Baden-Württemberg

Das hat sich nach dem Suizidversuch für Wolfgang Grupp geändert

In einem Podcast spricht der 84-Jährige über sein Erfolgsrezept als Unternehmer, die Zukunft von Trigema, seinen neuen Tagesablauf und den gescheiterten Suizidversuch.

  • Grupp im April dieses Jahres in der Konfektionierung von Trigema. Nach seinem Suizidversuch hatte sicher der Firmen-Patriarch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.Archiv/dpa

    Grupp im April dieses Jahres in der Konfektionierung von Trigema. Nach seinem Suizidversuch hatte sicher der Firmen-Patriarch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.Archiv/dpa

Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat kaum bleibende Schäden von seinem Suizidversuch davongetragen. Das sagte der 84-Jährige in einem Podcast der F.A.Z. „Den Suizidversuch habe ich am meisten selbst bereut“, so Grupp. Er höre etwas schlechter, sonst sei „nichts anders geworden“, sagte der Unternehmer aus Burladingen (Zollernalbkreis).

Grupp hat seinen Alltag ein bisschen angepasst. Er startet nun jeden Tag mit einer Runde im eigenen Schwimmbad. Er habe das 50 Meter lange Becken gebaut, „jetzt muss ich auch schwimmen. Jeden Morgen. Ist doch logisch. Das ist schwäbisch“, verriet Grupp. Sommer, Winter, Schnee oder Regen – egal. Grupp schwimmt. Das Becken sei leicht geschwungen, das Design habe er aus Acapulco (Mexiko) mitgebracht, gab der Unternehmer weitere Einblicke in seinen Alltag. Inzwischen stehe er um 7 auf, eine Stunde später als früher. Bevor er ins Wasser steigt, putzt er nur die Zähne. Frühstück gibt es hinterher. Dass Grupp Müsli liebt, ist seit Längerem bekannt.

Da er das Alter mit seinen 84 Jahren doch auch langsam spüre, sei es durchaus gut, dass er in der Firma nicht mehr so sehr eingespannt sei. „Ich bin nicht mehr so belastbar“, sagte Grupp. Dennoch sei das Schönste im Leben „von anderen gebraucht zu werden“. Dass er dieses Gefühl zeitweise nicht mehr gehabt habe, habe zu dem Suizidversuch im Juli 2025 geführt.

Grupp: „Bin froh, wenn ich nicht mehr wegen jedem Scheiß gefragt werde“

2024 hatte Grupp Trigema, das er 55 Jahre lang leitete, an seine Kinder und seine Frau übergeben. Eigentlich habe er das Unternehmen nur einem seiner Kinder anvertrauen wollen. Alle Familienmitglieder zu beteiligen sei „eine reine steuerliche Empfehlung“ gewesen – und der sei er „gefolgt“. Seine Frau Elisabeth leitet nun die sogenannten Testgeschäfte von Trigema, Sohn Wolfgang jr. ist für die Produktion zuständig, Tochter Bonita für das Personal.

Kleinigkeiten würden ihn nicht mehr interessieren, beteuert Grupp, „Ich bin froh, wenn ich nicht mehr wegen jedem Scheiß gefragt werde.“ Aber über wesentliche Entscheidungen berät die Familie immer noch gemeinsam. Sie sitzt ja gemeinsam in einem Büro. „Wenn meine Kinder Dinge machen würden, die zu Verlusten führen würden, das gibt's nicht. Sie fragen mich ja. Sie sind so erzogen“, so das Familienoberhaupt. Dass es die Firma noch gebe, er dort etwas zu tun habe, das sei auch sein Glück. Das habe er inzwischen erkannt, so Grupp. „Ich mache nach wie vor die Produktionsplanung“, allerdings immer noch ohne Computer. Den brauchte er nie.

„Mein Leben war nicht so schwierig“, sagt Wolfgang Grupp zu seinem bisherigen Weg. Sein unternehmerischer Erfolg gründete dabei auf einem guten Näschen und festen Prinzipien. 1972 übernahm er im Alter von 33 Jahren die hoch verschuldete Firma von seinem Vater. Auf zehn Millionen D-Mark summierten sich die Verbindlichkeiten bei der Bank.

Früh schloss Grupp einen Lizenzvertrag mit Walt Disney ab; wer T-Shirts mit Aufdrucken von Micky Maus und Co. in Deutschland kaufen wollte, kaufte sie von Trigema. Auch mit Kaufhof, Karstadt und Aldi machte Grupp Geschäfte. Dass die Größe des Unternehmens dabei immer überschaubar blieb, sei „ganz wichtig gewesen“, sagt Grupp. Es durfte nur so groß sein, dass er es „komplett selbst verantworten und überblicken konnte“.

Wolfgang Grupp: „Wir hatten nie eine negative Bilanz“

Aus Prestigegründen sei die Firma auch nie gewachsen. Leute zu beschäftigen, für die er gar keine Arbeit habe, sei für ihn „als Schwaben schlicht zu teuer gewesen“, so der Ex-Trigema-Boss. Mode kam, Mode ging, Grupp ignorierte die Trends in aller Regel. Ihm sei es um die Rendite gegangen. Kleidung zu produzieren, bei denen man drauflegt, nur weil gerade etwas en vogue war, das habe es bei Trigema nie gegeben. „In meinen 55 Jahren gab es schwierige und gute Jahre, aber wir hatten nie eine negative Bilanz. Wir haben immer Gewinne gemacht.“

Wie sich Trigema weiterentwickelt, das hängt auch davon ab, wie die Kinder ihre Zukunft planen. Dass sie für immer in Familienhand bleibt, ist nicht gesagt. Da macht sich Wolfgang Grupp keine Illusionen. „Wenn mein Sohn sagen würde, ich heirate nach Amerika, dann kann er ja nicht die Firma weiter führen“, sagt der Senior. „Man muss das eben anpassen, wie sich das Leben des einzelnen verändert.“

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