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Viele Apotheken bleiben morgen geschlossen

Pharmazeuten protestieren erneut gegen „Kaputtsparen“. Eine Vaihingerin schildert die Problematik.

Vaihingen (clar). Bereits zum zweiten Mal binnen fünf Monaten gehen Apothekerinnen und Apotheker sozusagen in den Streik: Am morgigen Mittwoch bleiben zahlreiche Apotheken in Baden-Württemberg und Bayern geschlossen, Notdienste ausgenommen. In anderen Bundesländern gab oder gibt es ebenfalls Protesttage. Die Zahl der Apotheken sei stark zurückgegangen, das Versorgungssystem kaputtgespart worden, teilt der Landesapothekerverband Baden-Württemberg zur Begründung mit.

Was das genau bedeutet, schildert Alexie Messirek, die in Vaihingen die beiden Schlossapotheken im Vaisana (morgen geschlossen) und in der Franckstraße (morgen wegen Notdienst geöffnet) betreibt: „Es gibt mehrere Probleme. Zum einen ist die Vergütung der Apotheken seit 2013 nicht erhöht worden. Die Kosten für Personal, Energie und Sprit für Zufahrten steigen aber.“ Gute Mitarbeiter seien rar und müssten umworben werden. Entlohnt würden sie in der Regel ohnehin nicht über Tarif, weil dieser zu gering sei. „Das ist eine Aufwärtsspirale. Irgendwann ist das nicht mehr bezahlbar.“

Durch die fehlende wirtschaftliche Attraktivität sinke die Attraktivität des Berufs, meint Messirek. „Da denken sich junge Leute: ,Warum soll ich mir das antun?‘“

Dazu komme zunehmender bürokratischer Aufwand, sagt die Vaihinger Apothekerin. So müssten sich Pharmazeuten zum Beispiel aufwendig präqualifizieren, bevor sie Hilfsmittel wie Asthmasprays abgeben dürfen. Für manche Heilmittel müsse mit der Krankenkasse verhandelt werden. „Ich verbringe 90 Prozent meiner Arbeitszeit im Büro“, erzählt Messirek und fügt an, dass sie sich die Arbeit durchaus anders vorgestellt habe, als sie die beiden Apotheken ihrer Mutter vor drei Jahren übernahm. Für Organisatorisches geht ihrer Ansicht nach heute zu viel Zeit und Energie verloren. „Das ist nicht unser Hauptgeschäft. Vorne steht ein kranker Patient, dem wollen wir helfen.“

Der Landesapothekerverband fordert neben dem Bürokratieabbau vor allem, die Bundesregierung solle die Apotheken wirtschaftlich stabilisieren. Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nach dem Protesttag im Juni, nämlich Hauptapotheken mehr als die bisher erlaubten drei Filialen zu gewähren, kam aber nicht gut an. Auch bei Alexie Messirek nicht: „Das sind dann Apotheken light ohne Labor und ohne Notdienste. Wer soll das dann übernehmen?“ Käme das Modell, würden noch mehr Hauptapotheken sterben, weil sich das Geschäft für sie nicht mehr rechne, schätzt die Vaihingerin.

Helfen würde aus ihrer Sicht zum einen ein höheres Honorar – 12 statt bisher 8,35 Euro – pro abgegebenem Arzneimittel auf Rezept. Außerdem wünscht sich Messirek mehr Flexibilität für die Apotheken, etwa bei den Pflichtöffnungszeiten. Hilfreich wäre hier, wenn zum Beispiel der festgelegte freie Mittwochnachmittag je nach Bedingungen auch auf einen anderen Tag verschoben werden könnte.

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