Baden-Württemberg

Aus dem Ländle zur WM: schwarz-rot-goldener Golf wird in die USA verschifft

Der WM-Golf geht auf große Fahrt: Über den Atlantik zur Fußball-Weltmeisterschaft. Für den Besitzer waren die vergangenen Wochen nervenaufreibend.

  • Sie haben schon die passenden Trikots, der Golf auch Tüv: Fabian Bergmann (rechts) mit Techniker Uwe Thom (links) und seinem Schwager Steffen Kurz.Foto: privat

    Sie haben schon die passenden Trikots, der Golf auch Tüv: Fabian Bergmann (rechts) mit Techniker Uwe Thom (links) und seinem Schwager Steffen Kurz.Foto: privat

Der Deutschland-Golf geht auf seine bislang größte Reise. Erstmals verlässt der alte VW in der auffälligen Schwarz-rot-gold-Optik den Kontinent. An diesem Sonntag reist er in die USA - auf dem Seeweg. Ziel: die Fußball-WM 2026. „Wir freuen uns, sind aber auch froh, wenn das Auto und wir endlich drüben sind“, sagt Golf-Besitzer Fabian Bergmann.

Denn die vergangenen Wochen waren nervenaufreibend für ihn und seine Mitstreiter. Immer wieder stand die Frage im Raum, ob es überhaupt klappt, den alten Golf über den Atlantik zu verschiffen. Planung, jede Menge Papierkram - für Zoll und US-Behörden - und vor allem die Finanzierung seien die größten Herausforderungen gewesen. „Grade schreit eben nicht jedes Unternehmen: Hurra, hier habt ihr“, sagt Bergmann. Die mittlere fünfstellige Summe, die das Unterfangen voraussichtlich am Ende kosten wird, ist vor allem dank Bergmanns Arbeitgeber Würth und weiterer Mittelständler aus dem Südwesten zusammengekommen. „Dass es klappt, war eine Teamleistung“, sagt Bergmann.

Der EM-Golf war auch schon in Stuttgart zu Gast

Vor der Heim-WM 2006 hatten Bergmann und einige Freunde den Plan ersonnen, seinen Zweier-Golf, Baujahr 1991, zum „Fan-Auto“ umzubauen. Und die Schnapsidee setzten sich dann tatsächlich um. Das Auto bekam eine Lackierung in den Deutschland-Farben, Fähnchen, einen neue Hupe. Und: eine Unterschrift von „Kaiser“ Franz Beckenbauer. In den Jahren danach war der Golf während Turnieren regelmäßig in Deutschland unterwegs - unter anderem während der Heim-EM vor zwei Jahren auch in Stuttgart. Nun also Amerika.

In dieser Woche ging es von Künzelsau für den Golf nach Bremen. Fahrtzeit: 21 Stunden. In der Hansestadt wurde das Auto in einen Container verladen. Zuvor war es auf Herz und Nieren geprüft worden, es hat nun wieder Tüv. Für unvorhergesehene Pannen ist ein kleines „Ersatzteilpaket“ an Bord. Dass Bergmann und Co. überhaupt den Entschluss fassten, in die USA zu reisen, lag an einer WM-Kampagne für einen Mineralölkonzern, für die sie im März gecastet wurden. „Danach haben wir gesagt: Lass uns versuchen, in die USA zu kommen“, sagt Bergmann.

Also haben sich Bergmann und sein Steffen Kurz den Spielplan angeschaut, sie planen nun einen richtigen Roadtrip. Zunächst fahren sie zum deutschem WM-Quartier in Winston-Salem (North Carolina), dort hofft Bergmann vielleicht ein paar autogrammfreudige Nationalspieler zu treffen, die das Auto signieren. Mittlerweile haben insgesamt 37 deutsche Welt- und 15 Europameister unterschrieben - unter anderen auch die ehemaligen VfB-Spieler Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald und Philipp Lahm. Irgendwann sollen natürlich alle, die einen der beiden Titel gewonnen haben, den Golf zieren. Das ist zumindest das erklärte Ziel.

Der Golf soll irgendwann ins Museum

Apropos Ziele: Zum dritten Gruppenspiel der deutschen Elf gegen Ecuador fahren Bergmann und Kurz nach New Jersey. Auch das Sechzehntelfinale haben sie eingeplant, allerdings nur, wenn Deutschland seine Gruppe gewinnt. Denn dann spielt die Nationalmannschaft in Boston. Als Zweiter müsste die Nagelsmann-Truppe in Dallas ran. Das wäre definitiv zu weit. So ist das im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Bergmann weiß sehr wohl, dass eine WM anderswo vermutlich einfacher zu handeln gewesen wäre. „Aber wir freuen uns auf die Begegnungen und sehen uns auch als Botschafter.“

Denn der Golf soll weiter an Bekanntheit gewinnen - auch außerhalb Deutschlands. Inzwischen hat er auch seinen eigenen Social-Media-Auftritt. Wo die Reise endet? „Hoffentlich irgendwann im Museum, als Leihgabe“, sagt Fabian Bergmann. Aber soweit ist es noch nicht. Die nächsten Europameisterschaft findet in Großbritannien statt, die WM in vier Jahren größtenteils in Spanien und Portugal, die übernächste Euro dürfen Italien und die Türkei ausrichten: „Das haben wir alles auf dem Zettel“, sagt Fabian Bergmann.

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