Baden-Württemberg

Diese Fehler können am Berg lebensgefährlich werden

Blitz und Donner können in den Bergen tödlich enden. Wer trotz Gewitterwarnung losgeht oder zu spät umdreht, bringt sich in Lebensgefahr. Was Wanderer bei einem aufziehenden Unwetter wissen müssen.

  • Im einen Moment scheint die Sonne, im nächsten schlägt der Blitz ein. Das Wetter auf dem Berg kann sich in Minuten ändern. (Symbolfoto)Valentin Gensch/dpa-tmn/dpa

    Im einen Moment scheint die Sonne, im nächsten schlägt der Blitz ein. Das Wetter auf dem Berg kann sich in Minuten ändern. (Symbolfoto)Valentin Gensch/dpa-tmn/dpa

Ein sonniger Morgen, blauer Himmel, angenehme Temperaturen – und wenige Stunden später hängen dunkle Wolken über den Gipfeln. Gerade im Sommer können sich Gewitter in den Bergen schnell entwickeln. Was im Tal noch wie ein kurzer Regenschauer aussieht, kann weiter oben zu Starkregen, Hagel, Sturm und Blitzschlag werden.

Dass die Gefahr nicht unterschätzt werden sollte, zeigen immer wieder Einsätze der Bergrettung. Im Juni 2025 kamen in Tirol drei Bergsteiger ums Leben, nachdem sie bei einem plötzlichen Wetterumschwung von einem Blitz getroffen worden waren. Der Österreichische Alpenverein nahm den Unfall zum Anlass, erneut eindringlich vor Gewittern im alpinen Gelände zu warnen. Auch 2026 mussten bereits Wanderer und Bergsteiger aus Gewittern gerettet werden.

Warum Gewitter am Berg so gefährlich sind

Das größte Risiko ist offensichtlich: der Blitz. Doch ein Gewitter bringt noch weitere Gefahren mit sich. Starker Regen macht Wege und Felsen rutschig, die Sicht kann innerhalb weniger Minuten deutlich schlechter werden. Dazu kommen kräftige Windböen, Hagel und in steilem Gelände die Gefahr von Steinschlag oder plötzlich anschwellenden Bächen. Besonders problematisch ist die Situation auf exponierten Gipfeln, Graten oder Klettersteigen. Wer dort unterwegs ist, kann bei einem aufziehenden Gewitter oft nicht einfach schnell einen geschützten Ort erreichen.

Der Österreichische Alpenverein weist zudem darauf hin, dass Gewitter mit Starkregen in Felswänden innerhalb kurzer Zeit gefährliche Sturzfluten und Steinschlag auslösen können. Auch eine Unterkühlung kann zum Problem werden, wenn Wanderer völlig durchnässt werden.

Nicht erst beim ersten Donner umdrehen

Das sicherste Verhalten bei Gewitter ist, gar nicht erst hineinzugeraten. Wer eine Bergtour plant, sollte deshalb bereits vorher einen Blick auf die Wetterentwicklung werfen. Nicht nur die Wettervorhersage für den Startzeitpunkt ist entscheidend. Auch die Entwicklung im Laufe des Tages muss berücksichtigt werden.

Im Sommer entstehen sogenannte Wärmegewitter häufig im Tagesverlauf. Deshalb empfiehlt der Alpenverein, früh aufzubrechen und Touren so zu planen, dass man gefährdete Höhenlagen rechtzeitig wieder verlassen hat. Bei entsprechender Gewitterneigung kann es sinnvoll sein, die Tour zu verkürzen oder ganz auf einen Gipfelaufstieg zu verzichten.

Die Faustregel lautet: Bei unsicherem Wetter lieber zu früh umkehren als zu spät. Denn wer erst auf dem Gipfel feststellt, dass ein Gewitter aufzieht, hat möglicherweise bereits ein Problem. Der Rückweg kann deutlich länger dauern als gedacht.

So erkennen Wanderer ein aufziehendes Gewitter

Nicht immer kommt ein Gewitter völlig überraschend. Es gibt Warnzeichen, auf die Wanderer achten sollten. Typisch sind beispielsweise:

  • schnell wachsende, turmartige Quellwolken
  • dunkle, mächtige Gewitterwolken
  • plötzlich auffrischender oder böiger Wind
  • Hagel
  • ein ungewöhnliches Surren oder Kribbeln in der Luft
  • zunehmendes Donnergrollen

Besonders ernst sollte man sogenannte Ambosswolken nehmen. Sie können auf eine kräftige Gewitterzelle hindeuten. Sie sieht aus wie ein gewaltiger, hoch aufragender Turm mit einem flachen, amboss- oder pilzförmigen Schirm an der Spitze.

Abstand zwischen Blitz und Donner als Orientierung

Zwischen Blitz und Donner kann die Entfernung zum Gewitter grob abgeschätzt werden. Die Zahl der Sekunden zwischen Blitz und Donner wird durch drei geteilt. Sind zwischen Blitz und Donner beispielsweise zehn Sekunden vergangen, befindet sich das Gewitter ungefähr drei Kilometer entfernt.

Das ist allerdings keine Entwarnung für größere Abstände: Ein Gewitter kann sich bewegen und einzelne Blitze können auch außerhalb des eigentlichen Niederschlagsbereichs auftreten. Wer Donner hört, sollte deshalb bereits Schutzmaßnahmen treffen.

Was tun, wenn das Gewitter bereits da ist?

Wenn der Rückweg ins Tal oder zu einer sicheren Hütte nicht mehr rechtzeitig möglich ist, gilt es, möglichst schnell aus exponiertem Gelände herauszukommen. Das heißt: Gipfel, Grate und andere Erhebungen verlassen. Auch Gipfelkreuze, einzelne Felstürme und andere herausragende Punkte sind gefährlich. Man sollte zudem dringend Abstand von Drahtseilen und metallischen Konstruktionen halten. Gerade auf Klettersteigen ist die Situation besonders schwierig. Das Absturzrisiko darf allerdings nicht ignoriert werden: Wer sich in absturzgefährdetem Gelände befindet, sollte seine Sicherung nicht einfach lösen. Der Alpenverein empfiehlt, dort weiterhin gesichert zu bleiben.

Schutz suchen! Eine geschlossene Berghütte ist die beste Möglichkeit. Auch eine geeignete Felshöhle kann Schutz bieten. Dabei sollte man Abstand zur Felswand halten; der Alpenverein nennt mindestens 1,5 Meter. Aber: Nicht unter Bäume stellen. Ein Wald ist nicht automatisch gefährlich, aber einzelne freistehende Bäume oder Waldränder bieten keinen zuverlässigen Blitzschutz. Auch Wasser sollte gemieden werden. Bäche, Rinnen und andere wasserführende Stellen sind bei Gewitter keine geeigneten Aufenthaltsorte.

Kein sicherer Ort in Sicht? Dann in die Kauerstellung

Manchmal gibt es schlicht keine Hütte, keine geeignete Höhle und keinen schnellen Weg ins Tal. Dann sollte man eine möglichst niedrige Position einnehmen. Der Alpenverein empfiehlt, sich mit geschlossenen Beinen hinzuhocken und möglichst wenig Kontakt zum Boden zu haben – beispielsweise auf dem Rucksack. So lässt sich die Gefahr durch sogenannte Schrittspannungen reduzieren.

Wichtig ist dabei, dass sich Wanderer nicht flach auf den Boden legen. Dadurch würde die Kontaktfläche zum Boden vergrößert. Auch zwischen den einzelnen Personen sollte möglichst Abstand bestehen. Eine größere Gruppe sollte sich bei akuter Blitzgefahr nicht eng zusammenstellen.

Regen allein ist nicht das einzige Problem

Viele Wanderer unterschätzen, wie schnell ein Gewitter die Bedingungen am Berg verändern kann. Nach kräftigem Regen können aus kleinen Rinnsalen plötzlich reißende Bäche werden. Felsen und Wurzeln werden glatt, Wege können teilweise überflutet oder durch Geröll blockiert sein. Bei starkem Wind können Äste abbrechen oder Bäume umstürzen.

Für Wanderer bedeutet das: Auch wenn der Blitz schon weitergezogen ist, kann der Weg noch gefährlich sein.

Diese Fehler sollten Wanderer bei Gewitter vermeiden

Wer bei Gewitter in den Bergen unterwegs ist, sollte vor allem diese Fehler vermeiden:

  • trotz Gewitterwarnung auf eine lange Tour starten
  • die Tour unnötig bis zum Nachmittag ausdehnen
  • erst beim ersten Blitz oder Donner umkehren
  • auf Gipfeln, Graten oder anderen Erhebungen bleiben
  • unter einzelnen Bäumen oder an Waldrändern Schutz suchen
  • an Drahtseilen oder anderen metallischen Konstruktionen bleiben
  • sich in Bäche oder wasserführende Rinnen stellen
  • bei Starkregen noch schnell den Gipfel erreichen wollen
  • eine Klettersteigsicherung in absturzgefährdetem Gelände wegen des Gewitters lösen
  • sich darauf verlassen, dass das Gewitter schon „irgendwie vorbeiziehen wird“

Wetter-App allein reicht nicht

Eine Wetter-App gehört heute zur Standardausrüstung vieler Wanderer. Sie ersetzt aber nicht den Blick in den Himmel und eine vernünftige Tourenplanung. Vor dem Start sollten Wanderer möglichst aktuelle Wetter- und Gewitterwarnungen prüfen. Während der Tour lohnt sich zusätzlich der regelmäßige Blick auf die Wetterentwicklung.

Bei schwierigen Touren können auch Hüttenwirte, Bergführer oder örtliche Bergrettungen wertvolle Informationen über die aktuellen Bedingungen geben. Für Deutschland bietet der Deutsche Wetterdienst mit der WarnWetter-App aktuelle Wetterwarnungen an. Im Alpenraum gibt es zusätzlich regionale Bergwetterdienste.

Die Planung ist das Wichtigste

Wer bei der Planung bereits einen Notabstieg, eine Hütte oder einen anderen Schutzort berücksichtigt, hat im Ernstfall deutlich mehr Möglichkeiten.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht die Frage, wie man ein Gewitter auf dem Berg überlebt. Besser ist die Frage: Wie verhindere ich, dass ich überhaupt in diese Situation komme?

Früh starten, Wetterwarnungen ernst nehmen, die Route an die Wetterlage anpassen und bei ersten Anzeichen rechtzeitig umdrehen – damit lassen sich viele gefährliche Situationen vermeiden.

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