Die soziale Marktwirtschaft gilt als Säule des deutschen Wohlstands - doch zuletzt ist dieses Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell einer Studie zufolge zunehmend unter Druck geraten.
Bei mehreren Wohlstandsindikatoren sei „ein Rückgang oder zumindest eine Stagnation zu beobachten“, heißt es in einer am Dienstag (28. April) vom Münchener Ifo-Institut veröffentlichten Studie. Es bestehe die Gefahr, dass „der Wohlstand in Deutschland verfällt“ oder die Bevölkerung von der weltweiten Wohlstandsentwicklung abgekoppelt werde.
Soziale Marktwirtschaft im Niedergang
Die soziale Marktwirtschaft steht sinnbildlich für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg und zielt auf größtmöglichen Wohlstand bei gleichzeitig bestmöglicher sozialer Absicherung ab.
In der deutschen Bevölkerung stößt dieses Modell auf „breite Zustimmung“, wie die Autoren in ihrer im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) erstellten Studie schreiben. Im Vergleich der G7-Staaten sei in Deutschland ein „hohes Wohlstandsniveau“ erreicht worden.
Wo es in Deutschland hakt
Weniger widerstandsfähig
Dem Zustand von wirtschaftlicher Freiheit und Eigenverantwortung attestiert die Studie ein gemischtes Bild: So seien die Staatsausgaben und die Neuverschuldung anders als in anderen G7-Ländern nach der Corona-Krise nicht mehr zu den niedrigeren Ausgangsniveaus zurückgekehrt.
Positiv lasse sich hingegen feststellen, dass die Zahl der Transferempfänger im Trend der letzten 20 Jahre abnehme.
Wie widerstandsfähig die Soziale Marktwirtschaft ist, wird laut Ifo-Institut zudem durch geopolitische Krisen auf den Prüfstand gestellt. Kritisch sehen die Autoren hier, dass die Importabhängigkeit im Energiesektor seit der Jahrtausendwende gestiegen sei, was die Verwundbarkeit gegenüber „geopolitischen Schocks“ erhöht habe.
Nötig seien angesichts dieser Bestandsaufnahme „tiefgreifende Reformen“, fordert Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die soziale Marktwirtschaft sei „gerade in Zeiten des Wandels aktueller denn je“, fügt VBW-Präsident Wolfram Hatz hinzu.
Stärkende Stellschrauben
In der Studie als mögliche Stellschrauben zur Stärkung der sozialen Marktwirtschaft genannt werden unter anderem:
Erforderlich ist demnach zudem eine „nachhaltige Reform der sozialen Sicherungssysteme“, eine „Wettbewerbsfähigkeit schützende Energie- und Umweltpolitik“ und eine Stärkung wirtschaftlicher Widerstandfähigkeit im Außenhandel.

