedes Spiel ein großer Kampf“, meint sie, „schon das finde ich cool.“

Die Aussage zeigt, wie die Libera tickt: Sie freut sich darauf, besondere Erfahrungen zu machen und Herausforderungen anzunehmen. Auch deshalb wechselte sie vor zwei Jahren in die neue US-Profiliga. Sie spielte in Omaha/Nebraska, inmitten des riesigen Landes. Die Stadt hat knapp 500.000 Einwohner, und trotzdem wäre Annie Cesar nicht überrascht gewesen, „wenn irgendwann mal eine Büffelherde vorbeigekommen“ wäre. „Es war dort ganz speziell“, sagt sie, „es gab nichts zu erleben.“ Zumindest außerhalb der Halle. Volleyballerisch lernte Annie Cesar eine neue Kultur und Philosophie kennen, in der die Spielerinnen große Freiheiten hatten und ihnen viel Verantwortung übertragen wurde. „Ich musste raus aus meiner Komfortzone, und genau das wollte ich auch“, sagt sie, „trotzdem war es keine ganz einfache Zeit.“

Eigenständiger wurde Annie Cesar in den USA, sie hat viel gelernt. Spielen durfte sie allerdings kaum. Im ersten Jahr war Olympiasiegerin Justine Wong-Orantes vor ihr, im zweiten Alexis Rodriguez, die neue Libera des US-Nationalteams, die ein Superstar in den sozialen Medien ist. „Wir waren ein super Team, ich habe tolle Volleyballerinnen und Menschen kennengelernt“, sagt Annie Cesar, „leider hat sich die Aufstellung oft angefühlt, als sei sie politisch motiviert. Ich hatte keine Chance, an Lexi Rodriguez vorbeizukommen.“ Auch deshalb hat sie das Abenteuer USA beendet.

Nach der EM wird Annie Cesar für den FC Porto spielen. Sie freut sich sehr auf die Volleyball-Kultur und das Leben in Portugal. „Ich komme zu einem professionellen Verein, wir haben die Chance, uns noch für die Champions League zu qualifizieren“, sagt sie, „ich wollte wieder in Europa spielen und bin froh, dass dies geklappt hat.“ Nicht zuletzt, weil es nun nicht mehr ganz so weit nach Stuttgart ist, wo nicht nur ihr Freund wohnt, sondern auch ihre beste Freundin.

Sehr gerne hätte Cesar den Sommer und die EM mit Pia Kästner verbracht, doch eine Daumen-OP verhinderte das Comeback der Zuspielerin von Allianz MTV Stuttgart im Nationalteam. „Klar fehlt sie mir“, sagt Annie Cesar, „sie ist für mich wie eine Schwester.“ Weshalb sie mit großem Interesse verfolgt, wie sich Pia Kästner und ihr Team im Alltag schlagen. „Ich habe in den USA versucht, mir möglichst viele Spiele anzuschauen. Schade, dass die Stuttgarterinnen vergangene Saison keinen Titel geholt haben, vom Potenzial her waren sie das beste deutsche Team“, meint die Libera, „und sie haben weiterhin die Klasse, um erfolgreich zu sein.“ Auch ohne deutsche EM-Teilnehmerin.

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