Politik

Das FCAS-Desaster

Europa muss sich unabhängig machen – vor allem von den USA. Der Streit um den Bau des Kampfjets zeigt aber, dass die Politik in nationalen Egoismen verharrt, kommentiert Knut Krohn.

  • Kanzler Friedrich Merz (links) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sehen sich als überzeugte Europäer. Doch im Streit um den Kampfjet FCAS geben sie nationalen Egoismen nach.Foto: Ebrahim Noroozi/Pool AP/dpa

    Kanzler Friedrich Merz (links) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sehen sich als überzeugte Europäer. Doch im Streit um den Kampfjet FCAS geben sie nationalen Egoismen nach.Foto: Ebrahim Noroozi/Pool AP/dpa

Die Welt ist im Moment kein friedlicher Ort. Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der nicht zögert, Kriege vom Zaun zu brechen, wenn sie zu seinem persönlichen Nutzen sind. Dass er dabei die alte Weltordnung zertrümmert, nimmt Donald Trump als Kollateralschaden achselzuckend in Kauf. Zur selben Zeit arbeitet das imperiale China konsequent an seinem Aufstieg zur wirtschaftlichen und militärischen Weltmacht. Und in Europa wird seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine nicht nur Kiew, sondern die gesamte Europäische Union in ihrer Existenz bedroht.

Ein Opfer persönlicher Eitelkeiten

Es gibt also genügend sehr gute Gründe für die Europäer, sich zusammenzuraufen, um gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen. Doch die führenden Politiker und Unternehmer scheinen die bedrohlichen Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Nirgends wird das deutlicher als bei dem Desaster der Entwicklung des Kampflugzeuges FCAS. Das historische 100-Milliarden-Euro-Projekt droht persönlichen Eitelkeiten und nationalen Egoismen geopfert zu werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Kanzler Friedrich Merz preisen sich in der Öffentlichkeit als Kämpfer für ein geeintes Europa, geben im entscheidenden Augenblick bei diesem sehr konkreten Projekt zum Schutz des Kontinents vor seinen Feinden aber keine gute Figur ab.

Die Sonntagsreden der Politiker

Unehrlich ist, dass jeder versucht, die Schuld für das Versagen bei der Gegenseite abzuladen. Die Verantwortlichen scheinen die Tragweite dieses fatalen Scheiterns zu verdrängen. In einer feindlich gesinnten Welt muss Europa daran arbeiten, sich militärisch schnell unabhängig zu machen. In ihren Sonntagsreden nennen die Politiker das „strategische Autonomie“. Die Frage ist: Wieso handeln sie nicht danach?

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